Joana Angelides

Haben sie schon einen Gartenzwerg?

 

 

Früher hatte  jeder einen, der einen Garten besaß.

 

Sie hatten alle meist eine rote Zipfelmütze auf und immer ein Grinsen im Gesicht.

Manche haben mit ihnen geredet, ihnen ihre Sorgen erzählt, oder auf ihren Rat gehört. Ja, sie haben immer geantwortet, diese kleinen Wichtel, versteckt im Gras oder hinter dem Holunderbusch. Sagen zumindest ihre Besitzer.

 

Irgendwann galten sie als Kitsch und wurden im Geräteschuppen versteckt. Ihr Wehklagen wurde  einfach überhört.

 

Doch, wie immer, wiederholt sich die Geschichte; Nostalgie macht sich breit und so wurden sie wieder hervorgeholt.

 

Besonders innovative Unternehmer haben sich nun überlegt, man könnte diese kleinen Wichtel modernisieren.

Vielleicht gibt es bald welche mit Sonnenbrillen, einer Gitarre in der Hand oder in einem offenen Sportwagen sitzend?

 

Gartenzwerge als Skin-Heads wären sicher ein Hit, oder vielleicht als linke Chaoten, ein Spruchband schwingend?

So könnte der Gartenbesitzer seine politische Richtung ganz nebenbei und unauffällig kundtun.

 

Emanzen könnten ihre Meinung dadurch kundtun, dass sie  weibliche Gartenzwerge, mit langen Haaren das Gesicht halb abgedeckt und einem Outfit im  Stil der Alice Schwarzer, in den Garten stellen.

 

Das extreme Gegenteil wären natürlich weibliche Bunny-Gartenzwerge, die besonders zu Ostern wie die warmen Semmeln über den Ladentisch gehen würden und besonders von Junggesellen gekauft werden würden.

Da sollte es vielleicht auch welche aus Latex, für verschiedene andere Verwendungsmöglichkeiten  geben?

 

Dann gibt es noch jene  Gartenzwerge, nachempfunden diverser Seitenblicke-Darsteller aus der Bussi-Bussi-Gesellschaft.

 

Ein Modell wird es geben, das niemals alleine auftritt. Es ist der kleine listig dreinblickende Mörtelzwerg, den man nur gemeinsam mit Zwergmausis, Zwerghasis und Zwergbambis erstehen kann. Die machen sich dann besonders gut beim Gemüsegarten, so zwischen den Gurken, Kohlköpfen und dem Schnittlauch für die Suppe.

 

Oder ein vom Worsekzwerg gestyltes Zwergmausi mit tiefen Ein- und Ausblicken in ihr Seelenleben, oder wie man das auch immer nennen mag, gemeinsam mit dem Schillermausi, die wie zum Kusse ihre hervorstechenden Lippen hervorstreckt und nicht nur diese.

 

Besonders up to date  sind neue Gartenzwerg-Modelle, ganz in schwarzem Outfit mit weißem Kragen, in einer Hand eine Kerze und eine Bibel, in der anderen Hand einen Fußball, um  mit der Knabenmannschaft Spiele zu spielen. Diese Gartenzwergerl sind besonders attraktiv und empfehlenswert für Kirchenhöfe und Pfarrgärten.

Oder für die Mitte des  Springbrunnen ein Hirtenzwergerl, mit goldenem Hirtenstab, den Garten segnend. Auf einem kleinen Fels stehend, in die Ferne blickend. Auf solche Zwerge könnte man bauen, hat schon einmal einer gesagt.

 

Wer weiß, vielleicht wird es bald auch welche, als Sängerknaben ausgeführt, mit eingebauter Spieldose geben, Nationalhymnen, Opernarien oder Kinderlieder singend. Das wird eine Quelle von vielen Streitereien mit Nachbarn sein. Es soll uns ja nicht fad werden!

 

Für besonders Feinsinnige gibt es das Holender-Zwergel, das kann auf Knopfdruck sogar Feuer speien!  Für Liebhaber von Opernbällen nicht empfehlenswert, denn man weiß nie, was die Zwerge so nachts, oder wenn sie verärgert sind, treiben!

Die reißen womöglich im Schutz der Dunkelheit die Blumen aus!

 

Aber Alle, aber wirklich Alle sollten rote Mützchen tragen, damit man sie auch als Gartenzwerge erkennt. Ist ja schließlich ihr Markenzeichen!

 

Unglaublich, was man mit Gartenzwergen alles ausdrücken kann. Sie werden ganz sicher eine rasante Renaissance erleben und vielleicht über unsere Grenzen hinaus, ihren Siegeszug rund um die Welt antreten.

 

 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 01.04.2010. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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