Rüdiger Nazar

unbekannter Kamerad...

 

Es ist 1969...ich bin jetzt 15 Jahre alt und mal wieder in Frankreich bei meiner Tante in Urlaub.Ich war seit meinem 13.Lebensjahr schon vier mal hier. Es ist ein kleiner Ort der sich Alemonte nennt...nicht weit von Metz entfernt.Zur Zeit des zweiten Weltkrieges war dieser Ort von der Wehrmacht besetzt und hieß Allenberg.Es war ein ruhiger und besinnlicher Ort.Häuser vielleicht so dreißig an der Zahl...kein Geschäft...eine Kirche mitten im Dorf...wie so üblich...und natürlich...das darf nicht fehlen eine kleine Bauernkneipe.Um diesen idyllischen Ort zu  beschreiben...würde keine Kurzgeschichte ausreichen...also beschränke ich mich jetzt auf das wesentliche...warum ich überhaupt angefangen habe...in die Tasten zu hauen.Durch das umherstobern in den nahegelegenen Wäldern und Feldern...entdeckte ich mein erstes Hobby.Die Gegend war übersät mit Versteinerungen aus dem Paläozän und der Jura. Beim umpflügen der Felder traten sie Wagonweise an die Oberflächen.Mein Hobby war geboren.In diesem Jahre 1969...sollte ein weiteres Hobby dazu kommen.Ich fand verrostete Teile von Waffen...alte Stahlhelme des zweiten Weltkrieges...amerikanische...französische logischerweise...und eine Anzahl deutscher.Der zweite Weltkrieg war jetzt schon 24Jahre her...aber die Teile waren noch so gut erhalten.Eines Nachmittags  war ich mal wieder in den Wäldern von Alemonte an der Grenze des Dorfes Vigny...als wir einen versteckten...halb zugeschütteten Bunker entdeckten.Mit wir...meine ich meinen Cousin und mich.Wir fanden keinen Eingang...und so schlugen wir Astwerk und Büsche fort.Ein kleiner Ritz verhieß Hoffnung.Wir  nicht faul...schaufelten diesen vermeintlichen Eingang frei. Der Strahl der Taschenlampe drang tief in das Gewölbe...das nass und faulig roch.Ich sprang zuerst rücklings durch die Öffnung...und platsch...stand ich bis zur Hüfte in stinkigem Wasser. Mein Cousin blieb draußen um aufzupassen...das keiner kam.Einige Gänge schienen in`s Endlose zu laufen...einige waren zugeschüttet...mit Balken versperrt.Ich schob einige zur Seite und schon kam der ganze Schlamasel herunter.Ein kleiner Durchgang entstand.Es fröstelte etwas...es war so unangenehm kalt...und dann ging noch meine Taschenlampe aus.Verdammt...was nun? Langsam tastete ich mich an den feuchten Wänden entlang...als dann...nein ich mußte mich irren...sah ich dort wirklich einen Lichtschein? Ich ging darauf zu...weil ich dachte...mein Cousin würde mit seiner Lampe mir den Weg leuchten. Ich gelang in einen kleinen Raum...und.......................................................................erstarrte...........................!

Zusammengekauert voller Angst saß ein junger Mann...ich schätzte ihn so auf 18 oder neunzehn...na höchstens 20...in der Ecke des Raumes und weinte. Seine Petroliumlampe erhellte den kleinen Raum nur spärlich.Er war total verdreckt...in graugrün verschmierten Sachen...sein Gesicht war blaß und wies eine Narbe auf...die quer durch sein Gesicht lief...Arret...Arret...mon Kamerad stammelte er hervor.Ich kann kein französisch drückte ich aus meinem Mund heraus.Gott sagte dieser dann ...du sprichst deutsch Kamerad. Ja sagte ich...ich bin Deutscher.Stimmte zwar nicht...da ich Engländer bin...aber was sollte ich ihm schon die zusammenhänge erklären...ich sprach ja deutsch. Er zitterte...ist der Krieg schon zuende.Ich war verblüft...nein geschockt...wollte dieser mich wohl verarschen ? Aber wieso sprach er denn deutsch ? Der Krieg ist schon lange aus sagte ich...schon 24 Jahre...und vernahm ein Seufzen. Ging einen Schritt nach vorne...und stolperte über etwas auf dem Boden.Verdammt...hatte ich mir den Arm aufgekratzt...er schmerzte...kämpfte mich mühsam hoch...ja der Krieg ist schon la......................

hallo...wo bist du ? Dreh`ich jetzt langsam durch oder was? Der Raum hatte nur den  Weg den ich gekommen war...und der war schmal...er konnte unmöglich an mir vorbei gekommen sein. Sonst hatte der Raum keine Türen oder Nischen.Ich bekam eine Gänsehaut...dann sah ich ein Licht in der Ferne.Mein Cousin hatte mich gesucht...wo bleibst du so lange ? Ich...äh...ist dir jemand entgegen gekommen fragte ich ihn. Wie entgegen gekommen ? Schon gut sagte ich. Mit seiner Lampe leuchtete ich den Raum ab...und in die Ecke wo ich den Mann gesehen hatte.Nichts...doch da...ein kleiner Haufen etwas. Zaghaft ging ich näher.Meine Überraschung war groß. Es war ein Stahlhelm...total verrostet...eine Trinkflasche...und eine Erkennungsmarke. Ich steckte alles in meinenBeutel...und wir verließen schnell diesen unheimlichen Bunker. Wer soll mir denn entgegen gekommen sein...fragte mein Cousin erneut...ach nichts sagte ich...ist schon gut.

Draußen im hellen betrachtete ich die Fundstücke...die Erkennungsmarke war noch heil...das heißt...sie besteht aus zwei Teilen mit einer perforierten Sollbruchstelle in der Mitte.Ist ein Soldat gefallen...behält er eine Hälfte um den Hals...die andere geht in die Heimat. Das würde heißen...er ist nicht gefunden worden...ich erschauderte als ich weitersprach...als er ...als er starb..oder gefallen war. Und noch eines machte mich stutzig...der Helm...es war ein deutscher...aber nicht von der Wehrmacht...es war ein Modell..M16...also vom ersten Weltkrieg.

Also war der Krieg nicht 24 Jahre vorbei...mein Gott..es waren 51 Jahre.Ich wurde kreidebleich. 51 Jahre hatte diese arme tote Seele im Bunker gesessen ...und dachte das draußen noch der erste Weltkrieg hauste...ich war fassungslos.

Zeit scheint für Seelen keine Rolle zu spielen.

Wieder in Deutschland...meldete ich den Fund dem  Militär und Kriegsarchiv in Wiesbaden . Die Erkennungsmarke wurde mit den Stammrollen der Soldaten des Krieges verglichen. Ein Eintrag wurde gefunden...Josef Aretz...vermißt 1917...vermutlich gefallen ...für Kaiser und Vaterland.

 

Die französische Behörde untersuchte den Bunker und fand Skelettreste eines Mannes.

 

 

 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 14.04.2010. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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