Christine Rhode

Die unsichtbare Macht

Regen prasselte auf die gepflasterten Straßen und lies den kalten Winterabend noch schaurischer wirken. Der dichte Nebel und der feuchte Wind taten sein übriges. Vereinzelte Blitze durchbrachen die beunruhigende Stille. "Merkwürdig", flüsterte Catherine. Sie sah aus ihrem Fenster in den dunklen Wald hinein. Ihre Augen wurden schmal, als sie weit in der ferne ein getöse ausmachen konnte. Nur ein flüstern, das ihr Ohr traf. Sie strengte sich an, etwas in der ferne auszumachen und kurz darauf sah sie Rauch in den Himmel steigen. Ein Feuer. Mitten im Wald. Sie fühlte sich für den Wald verantwortlich, sowie für das angrenzende Dorf. Ohne zu zögern glitt sie mit schnellen Schritten die Treppe herab. Sie schnappte sich ihren Mantel und schwang ihn um. Catherine griff nach dem Türknauf und riss die Tür auf. Hinter ihr knallte die Tür durch den Wind zu, doch sie sah nicht zurück, sondern behielt das Feuer im Blick. Sie schickte sich an, in der Kälte zu rennen. Catherine durchquerte den dunklen Wald und kam dem Feuer immer näher, das Getöse wurde immer lauter, bis sie so nah war, das es fast unerträglich war. Vom weiten erkannte sie Silouetten die um das Feuer zu tanzen schienen. Schlagartig hörten die Gestalten auf zu tanzen und lauschten einer furchteinflösenden Stimme. " Aus gutem Grund sind wir hier zusammen gekommen. Wie eine alte Prophezeiung vorher bestimmt, soll ein Mädchen geboren worden sein, dass uns vernichten kann. Ein Mädchen meine Untertanen ", lachte die furchterregende Gestalt. Die anderen Gestalten stimmten mit ein. Mit einer Handbewegung des Anführers kehrte stille ein. " Es soll Kräfte verfügen, die allein durch Willenskraft und Glauben, sowie Liebe angetrieben wird. Wir müssen sie aufspüren und vernichten, bevor sie es tut. Es wird sicher welche geben, die auf ihrer Seite sind, also vertraut niemanden. Jeder der sich uns in den Weg stellt, wird vernichtet." , brüllte er der Masse zu. Darauf folgte ein rytmisches gerufe von " Findet und vernichtet, find et und vernichtet".
Catherine bekam Gänsehaut und versuchte Rückwärts zu verschwinden. Sie setzte einen Fuß nach dem anderen zurück und noch weiter. Plötzlich 'knack'. Ein Stock zerbrach unter ihrem Fuß und schlagartig fuhren die Köpfe der Gestalten herum. Sie hörte noch ein Wutgeschrei der Horde, bevor sie sich endgültig umdrehte und durch den Wald sauste. Hinter ihr ertönten Schritte die durch den Schlamm rannten und ihr gefährlich nah kamen. Im zick zack versuchte sie die Horde abzuwimmeln, erreichte aber nur das sie noch näher an sie heran rückten. Ihr Herz klopfte in ihren Ohren unnatürlich laut und ihr Atem kam stoßweise. Die Angst schnürte ihr die Luft zu. Sie glaubte schon alles wäre verloren, doch auf einmal presste jemand eine Handfläche auf ihren Mund und zog sie an der Taille in die Finsternis eines Baumstammes. Catherine hörte wie die Horde an ihrem Versteck vorbei sauste und das Wutgeschrei immer leiser wurde, bis es schließlich verstummte. Langsam löste sich der feste Griff des unbekannten und Catherine drehte sich um. Ihr unbekannter Retter stand dicht bei ihr und grinste sie mit einem verschmitzten lächeln an.
"Rettung in letzter Sekunde", grinste er.
"Vielen Dank ", Catherine lächelte schüchtern, " Weißt du, was das für Kreaturen waren ?"
"Das war eine Armee. Sie kommt aus einem Reich, das zwischen unserer Welt und des Jenseits liegt. Eine Armee, die seit Jahrtausenden Menschen in Angst und Schrecken versetzt. Viele Menschen und auch übernatürliche Wesen haben versucht, diese Armee zu bekämpfen und auszulöschen, doch niemanden gelang es", erzählte der Fremde.
"Wem habe ich denn mein Leben zu verdanken ?"
"Nenn mich Lian. Und welches bezaubernde Wesen habe ich gerettet ?"
"Ich bin Catherine. Wieso habe ich eigendlich noch nie was von dieser Armee gehört ?", fragte sie.
"Vor ein paar Jahrhunderten beschwor eine alte weise Frau eine Prophezeiung herraus, die besagte das bald ein Mädchen geboren wird, das die Kraft hat, die Armee zu vernichten. Daher verzog sich die Armee und deshalb gingen nur noch Geschichten rum, wie zum Beispiel die Geschichte wo Monster unter den Betten der Kinder sind und sowas. Und in der heutigen Zeit ist das einzig wahre an den Geschichten, das es Monster sind. Der Rest ist Menschen mit reichlich Fantasie entsprungen. Die Armee hat gemerkt, das kein Mädchen kam, doch sie glauben immer noch an die Prophezeiung, deshalb suchen sie ja jetzt das Mädchen."
"Also wussten die Menschen früher von der Armee ?"
"Und wie ! Diese Horde von Monstern hat damals ganze Dörfer vernichtet und dann posaunten die auch noch auf der ganzen Welt herraus, wer sie waren. Also - Ja, früher wusste jeder wer sie waren.", erklärte Lian.
Ein Windhauch lies Sträucher rascheln und Catherine fröstelte.
"Mir ist kalt und es ist spät. Nochmals Danke für die Rettung, aber ich muss jetzt wirklich los."
"Du kannst nicht mehr zurück. Sie haben deinen Duft aufgenommen als du geflüchtet bist. Sie haben keine so feine Nase, daher konnte mein Geruch deinen überdecken. Wenn du jetzt nach Hause gehst finden sie dich !".
"Aber wo soll ich sonst hin ? Sie würden mir doch überall hin folgen, wenn die meinen Duft aufspüren können", sprach Catherine.
"Ich hab ja gesagt, das die keine so feine Nase haben. Dort, wo du wohnst, hast du dich lange aufgehalten, doch gehst du woanders hin, ist dein Geruch zu gering. Außerdem werden sie schnell das Interesse an dir verlieren.", erklärte Lian.
"Momentmal", grübelte Catherine, "woher weißt du so viel über diese Armee, wenn doch angeblich niemand mehr von ihnen in Kenntnis gesetzt ist ?"
"Als die Armee das erste Mal angriff, war einer meiner Vorfahren am Gegenangriff beteiligt. Die Wahren Ereignisse erzählen sich in meiner Familie von Generation zu Generation weiter, ohne das sie verändert werden. Jede Generation machte es sich zur Aufgabe, Acht zugeben, wann die Armee wieder zuschlägt. Viele mussten sich darum nicht kümmern, da die Monster sich ja zurück gezogen hatten, doch jetzt liegt es an mir, beziehungsweise meiner Generation, diese Armee entgültig von welchem Planeten auch immer zu vertreiben. Aber jetzt genug geplaudert, langsam wird es hier draußen echt kalt und bevor die Armee noch zurück kommt, verschwinden wir lieber."
"Wie verschwinden ? Soll ich jetzt die Stadt verlassen oder wie ?", fragte Catherine aufgebracht.
"Da dir nichts anderes übrig bleibt, als dein Zuhause vorerst zu verlassen, schlage ich vor das du so lange bei mir lebst".
"WAS ? Bei dir ?", schrie sie.
"Psst. Ich lebe noch bei meinen Eltern, ebenso wie meine Schwestern.", sprach Lian in einem leisen Tonfall.
"Das ist was anderes", fuhr Catherine fort, ebenfalls in einem leiseren Tonfall, "also lass uns aufbrechen".

Die beiden rannten unter Ästen hindurch, hüpften über Steinbrocken und anderen Erhebungen. Sie erreichten eine Weide und rutschten über Matsch. Der Regen prasselte erbarmungslos auf sie nieder. Sie kamen dem Dorf immer näher. Als sie dass Dorf erreichten rannten sie geradewegs hindurch. Catherine hielt den Blick fest auf ihre Füße gerichtet, die mit einem gedämpften Stampfen über den Steinweg rauschten. Sie rannten an den Häusern vorbei und Catherine fragte sich langsam wo er denn wohnte. Sie wurde immer misstrauischer und wollte gerade nachfragen, als er stehen blieb und sie fragend den Kopf hob. Sie traute ihren Augen nicht. Vor ihnen erhob sich ein riesen Schloss, das Schloss der Königsfamilie des Dorfes. Ist Lian etwa Stalljunge oder Dienstbote ?, fragte sie sich im Stillen. Knackend ging das große Eisentor auf und lies die beiden gewähren hindurch zu schlüpfen. Der Regen floss immer weiter, bis man glaubte unter einem Wasserfall zu stehen. Völlig durchnässt kamen die beiden an der Schlosstür an. Lian drückte einen Knopf und ein schriller Ton erklang. Kurz darauf hörte man das klackern von Schuhen, das immer lauter wurde, bis es schließlich vor der Tür verklang. Ein weiteres knarren und quietschen und die mindestens zwei Meter große Schlosstür ging auf.
"Lian", hörte Catherine eine Frauenstimme sagen, die mehr als erleichtert klang.
"Ich habe jemanden mitgebracht Mutter. Ich habe sie vor der Armee mehr oder weniger gerettet.", erklärte Lian seine abwesenheit.
Sofort wurde sie in Empfang genommen.
"Armes Kind. Dir muss schrecklich kalt sein, komm schnell rein, bevor du mir noch krank wirst", quasselte Lian´s Mutter los.
Sie klatschte in die Hände und schnell wurde eine Decke geholt. Lian und Catherine gingen hinein und sogleich schloss sich die Tür erneut durch ein quietschen und knarren.
"Du nimmst jetzt erstmal ein heißes Bad und trinkst dann eine Tasse Tee vorm Kamin. Monja wird dir dabei helfen", eine ältere Dame mittleren Alters eilte herbei", und morgen sprechen wir dann über alles".
Sie gab ihrem Sohn und Catherine einen Kuss auf die Stirn und eilte die lange Treppe in ihr Schlafgemach zurück.
"Ich werde dann auch mal heiß baden. Gute Nacht Catherine", grinste Lian zufrieden.
"Aber .. du Prinz ... ich", stotterte Catherine.
"Schon in Ordnung. Wir reden morgen", lächelte er. Womit er ebenfalls in sein Schlafgemach verschwand.
Catherine bliebt nichts anderes übrig, als mit Monja mitzugehen.

Feine Lichtstrahlen tanzten auf ihrer Haut. Catherine öffnete die Augen und sah zum Fenster. Die Vorhänge waren einen schlitz weit geöffnet und ließen etwas Licht herrein. Sie setzte sich auf und sondierte ihre Umgebung. Ein großes Bett aus Mahagoniholz erstreckte sich unter ihrem Leib. Mit einem Ruck schwang sie die Beine aus dem Bett und schlüpfte in ihre Pantoffeln, die ihr gestern Abend Monja gebracht hatte.
Sie ging über einen Teppich bis ins Badezimmer das an ihr Zimmer grenzte. Ein paar spritzer Wasser ergossen sich über ihr Gesicht und ließen sie wacher werden. Sie blickte zur Wanne, in der sie gestern ein Bad genossen hatte und sah dann zur Tür zurück. Dort hing ein Bademantel, in den sie sich schnell einwickelte. Mit leisen Schritten ging sie zu der Tür, die in den Flur führte und öffnete sie leise. Vorsichtig trat sie in den Gang und folgte dem Geruch von frischem Kaffee und Gebäck. Schritt für Schritt glitt sie die lange Treppe herab, bis sie schließlich kurz vor einer Tür ankam, die anscheinend in den Esssaal führte. Zwei bewaffnete Soldaten standen links und rechts vor der beeindruckenden Tür. Sie blickten Catherine kurz an und ohne zu zögern öffneten sie die Tür. Vor ihr erblickte sie einen riesen Tisch, an dem bestimmt zweihundert Menschen Platz nehmen konnten, so stellte sie sich vor.
"Ah, guten morgen kleines", ertönte die freundliche Stimme von gestern Nacht", setz dich meine Liebe, es ist genug Platz", lachte sie.
Catherine blickte in alle Richtungen und ging schließlich schüchtern zu ihr. Im näher kommen bemerkte sie erst die ganzen Blicke, die auf sie gerichtet waren. Unter anderem auch der von Lian. Sie sah, wie alle voll bekleidet frühstückten und sie fühlte sich etwas abseits. 'Hätte ich mich doch nur angezogen ', schalte sie sich im Stillen.
Sie ging auf Lian zu, um sich neben ihn zu setzten. Als sie fast bei ihm war, stand er auf und zog ihren Stuhl für sie zurück. Sie setzte sich und Lian flüsterte ihr ein guten morgen ins Ohr. Beschämt lächelte sie und nahm sich ein Brot und beschmierte es mit Marmelade. Als sie es aufgegessen hatte, begann sie zu reden.
"Also ihr bekämpft diese Armee ?"
"Ja. Alle königlichen unserer Familie taten das. Daher war ich auch auf der Suche nach dem Mädchen. Ich habe sie nicht gefunden, aber dafür die Armee selbst. Jetzt kennen wir den Aufenthalt und wissen, dass das Mädchen in unserem Dorf leben muss. Ich dachte mir, das wir in einer Woche einen Ball verantstalten. Es soll jedes Mädchen in diesem Dorf anwesend sein, so finden wir sie leichter, wenn alle auf einem Blick da sind", antwortete Lian.
"Das hört sich ja großartig an", begann eine von Lian´s Schwestern.
"Ein Ball", seufzten zwei weitere fröhlich.
Lautes Gekicher der insgesamt vier Schwestern folgte.
"Also gut. Nächsten Samstag findet ein Ball statt. Matré. Sorg dafür, das jedes Mädchen eine Einladung erhält", forderte die Königin ihren Diener auf.
"Monja ? Ich möchte das du mit Catherine ein Ballkleid kreierst. Sie soll sich Stoff und Form aussuchen", sprach Lian.
Monja nickte.
"Aber .. das geht doch nicht. Das kann ich nicht annehmen", entschieden schüttelte Catherine den Kopf.
"Natürlich kannst du das", lächelte Lian", wenn ich sage alle Mädchen aus dem Dorf, meine ich auch alle", lachte er.
Catherine grinste. 'Wieso denn nicht ? Wird bestimmt schön', dachte sie.
"Monja. Nimm bitte Catherine mit und fang schon mal an das Kleid zu schneidern. Wir kümmern uns um die Vorbereitungen", sprach die Königin.
Monja zog Catherine am Arm und beide verschwanden in einem Raum Ende des Korridors.
Völlig zerzaust kam Catherine am späten Nachmittag wieder herraus. Schnell ging sie in den Esssaal und nahm eine Stärkung zu sich. Sogleich ging sie wieder zu Monja und bearbeitete das Kleid weiter. Der Ballsaal des Schlosses nahm in der Zeit immer mehr Gestalt an. Girlanden wurden aufgehängt, Tische aufgebaut und gedeckt, sowie verschiedene Pflanzen aufgestellt. So ging das jeden Tag weiter, das Kleid wurde immer atemberaubender und der Saal immer prächtiger. Das Dorf wurde aufgeregter und man spürte die hektig. Jedes Mädchen im Dorf suchte sich das perfekte Kleid herraus. Alle reisten in das nächstgelegene Dorf und kauften Kleider für deren Töchter. Vollbeladen kamen sie zurück. Es wurden Frisuren getestet und an den Kleidern die letzten Änderungen vorgenommen. Der Abend rückte immer näher, bis schließlich der Morgen kam. Nur noch wenige Stunden und der Ball würde  beginnen. Monja zog sich mit Catherine zurück, um sie für den Abend vorzubereiten. Ein Korsett wurde um Catherine´s schon dünne Taille geschnürt. Ein Unterrock schob sich über ihre Hüften. Schließlich strich sie sich das eigendliche Kleid über und schlüpfte in einen Bademantel um das Kleid nicht zu versauen. Sie setzte sich an die Frisierkommode und Monja bürstete ihr Haar. Dunkles, fast schwarzes Haar, fiel ihr seidig über die Schultern. Ihr Gesicht wurde mit Puder betupft und lies ihr Gesicht noch reiner wirken. Wimperntusche wurde ihr auf die Wimpern aufgetragen und etwas weißes Puder auf ihr Lied gestrichen. So wirkten ihre etwas kleinen Augen gleich viel größer. Gloss strich Monja ihr auf die Lippen und lies sie verführischer wirken. Catherine streifte den Bademantel ab, strich sich kurz übers Kleid und Monja schmückte sie mit einem sündhaft teurem Collier das mit Diamanten verziehrt war. Sie stieg in Schuhe, die fast nur aus Schnüren bestanden und bedankte sich bei Monja.
Zügig ging sie den Flur entlang bis sie schließlich an der Treppe stand, die direkt in den Ballsaal führte. Sie hörte melodische Musik von dort ertönen und glitt in eleganten Schritten die Treppe herab. Als sie den Saal sehen konnte, blieb sie kurz stehen um alles auf sich wirken zu lassen. Die Mädchen trugen fast alle graue Kleider. Schien wohl in Mode zu sein. Doch Catherine hatte noch nie der Mode gefolgt und stach aus der Masse hervor. Sie trug ein Blutrotes Kleid das sich um ihre Taille schmiegte und der Ausschnitt war gerafft, wodurch ihre Brüste größer wirkten. Ab dem Becken verlief es breiter und endete schließlich kurz vorm Boden. Ein dünner Stoff, der scheinbar nur aus Glitzerpartikeln bestand, hing an ihrem Kleid, wo man das Becken vermutete. Ihre Haare fielen ihr bis zum Ende der Rippen und liesen sie verführerisch aussehen. Sie glitt die Treppe weiter hinab, bis sie unten ankam. Sie hatte die komplette Aufmerksamkeit der Anwesenden. Unwohl verlagerte sie das Gewicht abwechselnd auf dem rechten und dann auf dem anderen Fuß. Ein neues Lied begann und die Paare fingen wieder an zu tanzen. Erleichtert seufzte sie und suchte einen bestimmten Mann im Saal. Jemand berührte sie am Arm und sie blickte in dunkle braune Augen". Möchten sie tanzen ?", fragte Lian höflich.
Catherine nickte und folgte ihm auf die Tanzfläche. Lian umfasste mit einer Hand ihre Taille und ergriff mit der anderen ihre Hand. Catherine´s freie Hand griff nach einem Stück ihres Kleides. Die beiden wirbelte im Rytmus der Musik herum und tänzelten durch die Menge. Sie gab sich voll hin und fühlte sich geborgen. Alles schien perfekt, wäre da nicht ihre Aufgabe. Sie mussten das Mädchen finden, das in Gefahr schwebte. Langsam kamen die beiden zum stehen, nur wenige Zentimeter waren ihre Lippen von seinen entfernt. Lian kam näher, bis sie schon seinen Atem fühlte, der ihr über die Lippen schreichte. Sie machte den letzten Schritt und legte ihre Lippen sacht auf die seinen. Sie küssten voller Leidenschaft und Catherine dachte sie würde vor Liebe die sie verspürte platzen. Etwas kribbelte und Catherine öffnete die Augen die sie geschlossen hatte. Es hatte sich ein dichter Nebel gebildet, doch das war in einem geschlossenen Saal doch unmöglich. Sie sah Lian an, der sie verwundert anstarrte. Ein Ton ertönte, der Klang, als wenn Diamanten auf einander prasselten. Der Nebeln wurde dichter, bis sie nur noch die Silouetten der Menschen erkennen konnte. Sie sah an sich herab und merkte wie ihr Kleid sich kürzte bis auf Knielänge. Ebenso wurden ihre Ärmel bis zum Ellbogen gekürzt. Völlig verblüfft beobachtete sie wie ihr Kleid komplett in glitzer gehüllt wurde. Schlagartig verschwand der Nebel und sie erkannte wieder die Menschen, die jetzt einen Kreis um sie gebildet hatten. Lian stand immer noch an der selben Stelle wie vorhin.
"Die ganze Zeit über", flüsterte er, lauter werdend sprach er, "Du bist das Mädchen aus der Prophezeiung"
"Das ist unmöglich", wiedersprach Catherine, "das hätte sich doch früher gezeigt".
"Die Kraft des Mädchen wird durch Liebe, Willenskraft und Glauben angetrieben. Einen starken Willen und Glauben hattest du die ganze Zeit über. Doch die Liebe fehlte", sprach Lian nachdenklich.
"Aber was für Kraft besitze ich ? Was soll ich bitte machen um gegen eine Armee zu kämpfen ?", fragte sie ungläubich.
"Das wirst du herraus finden, wenn du gegen die Armee kämpfst", erklärte Lian.
Wie aufs Stichwort erklang ein lautes getöse am Schlosstor. Ein Knall und ein knarren. Dann erbebte der Erdboden. Die Armee hatte das Eisentor zertrümmert. Der Boden erbebte immer noch und wurde durch das auftreten von starken Füßen erschüttert. Die Armee rückte an und hatte durch Catherine´s kleine Verwandlung eine Spur bekommen.
Die Menschen kreischten und drengten sich alle in die Ecken des Saales. In der Mitte stand Catherine mit Lian. Sie wartete ohne ein Wort zu sagen, auf das Eintreffen. Sie erkannten an dem Wutgeschrei, das es die Armee war. Ein trommeln und dann ein rums und die Schlosstür wurde ebenfalls zertrümmert. Catherine rannte auf die ersten Monster zu, sie hatte keine Ahnung was sie sonst tuen sollte, und schrie ihne ein "Zurück" zu. Ein Monster, auf dem sie die Hand gerichtet hatte, flog Meter weit zurück und krachte dann gegen die Wand. Schockiert schaute sie auf ihre Hand und eine Erkenntnis schob sich mit voller Wucht in ihre Gehirnzellen. Ein Befehl gemischt mit einer prise Bewegung enthüllte ihre Kraft. Sie hielt ihre Hände in Richtung Monster und schrie "zerschmettern". Die Monster fielen in tausend Stücke und bevor die Teile den Boden berühren konnten, verschwanden sie in einem Goldstrahl der sich durch die Decke schlengelte. Ein breites Grinsen breitete sich auf ihrem Gesicht aus.
"Das machst du super", schrie Lian, "ich kann dir nicht helfen. Das ist dein Kampf"
'Nicht gerade motivierend', dachte Catherine finster. Doch leichtfertig zertrümmerte, zerschmetterte sie die Monster. Als sie fast die hälfte zerstört hatte, wie viele waren das eigendlich ?, ging eine größere Gestalt als die anderen auf sie zu. Das war anscheinend der Anführer und als er sprach schien es nicht nur so.
"Ah du kleines Mädchen. Du wirst für die Verluste meiner Armee büsen", schrie er.
Catherine wappnete sich für den Angriff, doch niemand griff sie an. Stattdessen ging er auf die Menschen los, die sich in der Ecke still verhalten hatten. Mit schrecken wurde ihr klar was er vorhatte. Sie zeigte mit ihrer Handfläche auf den Anführer und schmetterte ihm ein 'zerschmetter' und 'zertrümmer' zu. Es geschah nichts und sie versuchte es mit 'Zurück'. Wieder nichts. Ihr wurde klar, das wenn ihr nichts einfiel die Armee erneut ein ganzes Dorf auslöschen würde. Sie versuchte es mit roher Gewalt. Mit einem Satz war sie bei ihm und stürzte auf ihn los. Ein Schlag und schon lag sie selbst auf den Boden. Sie krümmte sich und hielt ihre schmerzende seite wo der feste Fausthieb sie getroffen hatte. Das Monster setzte erneut zum Schlag an, diesmal mit einem Messer in der Hand, doch weiter kam er nicht. Lian stürzte sich auf ihn und wurde selbst getroffen. Mit einem Hieb steckte das Messer plötzlich in seiner Magengrube.
Ein schmerzender Schrei ertönte, aber nicht von Lian sondern von Catherine, als wäre sie selbst getroffen worden. Tränen brannten in ihren Augen, als sie auf Lian herab sah. Sie sinkte neben ihn und vergas das ein Menschenmordenes Monster fast neben ihr stand. Catherine umfasste Lian´s Gesicht und drückte eine Kuss auf seine Lippen. Lian atmete Flach und mit einem Ruck zog sie ihm das Messer herraus und schmieß es in den Saal. Tränen tropften auf sein Gesicht. Ein lauthalses Gelache ertönte und Catherine drehte mit einem Ruck ihren Kopf zu dem Geräusch. Ein Träne flog durch die Gegend und fiel auf die Wunde von Lian. Mit Wut voll gepumpt stand Catherine auf und baute sich vor dem Anführer auf. Der lachte darauf noch lauter. Ihre Tränen versiegten und einen kurzen Blick auf Lian lies sie unbewusst handeln. Sie breitete die Hände aus und ein starker Wind kam hinter ihr hervor. Ihr Haar schoss nach vorn, flatterte und streifte immer wieder ihre Wangen.  Alle Lampen im Saal flackerten und gaben dem Saal eine schaurige Atmosphäre. Ein dichter Nebel sowie feuchter Wind schlängelte sich um den Anführer und kurz hörte er auf zu lachen.
Doch dann sprach er amüsiert:"Du glaubst doch nicht ein bisschen Wind und Nebel vernichten mich, oder ?". Er lachte erneut.
Bald darauf sah man den Anführer kaum noch. Nur noch eine schwarze Silouette lies behaubten das mitten im Tornado ein Wesen stand. Immer enger zog es sich um das Monster, schnürte sich fest. Das Monster wollte durch den Tornado treten doch wurde wieder rein gestossen. Ein Wutgeschrei ertönte und der Tornado war nur noch so dick wie ein normaler Stift, bis es ganz verschwand. Catherines Augen blitzten weiß und sie wirbelte herum. Sie hob die Arme und die restlichen Monster flogen hoch bis sie platzten wie Seifenblasen. Catherine fiel auf die Knie, bis sie auf dem Boden lag. Um sie herum wurde alles schwarz und sie verlor entgültig das Bewusstsein. Kurz leuchtete sie auf und als es verschwand lag sie unversehrt in ihrem wieder langen Kleid auf dem Saalboden.

Sie schwebte auf Wolken und gleitete fort, immer wieder strich ein Windhauch über ihren Rücken und kitzelte sie. Das zersplittern von Glas ertönte und sie fuhr hoch. Erstaunt sah sie sich in dem Zimmer um, in dem sie auf einem Bett lag. Monja starrte sie mit großen Augen an und bittete um Verzeihung das ihr eine Tasse herunter gefallen war. Zügig ging sie raus und schloss wieder die Tür. Catherine beobachtete das Geschehen und starrte etwas länger als nötig auf die geschlossene Tür. Wieder streichelte ein Windhauch ihren Rücken und sie erstarrte. Langsam drehte sie sich um und sah ein verschmitzes Lächeln auf einem Gesicht mit braunen Augen. Erleichtert fiel sie Lian um den Hals und schluchzte. Beruhigend strich er ihr über den Rücken und küsste sie auf die Schläfen. "Was ist passiert ? Du hattest doch ein Messer im Bauch", sprach sie erleichtert das er lebte. Ein rascheln und Lian´s Oberkörper war nicht mehr von einer Decke bedeckt. Sie starrte auf den fetten Verband der um seinen Bauch gewickelt war.
"War knapp", lachte er, "jetzt gehts mir wieder gut". Er grinste breit.
Catherine konnte nicht anders und grinste ebenfalls.
"Was ist mit der Armee ?", fragte sie wieder ernst.
"Die ist erledigt, Süße. Keiner wird uns mehr im Weg stehen".
"Und dir geht es wirklich gut ? Ich bin mir da nicht so sicher. Du bist noch total blass"
Mit einer Geschwindigkeit, mit der sie nicht gerechnet hatte, schnappte Lian ihren Kopf und drückte seine Lippen auf die ihren. Er küsste sie leidenschaftlich. Weiter hinten vom dunklen Wald aus, hörte man die beiden in der ferne lachen und herum albern.
Doch geht man in den dunklen Wald weiter hinein, so hörte man irgendwo ein bösartiges kichern. Näherte man sich der Höhle, die versteckt zwischen Bäumen und Sträuchern stand, so sah man in der Finsternis, das aufblitzen von roten Augen. Und so blieb das Tor in diese Welt offen und lies weitere Kreaturen gewähren sie zu betreten und ihr unwesen zu treiben.
Jetzt ist die Frage.
Wer trägt den Sieg davon?

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Die Rechte und die Verantwortlichkeit für diesen Beitrag liegen beim Autor (Christine Rhode).
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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 06.04.2010. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

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