Andreas Gritsch

BRD-Militär 0.2

 

 

 

 

 

 

 

Mein Wehrdienst hat mich in mitten all der Kameraden zu einem stillen Menschen werden lassen. Ich war tätig als Schütze im Panzerbataillon 64 bei den Füchsen. Das war die vierte Kompanie, welche auch keine Frau in der Einheit zu verbuchen hatte. Wir befanden uns in der Pampa, fern ab von allem was wir Alltag nannten, und langweilten uns ob der militärischen Ausbilden doch keine einzige Minute.

Trotz Disziplin, Anstand und Stolz, verläuft diese Zeit heute doch ziemlich locker ab. Eine Sache jedoch bleibt heute, wie damals, und in Zukunft. Ein junger Mann wird nur beim Militär eine Art der Abstinenz erleben, welche ihm neue Bilder aus dem Kosmos schenken wird. Ein Zeitraum ohne Weiblichkeit. Wie gesagt, ich war bei Panzermännern in der Walachei, in großen Kasernen sind Frauen heute an den Waffen. Aber auf Grund ihrer absoluten Konzentration auf das Wesentliche und den Willen zum Kampfeinsatz tauglich erklärt zu werden, unterscheiden sich diese nicht mehr von ihren männlichen Kameraden.

Ich allerdings hatte als kleiner Schütze, fern ab vom Schuss in meiner kleiner Männerrunde, ein beinahe buddhistisches Erlebnis. In den ersten zwei Wochen der Grundausbildung hatte ich absolut keinen Kontakt mehr zu Frauen. Weder im Fernsehen, noch in Magazinen, geschweige denn in natura. Es war bis zu diesem Zeitpunkt die längste Zeit in meinem Leben ohne eine Frau auch nur sehen zu dürfen.

Kurz nach dem ersten Manöver mit dem Leopard A3 in Bonnstadt, hatte unsere Kompanie das erste Wochenende frei. Die Kameraden tranken auf den Stuben jede Menge Bier, als mir nach zwei Flaschen der trockne Hackbraten vom Mittagstisch wieder nach oben zu wandern drohte, begab ich mich einsam an die frische Luft. Ich wanderte über Hügel und durch dichte Wälder, bis ich plötzlich vor einem kleinen Häuslein stand, das von innen mehr beleuchtet war als von aussen. Ich trug noch immer meine Uniform, sah mich um, und erkannte durch die Gitter, dass ich mich noch immer im militärischen Sicherheitbereich befand, ohne jedoch irgendwo einen Vorgestezten zu entdecken.

Ich begab mich also in dieses zwielichtige Etablissement und erstarrte kurz zu einer Säule aus Salz, als ich meine Ausbilder hier ganz ausgelassen ihre eigene Freizeit zelebrieren sah. Ich dachte, die machen mich jetzt tot. Aber keiner nahm Notiz von mir, so nahm ich in einer etwas dunklen Ecke Platz. An den Wänden hingen zwei Plasma-Bildschirme auf denen Werbung lief. Der Wirt kam auf mich zu, wünschte mir einen guten Abend und goss mir kaltes Bier in den Humpen welcher vor mir stand. In dem Moment, als ich mich dafür bedankte, war die Werbung zu Ende, und es lief ein Musikvideo der wunderbarsten Art. Ich sah das erste mal nach meiner längsten Zeit endlich wieder eine Frau. In diesem Augenblick hatte ich keine dicken Eier, sondern erinnerte mich an einen Mönch, welcher auf die Frage eines Journalisten, was er denn beim Anblick einer schönen Frau empfinden würde, antwortete, dass er dann froh sei, noch leben zu dürfen.

Danach trank ich mein Bier ganz langsam aus, sah mich nochmal um, trat durch die Tür in meine eigene Freiheit, wanderte zur Unterkunft und schlief mit einem Lächeln bis zum neuen Morgen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

  

Vorheriger TitelNächster Titel
 

Die Rechte und die Verantwortlichkeit für diesen Beitrag liegen beim Autor (Andreas Gritsch).
Der Beitrag wurde von Andreas Gritsch auf e-Stories.de eingesendet.
Die Betreiber von e-Stories.de übernehmen keine Haftung für den Beitrag oder vom Autoren verlinkte Inhalte.
Veröffentlicht auf e-Stories.de am 27.03.2010. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

Der Autor:

  Andreas Gritsch als Lieblingsautor markieren

Bücher unserer Autoren:

cover

Spiegelungen des Daseins: HImmel und Erde: Hommage an das Leben von Jürgen Wagner



Die Gedichte aus den Jahren 2013-16 erzählen von der ‚Hochzeit‘ von Himmel und Erde. Ob in der kraftgebenden Schärfe des Rettichs oder in der Vitalität der Jahrtausende schon lebenden Eibe, ob in der Weisheit alter Geschichten oder im Wunder der Liebe, ob in spirituellen Erfahrungen oder in den Weiten des Alls: überall begegnen sich Licht und Dunkel, oben und unten. Unsere gewohnte Alltagswelt bekommt etwas von ihrem wahren Glanz wieder, wenn wir uns ein Stück dafür öffnen.

Möchtest Du Dein eigenes Buch hier vorstellen?
Weitere Infos!

Leserkommentare (0)


Deine Meinung:

Deine Meinung ist uns und den Autoren wichtig!
Diese sollte jedoch sachlich sein und nicht die Autoren persönlich beleidigen. Wir behalten uns das Recht vor diese Einträge zu löschen!

Dein Kommentar erscheint öffentlich auf der Homepage - Für private Kommentare sende eine Mail an den Autoren!

Navigation

Vorheriger Titel Nächster Titel

Beschwerde an die Redaktion

Autor: Änderungen kannst Du im Mitgliedsbereich vornehmen!

Mehr aus der Kategorie "Impressionen" (Kurzgeschichten)

Weitere Beiträge von Andreas Gritsch

Hat Dir dieser Beitrag gefallen?
Dann schau Dir doch mal diese Vorschläge an:

KunstGriff - Propaganda von Andreas Gritsch (Parabeln)
Das Paradies vor der Haustür von Christa Astl (Impressionen)
Komische Zahlen von Norbert Wittke (Glossen)

Diesen Beitrag empfehlen:

Mit eigenem Mail-Programm empfehlen