Fritz Lenders

... Stuntszenen in der Moorkultur ...

 ... es war soweit. Wir hatten endlich eine Videokamera. Conny, mein Bruder hatte sie sich zugelegt. Juhuuu ! Die Dreharbeiten konnten beginnen.

Wir waren Videojunkies und filmten gerne und Alles was sich bewegte. Leider mußten wir uns bis Dato, die Kameras immer ausleihen und dies war für unsere Börse ziemlich grausam. Wir hatten nicht so sehr das Geld zur Verfügung. Die 80iger Jahre waren nicht so leicht zu bewältigen, wie es im Nachhinein den Anschein erwecken möchte. 

Dennoch unsere Zeit. Lustig und gespickt voller Aberteuerchen und netten Erlebnissen.

Jeder Mensch erlebt natürlich dies und das, aber die Meisten vergessen Ihre Geschichten schon gleich nach ein paar Tagen. Ich nicht. Mein Leben war und ist einfach zu lustig um es zu vergessen.

Wir hatten also jetzt die Kamera. Nun mußte aber auch etwas Tolles gefilmt werde. Ein spektakulärer Stunt wäre ja wohl das Mindeste, was uns gelingen sollte. Also ab zur Kiesgrube. Dort hatten wir genügend Platz und Freiraum für oskarverdächtige Filmaufnahmen.

Da war so eine kleinere Böschung. Nein eher eine steile  Kiesausgrabung. Ein paar Bäumchen etwas weiter unten und ein paar Büsche.

Ich wollte mich mit Klausi, mein Bruder, von Oben runter stürzen. Nicht besonders gefährlich. Die Böschungshöhe dürfte etwa 15 Meter betragen haben und der Winkel war nicht so steil, wie es später auf dem Film zu sehen sein sollte.Außerdem waren wir recht sportlich und überhaupt nicht zimperlich.

Conny stand also unten.

Ich würde mich mit Klausi runterkugeln, etwa in der Mitte durch das Gebüsch falllen und dann getrennt weiterfallen. Nach dem Gebüsch ein kleines Hüpferchen so um die 2 Meter, Landung auf einem Sandhaufen. Einmal abrollen. Fertig.

Würde man so denken! Wenn man Conny nicht kennen würde !!!

Also. Sprung nach unten. Wärend des Sturzes hörte ich noch sein :   " Neeeeiiin "...

Der Akku war nicht aufgeladen. Also wieder rauf... Sprung Nummer Zwei.

Er hat uns irgendwie mit dem Sucher verloren. Wir waren nicht auf dem Film. Wunderbare Landschaftsaufnahme. Aber WIR ?? Wir waren nicht zu sehen.

Wieder rauf... Sprung Nummer Drei !

Diesen Wunderbaren Stunt, führte ich alleine aus, weil Klausi seinen Einsatz verschlafen hatte, oder ich war einfach zu voreilig. Kann auch sein.

Jedenfalls schleppte ich mich keuchend und stöhnend zum wiederholten male die Böschung nach Oben.

Mal ganz ehrlich. Ich war fix und fertig. Man will ja immer sein Bestes geben und das erfordert natürlich Kraft und Konidion. Außerdem sah meine Kleidung aus, als wenn ich gerade unter irgendeiner Brücke hervorgekrochen wäre, nach einer Nacht zwischen Obdachlosen...

Meine Haut sah aus. Voller Schrammen und blauer Flecken, wie Jesus nach der doppelten  Folter.

Sprung Nummer 4 !! Na ja. Mäßiges Ergebnis. Conny war nicht gerade James Cameron und wir Beide, Klausi und ich, auch nicht gerade die Star-Akteure.

Ein bischen enttäuscht fuhren wir mit unserer Ausrüstung Richtung nach Hause. Unterweg hat Klausi noch ein bischen die Autofahrer vor uns gefilmt, was augenblicklich zu Stau geführt hat, weil die Fahrer vor uns dachten, die Polizei würde Sie filmen und deshalb das Durchschnittstempo sofort gedrosselt wurde. In Rosenheim kann im ohnehin schon zähen Berufsverkehr, so eine Aktion  für Haßgefühle sorgen.

Beim Nachhauseweg, fuhren wir über die Moorkultur. In Höhe des Waisenhauses war eine wenig befahrene Straße, eingesäumt mit links und recht, einer leichten Böschung, mit hohem Schilfbewuchs.

Irgendwie sah es so richtig amerikanisch aus. Wildromantisch. Auf alle Fälle, eine Geister, Mord und Totschlag zu erwartende Kulisse.

Es bot sich an, ja es zwang uns förmlich dazu, eine Aufnahme zu drehen. Sozusagen als Entschädigung, für den verpatzten Dreh von vorhin.

Ich würde die Straße entlanglaufen und Conny sollte mich mit unserem BMW rammen und zur Seite schleudern. 

Keine große Sache. Immerhin mußte ich ja auf meine Bekleidung schon nicht mehr aufpassen.

Also Start. 

Ich rannte los. Und weil ich eben auch meinen Bruder kenne, waren meine Augen mehr hinten als vorne.  Das Tempo nahm eine, für mich zu gefährliche Steigerung. Zudem sah ich das satanische Grinsen von Conny, durch die Windschutzscheibe.

Scheiße.

Irgendwie wollte ich abbrechen. Ging leider nicht, da mir der BMW röhrend im Genick saß. Schnell rauf auf die Böschung und durch das Schilf.

Ich dachte mir, in meiner Naivität, es wäre meine Rettung. Falsch. Conny raste mit meinem Herzblatt von Auto, volle Kanne rauf auf die Böschung und ackerte sich durchs Schilf.

Ein Monster hätte nicht bedrohlicher den Weg durch die Böschung und durchs Schilf zurücklegen können. Es sah brutal aus. Und man möchte nicht meinen, was so eine Aktion für einen Krach veranstalten würde.

Etwa 2-3 Meter vor mir ist er dann zum Stehen gekommen.Ehrlich gesagt hatte ich solche Herzklopfen, daß ich mich beihnahe übergeben mußte, vor Panik..

Na schön, mein lieber Bruder. Jetzt bist Duuuu dran.

Ich würde fahren und filmen. Klausi vom Beifahrersitz aus lenken, da er noch keinen Führerschein hatte.

Conny lief los. Er rannte um sein Leben. Wir hinterher...

Es war gar nicht so leicht, Ihn im Sucher der Kamera zu halten. Und ich mußte dauernd lachen. Filmen und fahren... eine nette Situation.

Und plötzlich war er weg. Komisch. Ich hatte keinen Bumms gespürt. Sah ja die ganze Sache nur durchs Objektiv der Kamera. 

Klausi..!!!! Er hatte Conny, anstatt ihn zu rammen, einfach überholt. Trottel. Verfluchte Gutmütigkeit.

Conny stand röchelnd am Straßenrand, Klausi und ich sahen Beide fassungslos zurück. Während der Fahrt.

Das Auto fuhr weiter, Natürlich. Es handelte sich ja nur um ein paar Sekunden. Plötzlich ein Holpern und Scheppern. Wir waren auf die Böschung gedonnert und hatten zusätzlich noch ein Verkehsschild umgenietet.

Wunderbar. Manchmal ist es besser, eine Sache Abzubrechen. Besonders, wenn man sich vor Lachen krümmend,zu Boden fallen lassen muß.

Das Verkehrsschild haben wir solala wieder gerade gebogen, aber unsere ersten Videoeinsätze haben sich in meinem Kopf eingraphiert....

Da waren noch ganz viele ähnlich lustige Situationen. Aber dies würde ein ganzes Buch füllen...



 



 



 



 



 



 

 

 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 08.03.2010. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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