Wilhelm Westerkamp

Affäre Kohl

 

 

Der Macht- und „Bauchmensch“, Helmut Kohl,feiert seinen 80. Geburtstag in seinem Privathaus, im provinziellen pfälzischen Oggersheim. Kohl kann nicht mehr gehen,wird mit dem Rollstuhl in das Licht der Öffentlichkeit gezerrt. Sein Gesicht ist auffallend weiß und aufgedunsen. Es wirkt irgendwie wie eine Maske. Helmut Kohl muss wohl sehr krank sein, das ist nicht zu leugnen. Man sieht, er freut sich, überseine meist jungen Gäste, die ihm laut zu jubeln. „ Der Kanzler der Einheit“ und große Europäer“, der uns auch den ungeliebten Euro zugemutet hat, der 25Jahre Parteivorsitzender der CDU war und 16Jahre Bundeskanzler. Ein Mann also, der Stehvermögen hat, der Beharrlich ist und sich nie etwas gefallen ließ, schon gar nicht von Journalisten, die er eigentlich nur von Weitem kannte. Zu seinen Mitarbeitern wollte er ein loyales Verhältnis. Wurde man ihm gegenüber illoyal, musste man mit erheblichen Konsequenzen rechnen und verschwand von der Bildfläche. Das mussten auch Lothar Späth und Heiner Geißler schmerzlich erfahren. Kohl konnte der „netteste Mensch auf der Welt“ sein, wenn man seinen Kurs unterstütze und bedingungslos für ihn arbeitete. Trat man ihm entgegen, wurde aus dem „netten Kerl“ Helmut Kohl ein „Ungeheuer“, das seinem „Feind“ die blanken Zähne zeigte. Mancher seiner Gegner nannten ihn einen „selbstgerechten Machtmenschen“, der keine Grenzen kannte. War er in der Außenpolitik erfolgreich, als er die Aussöhnung mit den Franzosen schaffte, aber auf dem Feld der Innenpolitik schwächelte, als ihm die Wiedervereinigung, die 2.Chance bot, die er auch dringend brauchte und für sich nutze. Er selber sagte in einer Woge des Hochmuts, das ohne ihn als Bundeskanzler die deutsche Einheit nicht möglich gewesen wäre. Ich sehe es anders: Das Volk, hat die Wende herbei geführt und aus dieser anonymen Masse heraus, kann man ja niemanden auszeichnen. Wie gut, das es da den Bundeskanzler Kohl gab, der sich gleich passend, den „Kanzler der Einheit“ nannte. Zudem wollte er auch in diesem Zusammenhang, in die Geschichtsbücher eingetragen werden. Bescheiden war Helmut Kohl wohl nie gewesen. Wenn jemand bescheiden ist, dann der kleine Mann von der Straße. Dazu passt eine Aussage von Nobelpreisträger Ernest Hemingway, der einmal treffend feststellte: „ Der brave Mann,denkt an sich zuletzt." Diesen „braven Mann“ hat Dr. Kohl nie zur Kenntnis genommen. Nochmal Hemingway: „Der Starke ist am mächtigsten allein“. Diese Aussage von Hemingway, trifft die Person von Herr Kohl präzise. Kohl wollte einsam und alleine herrschen und regieren, -einen Kronprinzen wie Dr. Schäuble, passte nicht zu seinem Naturell. Er duldete niemanden neben sich. Dann kam die „Spendenaffäre“ und das Ansehen Kohl litt deutlich. Er wurde vor den Untersuchungsausschuss zitiert, doch Kohl wäre nicht Kohl, wenn er nicht kämpfen würde wie ein „Löwe“. In der Manier eines Mafiabosses, erklärte er sein Ehrenwort, das er die Namen der Spender nicht nennt, die Geld am Gesetz vorbei geschleust haben. Man nennt Dr. Kohl seit dem spöttisch einen „Gesetzesbrecher“. Nicht auszudenken wäre es, wenn ein deutscher Bundeskanzler, hinter Gittern gelandet wäre. Das wäre sicher ein einmaliger Vorgang gewesen, der uns Deutschen gott sei dank erspart geblieben ist.

 

 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 06.04.2010. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

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