Helga Pütz

Das kann kein Zufall gewesen sein !

 

Wie das Leben so spielt, ist ein Satz, den ich gerne verwende, wenn andere von Zufall reden. Ich glaube nicht, das die Dinge, die geschehen Zufall sind, sondern einfach Gottes Fügung.

 

Als ich die Röntgenaufnahmen bei Arzt abholen wollte, fand eine Mitarbeiter-Besprechung statt. Die Patienten wurden gebeten, sich zu gedulden. Ich wartete eine Weile an der Theke und setzte mich, als es mir zu lange dauerte. Erst da sah ich Gisela, die auch wartete. Wir unterhielten uns angeregt und setzten, als wir die Röntgenaufnahmen erhalten hatten, das Gespräch auf der Straße fort.

 

Gisela war im Pflegestress. Pflegestress nenne ich eine Situation, wenn ich feststelle, die zu übernehmenden Aufgaben überfordert mich mehr und mehr. Eine Gegebenheit, die mir sehr vertraut war. Aus eigener Erfahrung wusste ich, es hilft schon, wenn jemand da ist, der einfach nur zuhört. Noch besser ist es natürlich, wenn der Zuhörende weiß von ich spreche. Bevor wir uns trennten, bot ich Gisela an, mich anzurufen, wenn sie jemand zum Zuhören braucht. Nach kurzem Zögern fragte sie: „Walkst du?“

 

So kam es, dass wir regelmäßig walkten. Wir trafen uns regelmäßig jede Woche. Nur bei strömendem Regen setzten wir aus, da war uns unsere Gesundheit wichtiger als der Sport. Meist drehten wir eine Runde um den Otto-Maigler-See. Anfangs musste Gisela ihr Tempo drosseln, da ich zu langsam war. Im Laufe der Wochen stellte ich stolz fest, meine Kondition wurde besser.

 

Dann kam der endlos lange Winter. Wir mussten eine Zwangspause einlegen und telefonierten hin und wieder. Es kamen ein paar wärmere Tagen und wir hofften, nun könnten wir bald wieder beginnen. Aber es war nur ein kurzes Intermezzo und der Frost kehrte zurück. Nicht nur in der Natur, auch bei mir hatte der Winter Spuren hinterlassen. Was ich an den Hosen schon festgestellt hatte, zeigte die Waage unerbittlich, ich hatte zugenommen. Vielleicht würde regel­mäßiges Walken den Kampf gegen die Pfunde unterstützen.

 

Endlich Anfang März war es soweit, wir wollten uns zum ersten Mal in diesem Jahr auf den Weg machen. Um 7.30 Uhr zeigte das Thermometer Minus 3,5 Grad. Schon der Anblick dieses Werts ließ mich frösteln. Eine Leggins unter der langen Hose wäre wohl angebracht, ebenso wie eine Mütze, ein wärmerer Anorak und Handschuhe. So ausgestattet fuhr ich zu Gisela. Auch Gisela hatte eine Mütze auf.

 

Der Weg um den Otto-Maigler-See war mühsam zu gehen, denn er war mit einer dicke Sandschicht bedeckt. Dort wo sie fehlte, war es sehr matschig. Als ich Bedenken hatte, ob ich die Runde schaffen würde, beruhigte Gisela mich. „Wir gehen erst einmal langsam los.“ Irgendwann registrierte ich, die Hälfte des Weges war geschafft. Das gab mir neuen Schwung. Auch wenn wir diesmal länger als eine Stunde unterwegs waren, war es ein gutes Gefühl, als wir den Parkplatz erreichten.

 

Es kann kein Zufall gewesen sein, dass ich Gisela nach langer Zeit getroffen habe, die mich zum regelmäßigen Walken einlud und Geduld hatte, bis meine Kondition besser war und mit größter Ruhe meine Zweifel ausräumte, es war Fügung.

 

 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 01.04.2010. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

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