Rita Bremm-Heffels

Zoff im Hühnerhof


Es hatte sich schon lange angebahnt.
Die Unruhe auf dem Hühnerhof lag förmlich in der Luft.

Hahn Dotto , schon etwas zerrupft im Gefieder, aber auf stämmigen Beinen,
hatte seine Hennen Schar immer an der langen aber doch sicheren Leine um sich gehalten.

Manche von ihnen fragten sich zwar, was wohl besonderes an ihm dran sei , doch letztlich schaffte er es immer wieder, mal mit Zuckerbrot, mal mit Peitsche seinen Harem, nach seiner Pfeife tanzen zu lassen.
Es lag seiner Meinung nach an seiner Stimme. Und natürlich an seinem für Hähne ungewöhnlichen Intellekt.
Beides erhob ihn zum uneingeschränkten Hahnenkönig. Mal laut, mal sanft, mal dominant, mal einschmeichelnd, so pflegte er seine Hennen immer wieder zu beeindrucken..

Oberhenne Agatha behagte das überhaupt nicht. Eifersüchtig bewachte sie jeden
protzigen Flügelschlag und jeden Ton ihres Liebsten.
Doch sie schwieg dazu, was blieb ihr übrig.
Denn im Großen und Ganzen waren sie ja eine eingeschworene Gemeinschaft,
die jede Störung von Außen vehement bekämpfte.

„Gemeinsam sind wir stark“ – dieses Schlagwort versöhnte sie am Ende immer wieder.

Wenn sie noch daran dachte wie die Bäuerin sich doch erdreistet hatte, zwei fremde Hennen in den Stall zu setzten. Na, da war was los gewesen

Diese beiden Puten hatten sich für was Besseres gehalten.
Sich geputzt, wollten nicht einfach mit gackern, nein sie spazierten hin und her fanden den stupiden Tagesablauf langweilig.
Langweilig, das mußte man sich vorstellen.

Dabei war es immer so gewesen: Morgens das Frühstücksei, dann bis mittag herum gescharrt und gegackert, nichts Besonderes, einfach so vor sich hin gelebt.
Ab und zu kam Dotto seinen „Gockelpflichten“ nach, bei ihr mehr oder weniger widerwillig, dieses Gefühl hatte Agatha seit geraumer Zeit.

All‘ das hatte zu einer gewissen Unruhe beigetragen.

„Wenn Agatha wüßte“, dachte Hahn Dotto, „daß ich hinter dem Stall die junge Henne Liotta vernascht habe. „
Die Erinnerung an dieses heiße Abenteuer ließ seinen Kamm in die Höhe schwellen.
Liotta war eine dieser Neuen gewesen.
Doch genau dieses Abenteuer hatte Liotta nebst ihrer Freundin Gesine so zusagen den „Hals gebrochen.“
Eines Morgens waren sie weg, einfach so. Ausgezogen, vielleicht freiwillig, oder.......

Und er, Hahn Dotto, mußte natürlich Erleichterung zeigen. Obwohl die Beiden nicht Ohne gewesen waren, mal etwas Frisches.

Danach hätte nun eigentlich Ruhe einkehren können da die alte Ordnung wieder hergestellt war.

Doch dann traf Gockel Dotto eines morgens völlig unerwartet der Schlag:

Saß doch da wieder was Neues im Gehege.

Man glaubte es kaum: Keine süße, junge, knusprige Henne, nein, ein Hahn.

Und was für einer:


Mit bunt schillernden Federn, einem herrlichen Kamm und einem Selbstbewußtsein, daß Gockel Dotto sein Kikeriki an diesem Morgen im Halse stecken blieb.

Die Hennen beäugten, teil hoch interessiert, teil skeptisch den Neuzugang.

Der, ganz seiner Wirkung bewußt, holte tief Luft und was er dann von sich gab, war ein regelrechter Kunstgenuß, schön und wohltönend unterschied er sich erheblich vom bisherigen, etwas einseitigen Gekrähe von Hahn Dotto.

Und dann des Neuen Name: Hagedorn. Hörte sich an wie ein alter Ritter Name. Manche der Hennen waren tief beeindruckt.
Doch sie hatten nicht mit dem Zorn von Gockel Dotto gerechnet. Diese Schmach.
Er, der sich alles in diesem Laden aufgebaut hatte, immer die Fäden in der Hand, sollte sich nun von so einem „ Hergelaufenen“ die Show stehlen lassen?

Nein, Nein und nochmals nein. Hier würde Blut fließen, ohne Zweifel.

Oberhenne Agatha hatte das Ganze erst einmal aus der Distanz beobachtet.
Natürlich war der Neue ein Flotter, aber konnte sie sich sicher sein, daß er sich einem alten zähen Huhn wie sie es nun mal war, überhaupt noch zuwenden würde?
Zwar blinzelte er manchmal in ihre Richtung, doch es konnte natürlich auch sein, daß er sie gar nicht meinte. Liefen ja genug andere herum. Was sieht man schon im starren, durchdringenden Blick eines Hahnes?
Und so entschloß sich Henne Agatha die einmalige Chance zu nutzen und IHREM Gockel Dotto beizustehen im „Hahnenkampf“.

Sie begann erst einmal mit der „sanften“ Tour. Gemeinsam mit Dotto prasselten verbale Gacker Attacken! !
Hahn Hagedorn beachtete sie kaum, warf ihnen einen ironischen Blick samt einem spöttischen Kikeri zu - und ließ sie stehen.

Henne Agathe kochte. Dies IHR. Haupthenne Agathe und einfach so übergehen. So als ob er sie überhaupt nicht ernst nahm.
Na warte, du Hagedorn. Nun kommt die harte Tour. Die Hinterhältige. Damit hatte sie es noch in jeder Lage geschafft.
Und auch bei ihm würde sie’s schaffen. Zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen, oder wie bei den Hennen sagte: Zwei Körner auf einmal picken.

Denn IHR Dotto würde ihr ewig dankbar sein und solche kleine Eskapaden wie die mit dieser Liotta,
von der er glaubte sie hätte keine Ahnung, ha, die wären ein für alle mal vorbei.

Nachdem am Morgen die Eier gelegt waren und die gesamte Hennen Schar eintönig gackerte und scharrte, schlich sich Henne Agatha zurück in den Stall wo die Eier in den Nestern lagen.

Sie rollte mit ihren Füße aus jedem Nest ein, zwei Eier heraus, alle in die Ecke unter der Stange auf der Hahn Hagedorn seinen Platz hatte.
Dann pickte sie in jedes Ei ein Loch und mischte sich unbemerkt wieder unter‘s Hühnervolk.

Das Ergebnis ließ nicht lange auf sich warten. Plötzlich ein großes Geschrei. Ein Gegackere, wild, aufgeregt. Greta die Älteste von ihnen kam laut kreischend aus dem Stall gerannt.

„ Dieb,“ gackerte sie so laut sie konnte “ Eierdieb“.
„ War mir gleich suspekt dieser Fremde. Klaut Eier aus unseren Nestern und schafft sie für sich beiseite. Ist das die Möglichkeit?“

Die jüngeren Hennen schüttelten die Köpfe, wollten es nicht glauben, doch der engere Kreis
um Dotto, der alte Stamm, gackert entrüstet.

„ Das muß sofort gemeldet werden“, schrie Agatha, die sich bis dahin ganz zurückgehalten hatte.
„ Dotto, du hast mal wieder Recht gehabt mit deinem Mißtrauen. „

Und Dotto krähte mit vor Entrüstung sich überschlagender Stimme: „ Weg mit ihm, vom Hof. Eierdieb, Eierdieb.. Schande!“

Hahn Hagedorn stand etwas abseits, blickte konsterniert in die aufgebrachte Runde.
Was war nur in die gefahren? Sollte er versehentlich ein Ei zertreten haben?

Von dem Geschrei angelockt trat die Bäuerin ins das Gehege.

Alle hielten Abstand zum Stall als sie die Tür öffnete und – einen entsetzten Schrei ausstieß.

„ Was ist hier los? Dieser Hahn ist ein Eierdieb. So etwas, das gibt es doch nicht.
Das würde mir noch fehlen hier auf dem Hof. Nein. Schluß.“

Und ehe sich Hahn Hagedorn sich versah, hatte sie ihn an den Füßen gepackt, zerrte ihn zum Holzklotz und nach einem Schlag taumelte der Ärmste kopflos, noch ein paar mal Flügel schlagend durch die Gegend.
Er zuckte, zappelte während ihm das Blut aus dem Stumpf schoß und fiel nach einer Weile wie ein Stein zu Boden.

„ Gottfried,“ schrie die Bäuerin „ Mach Wasser heiß, der Neue muß gerupft.“

„ Den hast du geköpft?“ fragte der Bauer erstaunt.
„Da lagen etliche kaputte Eier in seiner Ecke. Der war ein Eierdieb.“.

„ Und woher willst du das wissen?“ fragte der Bauer, „ nur weil ein paar Eier in seiner Ecke lagen?“

„ Du meinst, die könnten auch ....?“ die Bäuerin schaute sichtlich betroffen.

„ Bei Hühner und Hähnen ist alles möglich,“ sagte der Bauer. „ Da habe ich schon die tollsten Dinger erlebt.“
„ Haben zwar nischt im Koppe aber manchmal ganz schön raffiniert. Und intrigant“

„ Also könnte jede???“ „ Na klar und auch jeder...“

Die Bäuerin überlegte kurz.

„ Weiß du was, die alte Gruppe mit Gockel Dotto, mit der ist sowieso nicht mehr viel los.
Wäre besser alle zusammen jetzt vor dem Fest noch als Suppenhühner zu verkaufen.
Und im Frühjahr kommt dann ein neuer Hahn, ein richtig schöner, nicht mehr so ein Zausel wie Dotto. Und dann wirst du mal sehen, was aus unseren neuen Hennen alles raus kommt.
Dann ist wieder richtig was los im Stall.“

„Hmm...., Lotte, gute Idee. Dann mal los, her mit der ersten.......“



R.B. 18.12.2002


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