Barbara Greskamp

Buddy - oder das Traum-Pferd

Buddy – oder das Traum-Pferd

 

Erschrocken schnellte ich hoch, es hatte geklingelt. Verwirrt schaute ich um mich. Ich hatte geträumt. Ganz furchtbar geträumt. Ich konnte keinen klaren Gedanken fassen. Noch einmal klingelte es – es war mein Wecker, der mich wieder in einen anstrengenden, von Arbeit und Hektik bestimmten Tag rief.  Aber ich konnte nicht aufstehen. Völlig ermattet fiel ich noch einmal  in meine Kissen zurück und versuchte zu rekonstruieren was geschehen war, was ich soeben geträumt hatte:

 

Ich sah ein Pferd vor mir, ein großes, weißes Pferd mit bräunlichen Schattierungen in seinem Fell, einer braunen Zeichnung über den Augen und einer weiß-braunen Mähne. Seine Augen schauten mich unverwandt an. Große braune traurige Augen. Ich empfand ein Gefühl von Schmerz, Schmerz in seinem Kopf. Ich selbst konnte es körperlich fühlen. Der Schmerz schrillte in meinem Kopf – dann wachte ich auf.

 

Vor ca. 6 Jahren hatte ich eine Reitbeteiligung an einem Pferd,  an einem schönen weiß-braunen Appaloosa-Wallach namens Buddy. Das Pferd gehörte einer Bekannten. Als sie hörte, dass ich meine Reitbeteiligung aufgrund Aufnahme meines Studiums nicht mehr aufrecht erhalten konnte, verkaufte sie das Pferd kurzerhand. Ich war damals leider nicht in der Lage, ein Pferd zu kaufen, geschweige denn zu unterhalten.

Ich fühlte mich wie ein Verräter als Buddy in fremde Hände überging.

Ich hätte ihm helfen müssen – aber wie? Ich wusste nicht einmal, wohin er ging.

 

6 Jahre zogen ins Land, ich beendete mein Studium und hatte das Glück, einen guten Job angeboten zu bekommen.

Meine Tage verliefen immer gleich mit viel Arbeit, Stress und Hektik. Abends fiel ich todmüde ins Bett und morgens begann der Kreislauf aufs Neue. Bis zu jenem Morgen, an dem ich Schweiß gebadet aus meinem Traum erwachte.

Ich hatte Buddy gesehen! 

 

Dieser Traum ließ mich nicht mehr los. Den ganzen Tag über hatte ich das Bild des Pferdes vor Augen. Ein trauriges Bild, das ich gleichzeitig mit Schmerzen verband.

Es war ein Gefühl, das ich mir einfach nicht erklären konnte.

 

Ich sprach mit meiner Mutter darüber. Meine Mutter, wie immer recht praktisch veranlagt, riet mir, nach Buddy zu suchen um zu sehen, wie es ihm geht.

Gesagt, getan. Ich tätigte ein paar Anrufe und mit etwas Glück erfuhr ich, wo Buddy nun zu finden war. Das Wochenende kam, und wir fuhren los, meine Mutter und ich. Zwei Stunden waren wir unterwegs.

 

Dort angekommen, fanden wir den Stall leer vor. Die Pferde waren auf der Weide. Ich schaute mich im Stall um und - mich traf fast der Schlag - dieser Stall, der in keiner Weise konventionell gebaut  sondern sehr individuell ausgestattet war, sah genau so aus wie in meinem Traum.

Gehobelte Schwartenbretter bildeten die brusthohen Boxenwände und die Farbe der hellbraunen Bretter kam mir aus meinem Traum sehr bekannt vor.

 

Die Besitzerin kam, und wir gingen zur Weide. Buddy erkannte mich sofort wieder. Seine Blicke ließen mich nicht los. Er begrüßte mich vertrauensvoll, als wären wir nie getrennt gewesen.

 

Nun hatte ich mich davon überzeugt, dass es ihm gut ging – nun sollte es genug sein. Ich könnte mich sodann wieder anderen Dingen zuwenden ….

 

Doch ich hatte die Rechnung ohne Buddy gemacht. Buddy geisterte jeden Tag, Stunde um Stunde in meinem Kopf herum. Ich hatte das Gefühl, ihn ein zweites Mal zu verraten. Dazu kam, dass er verkauft werden sollte. Wer weiß, wo er dann hinkommt und ob es ihm dort gut gehen würde.

 

Ich fasste einen Entschluss.

 

Am darauf folgenden Wochenende fuhr ich wieder in Richtung Eifel. Diesmal hatte ich einen Pferdehänger dabei.

 

Ich fuhr auf den Hof. Buddy stand in seiner Box, drehte sich ganz langsam zu mir um und seine Augen sagten, da bist du ja endlich. Das wurde aber auch Zeit, ich habe schon gewartet.

Mit der Besitzerin wurde ich schnell handelseinig, legte Buddy sein Halfter um und führte ihn sodann auf den Hänger. Buddy ging, ohne mit der Wimper zu zucken, auf den Pferdehänger, als hätte er nur darauf gewartet. Ich erinnere mich noch an Zeiten, da brauchten die Leute zwei Stunden um ihn zu verladen.

 

Wir fuhren Heim. Nun hat er in einer Herde von 30 Pferden seine Heimat und seine Freiheit gefunden. Er wird jeden Tag von mir oder meiner Familie betreut. Vor allen Dingen kann er sich 24 Stunden am Tag frei bewegen und hat seine Artgenossen zum Spielen.

 

Bei den tierärztlichen Untersuchungen, die dann folgten, stellte sich heraus, dass Buddy einen verfaulten Backenzahn im Kiefer sitzen hatte,  der ihm höllische Zahnschmerzen verursacht haben musste …    

 

 

© Barbara Greskamp

    16. April 2010

Obwohl ich diese Geschichte in der Ich-Form geschrieben habe, hatte eine meiner Töchter diesen Traum. Ich durfte aber dabei sein, als der Traum Wirklichkeit wurde.
Diese Geschichte ist absolut authentisch und Buddy gehört heute zu unserer tierischen Familie.
Barbara Greskamp, Anmerkung zur Geschichte

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 16.04.2010. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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