Andreas Rüdig

Schwerte

Das Ruhrtalmuseum liegt zentral in der Schwerter Innenstadt. "Schwerte gehört zur Hanse. Das ist geschichtlich erwiesen. Während Städte wie Hamm, Unna und Kamen eine aktive Rolle innerhalb der Hanse spielen, ließ sich Schwerte von Dortmund und Hamm / Unna vertreten. Nur wenige Gebäude der früheren Stadt Schwerte überlebten die verheerenden Stadtbrände der Jahre 1659, 1661 und 1669. Die einzigen sichtbaren Relikte der Hansezeit in Schwerte sind die Viktorkirche, das Stadtweinhaus (jetzt Calvinhaus) und das alte Rathaus (das heutige Ruhrtalmuseum). Die Spuren von Kaufleuten, Geistlichen und Handwerkern aus dem Schwerter Raum sind in vielen der großen Hansestädte insbesondere im Ostseeraum. Das beweisen eindrucksvoll die Grabsteine aus dem 14. Jahrhundert im schwedischen Visby auf Gotland. Die größte auf dem dortigen Friedhof ist die Grabplatte von Heinrich von Erghesten (gestorben 1321) und läßt auf Wohlstand dieser Familie schließen. Nicht nur Verzierung ist das märkische Schachbrettmuster und die gekreuzten Schwerter auf dem Stein, sondern ein Hinweis auf die Herkunft der Familie aus dem hiesigen Raum Ergste / Schwerte. Gut geschützt lagern weitere Grabsteine der Familie auf dem Friedhof: Hindre(ds) gestorben 1321 sowie Margareta gestorben 1350.

Auch in Novgorod, dem wichtigsten Handelszentrum im europäischen Nordosten, waren Schwerter Kaufleute tätig und hatten reichen Anteil an den lukrativen Geschäften mit kostenbaren Pelzen und Wachs.  ALs 1494 der Großfürst Iwan III das Kontor in Nowgorod schloß und die  Kontorinsassen gefangennahm, befanden sich mehrere Schwerter Kaufleute darunter. Ein Lübecker Chronist berichtet über das Schicksal der Inhaftierten, die nach fünf Jahren wieder freigelassen wurden. Das Schiff, das überwiegend westfälische Kaufleute nach Hause zurückbringen sollte, sank während eines Sturms. Zu den ertrunkenen Passagieren gehörten ein Schwerter Kaufmann und ein Priester," berichtet ein Faltblatt, das ich dort erhalte.

Das Ruhrtalmuseen ist eines jener typischen, unspektakulären Heimatmuseen, das historische Gegenstände in Vitrinen versteckt und Wissen mittels Schautafeln vermittelt. Unter zeitlichen und inhaltlichen Gesichtspunkten endet das Museum im Mittelalter. Die Neuzeit fehlt hier komplett. Es ist eigentlich nur für Besucher interessant, die einen Bezug zu der Stadt am südöstlichen Rande des Ruhrgebietes haben.

 

Die evangelische Marktkirche St. Viktor liegt ebenfalls zentral in der Schwerter Innenstadt und bietet gleichfalls diverse Sehenswürdigkeitn.

Da wären beispielsweise die hübschen, bunten Fenster  im Chorraum zu nennen. Rest der mittelalterlichen Glasfenster sind im mittleren Fenster zusammengefaßt. DIe übrigen Fenster wurden 1954 von K. Hüffner aus Münster geschaffen.

Die Kanzel stammt aus dem Jahre 1666. Zwischen den gedrehten Säulen sind die vier Evangelisten, auf der Tür Martin Luther zu sehen. "Auf dem Schalldeckel stehlt Paulus mit dem Schwert des Geistes. Unter der Kanzel wurde  1953 die Grabplatte von Albert Pepper gefunden. Inschrift am Schalldeckel: ANNO 1666. D: Xbis M: WoH V.H.b. (im Jahre 1666, den  4. Oktober, Meister Wolter Hasenburgh von Honnef bürtig)"

Die Kirche besitzt eine Kreuzigungsgruppe aus der Zeit um 1430. Ein Dortmunder Meister hat eine Gruppe  mit sieben Holzskulpturen geschaffen. Die Figuren des gekreuzigten Jesus, der beiden Schächter und der Maria befinden sich im Landesmuseum in Münster. Zu sehen sind Longinus (röm. Hauptmann), Stepphaton (junger römischer Soldat), Johannes (Lieblingsjünger). Der Kreuzigungsgruppe zugeordnet ist ein von Bernd Gutzeit gestaltetetes Kruzifix aus dem Jahre 1997.

Die Grabplatte von Albert Pepper stammt aus dem Jahre 1600. Die Grabplatte des Schweizer Reformators lag bis 1953 auf seinem Grab unter der Kanzel. Inschrift:  A. 1600 - 29. Junii ist der Werdiger und Wollgelatiger Herr Albert Pepper Pastor zu Schwerte salich in godt enschlafe! Der lateinische Vers lautet: "Annos adde novem bis sic ego compleo centrum pastor eram patrii lustra novem populi". Die deutsche Übersetzung lautet: "Zweimal 9 Jahre füge hinzu; dann füll ich die 100 Jahre; 5 x 9 Jahre  war ich Pastor des heimischen Volkes." Die Grabplatte wirkt etwas unscheinbar und ist daher leicht zu übersehen.

Ein prächtiger Antwerpener Schnitzaltar, ein romanischer Taufstein mit Blätterkreuz, zwei prächtige Säulen, auf denen Figuren als Kerzenhalter dienen und ein spätgotisches Sakramentshäuschen ("Die Figuren sind bemal. Unter dem Kreuz: Maria und Johannes. Die Darstellung des `Gnadenstuhls´: Gott als Vater hält das Kreuz des Sohnes der Welt entgegen. Auf dem linken Balken die Taube als Symbol des heiligen Geistes," berichtet ein ausliegendes Infoblatt) zieren den Altarraum. Die eben erwähnten Säulen stammen aus dem Jahre 1490. "Velenträger mit Leuchterengel Inschrift 1: Meister Heinrich von dem Berge, als er in Schwerte war, daß Gott ihm gnädig sein. Inschrift 2: Gegrüßest seist du, Heilige Mutter St. Anna, selb dritt, bitte für uns," berichtet das  schon erwähnte Faltblatt.

Das Grabkreus aus dem Jahre 1350 ist ein Vortragekreuz bei Prozessionen zu Pestzeiten mit Blütenknospen an den Balkenenden.

Wanderer, hast du ein wenig Zeit, schaue dir ruhig diese Kirche an. Sie beitet einen Raum der Ruhe und Schönheit. 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 06.04.2010. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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