Norbert Wittke

Rund um das Fliegen


Vor dem Fliegen hatte ich früher, wie viele andere Leidensgenossen, höllische Angst.
Deshalb habe ich den Flughafen immer mit "CH" geschrieben, nämlich Fluchhafen.
Vor jedem Flug habe ich Tabletten gegen die Flugangst in mich hinein gestopft.
Genutzt hatte es nicht viel, nur wurde ich leicht schläfrig. So hätte ich einen Absturz
nicht richtig genießen können.

Nachdem mir aber immer wieder E-Mails zugingen mit dem Text: "Dein Ende naht!",
habe ich mir gedacht, ja wenn es denn sein soll, irgendwann wird meine Ende wohl
da sein. Meine Einstellung zum Fliegen hat sich dadurch gewaltig geändert, denn
schließlich wollte mir der Schreiber dieser E-Mails wohl Mut machen, dass auch
für mich das Erden Leben zu Ende gehen wird. Besser noch so, als an Krebs zu
sterben, denn diese Wahrscheinlichkeit ist ja viel größer.

Besonders zum Positiven beeinflusst hat mich ein Flugbegleiter von Condor, der
beim Fliegen eine Bühnen reife Show abzog. Mit sehr viel Humor versuchte er,
den Passagieren die Angst zu nehmen und sie abzulenken.

Schon beim Start kann ich immer wieder beobachten, wie so viele weltmännische
Vielflieger ihr Antlitz hinter einer Zeitung oder einem Buch verstecken, dabei vor-
geben zu lesen. Der Schweiß tropft ihnen von der Stirn, und an Hose oder Rock
trocknen sie immer wieder ihre schwitzigen Finger.

Vor dem Start in Frankfurt fragte der Flugbegleiter beim Anrollen des Fliegers auf
der Startbahn: " Wer von Ihnen will nach Faro fliegen? Wer nach Mailand? An sich
wollten wir nach Mailand fliegen. Was, sie alle wollen nach Faro? Wie kann es nur
zu der Panne kommen, dass Sie alle im verkehrten Flieger sitzen? -  Aber wir haben
es uns jetzt anders überlegt. Wenn Sie schon alle nach Faro fliegen wollen, tun wir
Ihnen den Gefallen."

Unterwegs heiterte er immer wieder die Passagiere mit dutzenden Sprüchen auf.
"Gleich bringen wir Ihnen ein schwer verdauliches warmes Essen und lauwarme
Getränke. sie sollen sich ja bei uns wie zu Hause fühlen. Wer Magentabletten braucht
bitte gleich melden. Denken Sie, Sie erhalten ja alles bei uns gratis."

Beim Anflug auf  Faro dann: " Ich hoffe mit Ihnen, dass unser erfahrener Pilot die
Landebahn finden wird. Bisher hatte er immer Glück und wir auch.  Sollte es
heute nicht der Fall sein, erhalten Sie heute gratis zum Flug auch noch ein
Schlammbad in diesem schönen Naturschutzgebiet, in das die Landebahn
gebaut worden ist."

Nach erfolgreicher Landung: " Sehen  Sie. Ich habe Ihnen nicht zu viel versprochen.
Unsere internationale Crew da vorne war wieder mal erfolgreich. Gut für Sie und mich!
Bleiben sie aber bitte angeschnallt bis die Maschine angedockt hat und zum Stillstand
kommt. Bedenken Sie unser Pilot fliegt zwar sehr gut, ist aber ein miserablerAuto-
fahrer. Wenn Sie schon den Flug überstanden haben, sollten Sie doch nicht hier
noch verunfallen. Wir wünschen Ihnen einen wundervollen Aufenthalt in Portugal
und hoffen, dass wir Sie gesund auf einem unserer nächsten Abenteuerflüge unserer
Gesellschaft begrüßen können."

Die Passagiere im Flieger waren doch sehr angetan von dieser humorvollen Art,
die leichte Züge vom schwarzen britischen Humor in sich hatte. Wenn es passiert,
passiert es eben. Wir können nichts daran ändern. Mit dieser Einstellung habe
meine Flugangst in den Griff bekommen.

Dem E-Mail-Schreiber sei nur noch gesagt. Auch sein Ende naht irgendwann.
Vielleicht hat er es schon hinter sich, denn in letzter Zeit sind seine Ankündi-
gungen ausgeblieben. Falls ja. Seine Seele ruhe sanft.

12.04.2010           Norbert Wittke



 

 

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