Fritz Lenders

...Conny und seine Interpretation von : "Rache ist süß "...

die 80iger Jahre und die vier umtriebigen Menschen rund um mich...  Peter mein Saunafreund und Rußlandkumpel,  Klausi der schnell frierende  Gerüstbauprofi,  Christian der smarte Mitarbeiter mit  dem trockensten Humor der Welt und Conny der Satan mit dem Engelslächeln.

Diese Vier haben sehr viel dazu beigetragen, daß die 80iger Jahre für mich so unvergesslich gewesen sind. Und auch Felix, unser damaliger Chef im Gerüstbau, wird uns mit Sicherheit nicht vergessen haben.

Wir Fünf haben schon damals zusammen in einem der härtesten Berufe der Welt gearbeitet. Gerüstbau. Eine Sache für sich und ganz bestimmt nichts für Zuckerbäcker. 

 Ich drücke es mal mit den Worten unseres Chef`s  aus :  " der Teufel hat uns auf die Erde gespuckt, weil wir Ihm in der Hölle zuviel Unruhe gestiftet hatten " ..., oder Version Nummer zwei, die Felix unser Boss in machen Momenten, von Maloxan ( Magenmittel ) und Depressionen durchwachsen, auch noch für sich parat hatte : ... " Satan  in der Hölle hat mit mir noch eine Rechnung offen, deshalb hat er euch als Arbeiter zu mir geschickt" ... !!

O.K.  hört sich auch nicht schlecht an. Andrerseits waren wir schon damals ganz vorne, bei den Besten unseres Berufes dabei. Wir haben uns an manchen Tagen, die Seele aus dem Körper raußgearbeitet. Arbeitszeiten bis 22.00 Uhr Abends waren keine Seltenheit und Samstagsarbeit fast schon Normalität.

Wenn da eben nicht unsere quitschfidele, unternehmungslustige kindliche Seite gewesen wäre. Immer zu einem Streich aufgelegt, sind wir nicht selten, lachend am Boden gelegen.

Momentan hatten wir uns ein interessantes Spiel ausgedacht, das sich überall, in jeder Situation ausführen ließ.

Und zwar : wir waren meistens zu fünft. Vier von uns durften sich eine Aufgabe ausdenken, die der Fünfte dann ausführen muste.

Unbedingt. Es war heilige Pflicht.

Wir waren nämlich, bei aller Umtriebigkeit und quasselnder Klappe, tief im Innersten, alle zusammen ziemlich schüchtern. Und ganz besonders den Frauen gegenüber. Was nicht verwundert, denn die Frauen sind so eine Spezies für sich, die man per eigenem Studienfach, ein ganzes Leben lang erforschen konnte, ohne auch nur einen einzigen Schritt weiter zu kommen.

Jedenfalls versuchten wir immer, durch die Schaffung von besonderen Situationen, die es zu bewältigen galt, unser Selbstbewustsein zu stärken und ein bißchen Spaß zu haben. 

Wir saßen  frühmorgens in unserem Kaffeehäuschen und hatten gerade eine nette Aufgabe für Conny erstellt.

Ein paar Tische weiter vorne saßen zwei wunderschöne Mädchen rauchend an Ihrem Tisch. Und wenn ich sage wunderschön, dann ist das noch fast untertrieben. Schon beim reinkommen, hatten wir die Beiden gesehen und gleich automatisch Herzflattern bekommen. Oooh, was waren wir doch für harte Kerle.

Also, Sie rauchten und wir rauchten bei uns am Tisch ebenfalls. Conny`s  Aufgabe bestand darin, zu Ihnen an den Tisch zu gehen und Sie um Feuer für seine Zigarette zu bitten. Eigentlich wäre es nichts Besonderes gewesen, doch wir hatten, wie gesagt, Blickkontakt und wir waren alle Raucher. Also wurde die Frage nach Feuer schon automatisch zu einer peinlichen Situation, die eigentlich nur als echt blöde Anmache gedeutet werden konnte.

Conny stand ganz und gar nicht begeistert auf. Er wollte auf die Toilette und danach, auf dem Rückweg zu uns, bei Ihnen vorbeigehen und um Feuer fragen. Ahaaa, mein lieber Bruder. Gut ausgedacht!

Kaum war er im WC verschwunden, bin ich zu den Zweien hin und hab Ihnen unser Spiel erklärt. Muste schon die ganze Zeit so lachen. Ich bat die Mädchen, Conny doch bitte kein Feuer zu geben, egal wie lieb er auch bettelte.

Schnell, schnell zurück zum Tisch. Ich bin eigentlich mehr gekrochen, von Lachkrämpfen geschüttelt. 

Die Türe der Toilette schwang auf und Conny stolzierte mit seinem schönsten Feiertagslächeln zu den zwei lieblich aussehenden Grazien. Wir verstanden nicht was er sagte. Wir hätten es auch nicht verstanden, wenn er geschrien hätte, weil unterdrücktes, hysterischen Lachen und der damit verbundene Sauerstoffmangel, automatisch einen gewissen Druck auf`s  Trommelfell ausübt und einen für den kurzen Moment fast taub macht.

Jedenfalls sahen wir, daß sich Connys Gesichtsfarbe dunkelviolett verfärbte. Die Mädchen lachten Ihm ins Gesicht, schüttelten Ihren Kopf und drückten Ihre Zigaretten im Aschenbecher aus. Die Augen meines Bruders waren gerade dabei, fassungslos aus den Höhlen zu springen. Natürlich. Für Ihn sah es ja aus, wie eine bodenlose Gemeinheit. Sie gaben Ihm einfach kein Feuer und lachten Ihn auch noch aus.

Er kam völlig zerstört zum Tisch zurück. Naja, so einfach kommen, kann man nicht sagen. Er wankte zurück wie ein kleiner frierender Hund. So ein bischen in Schieflage, seitlich gedreht, stolperte er mit dunkelrotem Kopf zu uns zurück. 

Wir waren in akuter Not. Lachkrämpfe können einen schon mal ersticken lassen. Ein Königreich für eine Sauerstoffmaske...

Vor ein paar Tagen hatten wir uns köstlich amüsiert, als uns ein kleiner Auftrag zum Bahnhof führte.

Wir warteten auf unseren Chef, der im Bahnhofsbüro noch Informationen einholte und Peter war auf der Toilette. Bei Christian, Conny, Klausi und mir standen vier Mädchen in der Nähe, die fragten, was wir hier machten... Christian sagte, sein Bruder ( Peter ) der gerade auf der Toilette war, säße in seinem Kinderzimmer immer in der Ecke und plapperte  dauernd : . " Zug, Zug, Zug, Zug, Zug ..., vor sich hin. Deswegen wären wir jetzt hier, um eben seinem Bruder einen Zug und eine große Lokomotive zu zeigen.

Peter kam vom WC zurück und Christian nahm in bei der Hand, zeigte auf die Züge und sagte zu Peter  wie ein liebender Bruder : " schau mal, Peterchen, so viele schöne Züge und sooo groß "... !!

Peter war natürlich verwirrt und schaute tatsächlich die Züge an, vielleicht erwartete er irgend etwas Besonderes. Und die Mädchen sahen Peter an. So mitleidig und von der Warmherzigkeit Christians, seinem Bruder gegenüber, sichtlich gerührt.

Und als dann eine der Mädchen fragte, was Peter denn hätte, denn er sah eigentlich fast normal aus, konnten wir beobachten, wie sich ein Mensch in eine Salzsäule verwandelte. Zugegebenermaßen in eine bunte Salzsäule. Peter hat den ganzen Vormittag nichts mehr mit uns geredet.

An diesem Tag sind wir noch in der Raststätte in Vaterstetten gewesen. Auf dem Heimweg von München fuhren wir öfters dort auf einen Kaffee vorbei, wir kannten schon alle Angestellten und außerdem war die Raststätte die perfekte Plattform für unsere Spiele. Immer fremde Menschen und meistens interessante Situationen.

Momentan war ich an der Reihe, Aufgaben zu erledigen.

Meine liebenden Brüder und meine zwei Freunde, hatten sich etwas nettes für mich ausgedacht. Ich mußte bei zwei Frauen mit dem Servierwagen, der in der Nähe stand, das schmutzige Geschirr abräumen und anschließend fragen, ob wir alle, uns zu Ihnen an den Tisch setzen dürften. Na super. Das konnte ja wieder was werden

Ich bin also hin. Meine Vier Kumpanen saßen, mich beobachtend, in einer Nische, etwa 6 Meter entfernt. In der Nische waren zwei Tische. Abstand etwa 50-60 cm. An dem einen Tisch die Vier, am anderen Tisch fremde Menschen.

Ich bin also wie ein armseliges, schüchternes Bürschlein, zu den beiden Damen zum Tisch gefahren, mit dem Servierwagen und hab das überflüssige Geschirr abgeräumt. Mein Kopf hatte eine äußerst gesunde, rote Farbe. Es war mir so peinlich. Die beiden Frauen waren wahrscheinlich Mutter und Tochter. Und Sie waren irgendwie ein bischen vornehm, ein wenig elegant. Für mich um so schlimmer.

Ich fragte, ob ich mich mit meinen Freunden zu Ihnen setzen dürfte. Immerhin war die Raststätte ja keine Disco. Also setzte ich meine Engelszungen ein.  Vermutlich sahen die Beiden meine endlose Verzweiflung, vermutlich tat ich Ihnen leid. Jedenfalls stimmten Sie zu.  GOTT sei DANK...

Total erleichtert winkte ich meinen Freunden, Sie könnten kommen. Doch keiner rührte sich von der Stelle. Es war ein nettes Wechselbad der Gefühle. Mein Blick schweifte von den fragenden Augen der beiden Frauen hin und her zu den spöttischen grinsenden Gesichtsaudrücken von den vier Teufeln am anderen Tisch.

Und plötzlich sagte Christian zu den zwei Frauen, ob Sie sich von mir belästigt fühlten ?? Ich wäre aber harmlos und sie würden mich gleich wieder zu Ihnen zurückholen.  Na super. Mein Kopf war jetzt nicht nur dunkelrot sondern auch noch kochend heiß. Es ist ja wirklich schön, wenn man sich, ohnehin schon zu Tode blamiert, auch noch mit dicken Schweißperlen rumschlagen muß.

Die Frauen sind aufgestanden und in einem demonstrativen Bogen, um mich herum , raußgegangen. Voller Scham bin ich auf direktem Wege auf die Toilette gegangen. Klausi und Christian mir hinten nach.

Jetzt saßen nur noch Conny und Peter am Tisch in der Nische. Und eben die Fremden  am Nebentisch.

Auf unserem Tisch standen Kaffeetassen herum und dementsprechend mehrere so kleine Kaffeesahnebehälter. So kleine Portionsdinger aus Kunststoff mit Aluminiumdeckel drauf. Conny sagte zu Peter, er gehe auch kurz zum Kloo. Unterm Aufstehen und weggehen schlug er plötzlich mit einer schnellen Bewegung, mit der Faust auf eines dieser Kaffesahneteilchen.

Der Behälter explodierte. in diesem Augenblick, als sich Conny ja schon vom Tisch wegbewegte. Er ging einfach, als wäre nichts geschehen ganz ruhig Richtung Toilette.

Peter hingegen bekam die volle Ladung Sahne ab. Er verwandelte sich innerhalb einer Sekunde in einen Schneeleoparden. Lauter Flecken von oben bis unten. 75% der Ladung erwischte Ihn, 25% leider den Nachbartisch.

Vom Nachbartisch aus gesehen, konnte man nur erkennen, das etwas gespritzt war, Peter völlig außer sich den Sahnebehälter in der Hand hielt und mit dem Blick eines verzweifelten Freizeitpsychopaten zu Ihnen rüberblickte. 

Conny war schon zu weit weg, um beachtet zu werden. Der einzige mögliche Schuldige mußte und konnte nur Peter sein.

Der Ärmste. Und er war ganz alleine und schutzlos den feindlichen Blicken der Leute vom Nachbartisch ausgesetzt. Und egal was auch immer er sagen würde, es könnte die Sache nur noch schlimmer machen.

Ja,ja.. Conny hatte eben noch seine Rechnung vom Vormittag offen gehabt. Er konnte aber auch wirklich sehr nachtragend sein.

Vielleicht sollten wir langsam mal erwachsen werden. Aber es war einfach eine soooo lustige Zeit. Und wir wollten einfach nicht, daß Sie endet ...

@PapaWien

 

 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 19.03.2010. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

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