Gaby Schumacher

Besuch in der Apotheke

Ich wusste gar nicht, dass der dermaßen amüsant sein kann...

 

Mir war es so eigenartig warm und es kribbelte verdächtig in der Nase. Verdrossen trottete ich in die Apotheke und erwischte den Apotheker höchstpersönlich.

„Ich brauche ein Grippe- sowie ein Schnupfenmittel!“

Er musterte mich kritisch:

„Haben Sie bereits starke Beschwerden?“

„Nein, aber es fängt an.“

 

Ein besorgter Blick streifte mich.

„Läuft die Nase denn? Die Schnupfenhemmer ...“

In einem wahren Schneckentempo wandte er sich dem Computer zu und befragte ihn minutenlang, derweil ich ungeduldig von einem Fuß auf den anderen trat.

„Tja, wissen Sie, diese Schnupfenhemmer“, betonte er ein zweites Mal noch besorgter, „Ihre Nasennebenhöhlen ...“

Ich wusste es und ahnte, was noch alles folgen würde, falls ich nicht schnellstens ...

„Keine Sorge, ich nehme die nur, wenn es gar nicht anders geht!“, unterbrach ich ihn.

„Ich will ja nur, dass es Ihnen gut geht!“, bemerkte er charmant.

„Soviel Nächstenliebe, ich bin platt!“

Wir lachten.

 

Der Apotheker besann sich auf seine wichtige Aufgabe, mich vor den gesundheitlichen Unbillen im Leben zu beschützen. Einmal öfter noch streifte mich sein fürsorglicher Blick:

„Sagen Sie mal: Wie ernähren Sie sich eigentlich?“

Hastig zählte ich auf:

„Viel Obst, viel Gemüse ... Besonders gern Salat mit Mayonnaisensauce!“

Bei ´Obst` und ´Gemüse` hatte er noch beifällig genickt, doch bei ´Mayonnaise zuckte er erschrocken zusammen.

„Ja, doch nur alle zehn Tage mal!“, behauptete ich keck und bekam prompt Gewissensbisse.

 

Um den entsetzlichen Eindruck wegen der unsäglichen Ernährungssünde zu verwischen, verriet ich ihm dann vorsichtshalber freiwillig noch Folgendes:

„Und, bevor Sie nachfragen: Ich rauche und trinke auch nicht!“

„Sie sollten aber viel trinken !!!“

Ich muss wohl ziemlich blöd geguckt haben, denn nun zuckten tatsächlich seine Mundwinkel.

„Gut, dann werd ich es mir fix angewöhnen!!“

Jetzt zuckten auch meine vor unterdrücktem Lachen. Und dann prusteten wir los.

 

Immer noch schmunzelnd tippte er einen letzten Befehl ein und endlich plumpsten aus der Medikamentenluke die ersehnten Tabletten.

Bei deren Erscheinen setzte der Apotheker sofort wieder die besorgte Miene auf:

„Aber denken Sie wirklich an Ihre Nasennebenhöhlen ... !“

„Ganz bestimmt!“, versprach ich feixend.

„Es hat mich sehr gefreut!“, meinte er abschließend lachend.

„Mich auch!“, entgegnete ich bester Laune. „Übrigens müssen Sie damit rechnen, dass ich unser Gespräch zu einer Kurzgeschichte verarbeiten werde. Auf Wiedersehen ... !“

 

 

 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 26.04.2010. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

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