Andreas Rüdig

Vestisches Museum Recklinghausen

"Das Vestische Museum ist das jüngste und älteste Museum der Stadt Recklinghausen. Seine Anfänge gehen auf die heimatkundliche Sammlung des 1890 gegründeten Orts- und Heimatvereins Recklinghausen zurück. 1943 weitgehend zerstört, konnte es 1988 als neukonzipiertes Historisches Museum in einem ehemaligen Verwaltungsgebäude an der Hohenzollernmuseum wieder eröffnet werden.

Auf über 1.000 qm Ausstellungsfläche präsentiert es neuen Christlicher Kunst aus dem Vest Recklinghausen einen stadt- und landesgeschichtlichen Rundgang und eine Sammlung naiver Kunst.

Stadt und Vest Recklinghausen stehen im Mittelpunkt des historischen Rundgangs im Obergeschoß. In einem weiten Bogen führt er von der geologischen Sammlung über die ur- und frühgeschichtlichen Funde in die Zeit der mittelalterlichen Stadtwerdung um 1236 bis in die Jugendkultur der 70er Jahre des 20. Jahrhunderts. Stadturkunde, Stadtmauer und Ratskiste stehen ebenso für die mittelalterliche Epoche wie der guterhaltene Baumstammbrunnen, der Aufschluß über das Alltagsleben in Recklinghausen zwischen 1270 und 1500 gibt.

Reepbrett, Spinnrad und Webstuhl erinnern an die Recklinghäuser Tuchproduktion bis zum Niedergang dieses Heimgewerbes im 18. Jahrhundert. Über die unterschiedlichen Formen des Wohnens wird anschließend die gesellschaftliche Trennung von Bauer, Bürger, Adel bis ins 19. Jahrhundert verdeutlicht.

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurde der Bergbau zum entscheidenden wirtschaftlichen Standbeins Recklinghausens. Diesen Teil der Sozial- und Wirtschaftsgeschichte präsentieren Nachbildungen einer Kaue und eine `halbsteilen´ Lage sowie die `Hochlarmarker Küche´.

Der historische Rundgang konfrontiert aber auch mit der nationalsozialistischen Propaganda und der Judenverfolgung im Vest, bevor er durch eine Nissenhütte von der Wohnungsnot der Nachkriegszeit in die Nierentischkultur der 50er Jahre führt.

Mit der Dokumentation der Ruhrfestspiele und der Beat- und Jazzkultur der 60er Jahre endet der stadtgeschichtliche Rundgang durch das Vestische Museum," stellt sich das Vestische Museum in Recklinghausen selbst vor.

Diese Station eignet sich eigentlich nur für jemanden, der einen Bezug zu Recklinghausen hat. Ansonsten wirkt die Ausstellung doch sehr muffig und sollte - unter museumspädagogischen Gesichtspunkten - modernisiert werden. Vitrinen und historische Gegenstände kann ich mir auch woanders ansehen.

"Im großräumigen Eingangsbereich werden über hundert Werke Naiver Kunst präsentiert. Sie sind eine Auswahl aus der wohl umfänglichsten Sammlung von Laienkunst in der Bundesrepublik. Der langjährige Leiter der Museen Recklinghausens, Thomas Grochowiak, hatte seit den 50er Jahren begonnen, als Ersatz für die weitgehend zerstörte Volkskunst des Vestischen Museums, Bilder und Plastiken von naiven Künstlern aus der Region und dem Ausland zusammenzutragen.

In der Dauerausstellung sind die Bilder bekannter `Sonntagsmaler´ aus dem Ruhrgebiet wie Franz Klekawka oder Friedrich Gerlach vertreten. Ebenso finden sich die Arbeiten internationaler `Klassiker´, darunter Vivin, Bauchant, Ociepka oder Nikifor. Zwischen ihren Werken stehen die Skulpturen des inzwischen weltbekannten Recklinghäuser naiven Bildhauers, Erich Bödeker, im Zentrum der Ausstellung.

Ein von der naiven Malerei Künstlerin Elfride-Maria Schulz gemalter Kreuzweg führt die Besucher von der Naiven Kunst in die Abteilung Christliche Kunst. Die Exponate stammen aus Kirchen des Vestes Recklinghausen. Es handelt sich im wesentlichen um westfälische, niederländische und flämische Kunstimporte aus dem Spätmittelalter und der frühen Neuzeit. Dabei sind vor allem die Steinskulptur eines heiligen Johannes des Täufers aus der Pfarrkirche zu Ahsen und der Prophetenkopf von 1520 aus Münster hervorzuheben. Stammt die Johannesplastik aus einer zu Beginn des 15. Jahrhunderts tätigen, von Claus Sluter beeinflußten westfälischen Werkstatt, so zeigt die Männerkopfskulptur deutliche Merkmale der Brabender-Schule. Das Gemälde `Opferung Mariae´ des Antwerpener Malers Caspar de Crayer aus dem Jahre 1644 und eine niederländische Darstellung von `Christus am Ölberg´ bilden weitere Höhepunkte dieser Abteilung," erfahre ich ebenfalls vom Museum.

Allein schon der Besuch der naiven Kunst lohnt sich. Sie ist herrlich bunt, figürlich und hübsch anzusehen. Mit über 900 Bildern zählt  sich das Museum zu den bedeutendsten Sammlungen naiver Kunst in Deutschland.

Die Sammlung naiver Kunst ist eine Sammlung, mit der Recklinghausen wuchern könnte. Eigentlich zumindest. Doch oh wehe! Die Ruhrgebietsstadt stellt hier ihr Licht unter den Scheffel, ohne daß es einen sachlichen Grund dafür gibt.

Änderungen ließen sich schon leicht bewerkstelligen. Ein Hinweisschild an der Straße, das dem Besucher den Weg weist, wäre ein Beispiel dafür. Ein anderer Weg: Gezielter Werbung dafür machen, etwa in der regionalen Ruhrgebiets-Presse. Jedes Museum lädt regelmäßig zu Ausstellungseröffnungen ein. Nur dieses nicht. Das Museum versteckt sich lieber, als an das Licht der Öffentlichkeit zu treten. Die hier gesammelte und ausgestellte naive Kunst hätte schon mehr Besucher verdient.

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 13.04.2010. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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