Katja Ruhland

Als meine Katze mir das Leben rettete

Ich musste etwa fünfzehn gewesen sein, als ich beschloss, mein Leben nun endgültig zu beenden. Es mag Ihnen vielleicht etwas eigenartig vorkommen, dass sich ein so junges Mädchen umbringen wollte, aber ich hatte schon meine Gründe. Zumindest waren es die Gründe einer Fünfzehnjährigen. Ich war seit mehr als einem Jahr unglücklich verliebt, musste aufgrund familiärer Umstände ins Ausland ziehen und man hatte mir offenbart, dass ich, seit dem ich ein kleines Kind war, einen wirklichen Grund hatte meinen richtigen Vater zu hassen.
Ja, damals war das für mich Grund genug. Zu diesen Problemen kamen noch weitere Kleinigkeiten, wie ein Streit mit der besten Freundin, oder Feindseligkeiten meiner Mitschüler.
An diesem besagten Tag, als ich bereit war meinen Entschluss in die Tat umzusetzen, war ich alleine zu Hause - meine Eltern waren im Urlaub. Ich hatte mir aus einigen Mitteln, auf die ich jetzt nicht näher eingehen möchte, eine Art Tee gemixt, der nun vor mir auf dem Tisch stand. Ich starrte die fast klare Flüssigkeit lange Zeit an. Eigentlich hatte ich erwartet, dass ich weinen würde, oder Angst haben würde, aber das war nicht der Fall. Ich saß einfach nur da, guckte das Glas an und wartete auf irgendwelche Emotionen.
Als ich gerade danach greifen wollte, um es endlich hinter mich zu bringen, sprang meine Katze auf den Tisch und schleuderte das Glas mit einem kräftigen Tatzenhieb vom Tisch, so dass es zu Boden fiel und zerbrach. Ich starrte Schniefnäschen (wir hatten sie auf Grund ihres Katzenschnupfens so genannt, als sie uns damals zulief) nur an. Ich war wirklich fassungslos. Noch nie, solange sie bei uns war, hatte sie etwas umgeworfen, noch war sie jemals auf den Tisch gesprungen – sie tat es auch anschließend nie wieder.
Das kleine Wesen saß einfach vor mir, würdigte das zerbrochene Glas nur eines schrägen Blickes, und guckte mich dann wieder vorwurfsvoll an.
Nun endlich kamen die Tränen.

Es sollte noch lange dauern, bis ich begriff, dass sie mich wirklich noch brauchte, denn im Februar, vor nun drei Jahren, brachte sie drei Junge zur Welt, von denen eines ohne meine Hilfe vielleicht gar nicht überlebt hätte. Sie brachte die Kleinen in meinem Zimmer zur Welt und ließ zu, dass ich sie direkt nach der Geburt in die Hände nahm. Doch bei dem Letzten hatte sie die Kraft verlassen, die lange andauernden Wehen hatten sie total ausgezehrt und ich war es, die das Junge von der Nabelschnur befreite, die sich um seinen kleinen Hals gewickelt hatte.
Nun sitzt dieser Kleine, mittlerweile stattliche, Kater neben mir und guckt mich an, genauso, wie seine Mutter es getan hatte, als sie dafür sorgte, dass ich am Leben blieb.

Nun ist dieses kleine Wesen leider schon lange tot, aber irgendwie ist sie noch immer bei mir.

Sie hat mich auf ihre ganz eigene Art stark geprägt und mir nicht nur einmal gezeigt, dass es durchaus auch Schönes im Leben gibt.
Katja Ruhland, Anmerkung zur Geschichte

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 26.12.2002. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

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