Rosie Taubmann

Die alte Abtei!

 


In einer alten Abtei tief im bayrischen Wald, geschehen merkwürdige Dinge. Nachts hallt es wie Paukenschläge durch das alte Gemäuer und die Erde erbebt. Wimmern, stöhnen, ächsen ist zu hören. Unheimliche Gestalten schleichen durch die Gänge mit widerlichem Gelächter und Gerede, auch Tanzende mit obszönen Bewegungen. Sie alle ziehen zur Kapelle hin.
Dort sitzt auf einem thronartigem, hölzernem Stuhl eine schreckliche Gestalt. Ein menschlicher Körper mit einem Ziegenkopf, gekrümmte Hände und klauenartige Füße. Diese Gestalt lässt sich feiern wie ein König.
Nachdem sich alle versammelt haben, hebt er seinen Kopf und mustert mit glühenden Augen seine Anhänger. Sofort tritt Stille ein. Mit dröhnender Stimme, die wie Paukenschläge die zusammenzuckende Gestalten trifft, ruft er: Heute wird sich für uns die neue Zukunft verwirklichen. Diese Nacht ist für uns die Nacht in der wir Auferstehen werden. In Ruhe können wir das Morgengrauen erwarten. Ab heute müsst ihr nicht mehr in die Gräber zurück, denn die vierhundert Jahre Verdammnis sind vorüber. Lauter Jubel bricht unter den Gestalten aus, sie fallen sich in die Arme und die ganze Nacht wir gefeiert.
Vor vierhundert Jahren lebte in dieser Abtei der Orden der Lukaner. Es waren bettelarme Mönche. Die Bauern der Gegend schenkten ihnen Ziegen, Schafe und Saatgut. So konnten sie sich selbst ernähren. Außerdem sammelten sie Heilkräuter und Beeren im Wald.
Eines Tages sie waren mal wieder auf der Suche nach Beeren, sehen sie eine eigenartige Gestalt auf einem Baum sitzen. Ein menschlicher Körper mit einem Ziegenkopf. Sie bekreuzigen sich und fallen betend auf ihre Knie. Der Ziegenkopf lacht laut meckernd und sagt zynisch: Na, ihr Eingott Anbeter habt ihr Angst? Wer bist du fragt ihn einer der Mönche? Ich bin Pan, der Gott des Waldes und der Hirten antwortet der Ziegenkopf. Nein erwidert einer der Mönche, Pan existiert nicht, es gibt nur einen Gott. Du bist der Satan und willst uns versuchen! Der Ziegenkopf steigt vom Baum herab und ruft mit donnernder Stimme. Ich bin der göttliche Pan. Seit das Christentum hier ist, sind die alten Götter in Vergessenheit geraten, doch es gibt uns noch. Leiser fügt er hinzu: Wenn ihr an mich glaubt und mich als Pan den Gott des Waldes verehrt, werde ich weiterhin unsterblich sein und euch reich belohnen. Überlegt es euch gut, ihr braucht nicht mehr zu darben. Heute in einer Woche werde ich euch hier erwarten. Sogleich war er verschwunden.
Die Mönche eilen ins Kloster zurück und erzählen ihr Erlebnis. Zuerst tun  alle das Ganze als teuflisches Werk ab, doch immer öfter flüstern sie hinter vorgehaltener Hand. Je näher der Tag rückt an dem der Waldgeist erscheinen will um so heftiger wird das Geflüster. Heimlich haben sich schon einige für Pan entschieden und am Tag seiner Erscheinung sind die Brüder zweigeteilt. Die eine Hälfte ist für Pan und den Reichtum, die Andere hält an ihrem Glauben fest.
Am Tag X als die Abtrünnigen im Wald ankommen, sitzt Pan schon auf dem Ast eines Baumes. Mit gemischten Gefühlen schauen sie den Waldgott an. Der sieht tatsächlich wie der Teufel mit Hörner aus denken sie und die Angst steigt in ihnen auf. Als der die Unsicherheit der Menschen sieht, stößt er ein hässliches Lachen aus und mit widerlicher vor Hohn triefender Stimme sagt er: Der Reichtum hat euch also doch gelockt, Da vergesst ihr euren Eingott. Wo ist er denn euer Gott, warum lässt er euch so darben. Mit mir könnt ihr in Saus und Braus leben. Vergesst ihn also und verehrt mich als eueren Gott.
Die Mönche fallen auf ihre Knie und zelebrieren eine Anbetung Pans. Als diese vorüber war schauen sie ihn erwartungsvoll an. Er steigt vom Baum herunter. Seine donnernde Stimme trifft die Mönche bis ins Mark, als er da ruft: Ich der unsterbliche Gott Pan, halte mein Versprechen. Ihr sollt euere Belohnung erhalten. Folgt mir nach. Er wendet sich um und geht vor ihnen her durch den Wald. Nach etwa hundert Metern deutet er zu einem Baum hin, legt die Wurzeln dieses Baumes frei, sagt er und ihr werdet euren Schatz finden. Doch denkt daran ihr müsst mich weiter als euren Gott des Waldes verehren, ansonsten verschwindet der Schatz wieder, er löst sich in Luft auf. Und mit einem hässlichen Lachen ist er verschwunden.
Zwei der Mönche laufen Schaufeln holen. Nachdem sie die Wurzeln freigelegt hatten, schimmert und blinkt es zwischen ihnen. Gold! Da liegen und hängen Goldnuggets, überall große, kleine ein riesiges Vermögen. Jubelnd sammeln sie den Goldschatz ein. Wir sind reich, stammeln sie vor sich hin. Nachdem sie auch das letzte Nugget aufgeklaubt haben, machen sie sich auf den Heimweg.
In der Abtei angekommen zeigen sie den Brüder den Schatz. Doch die stehen den Abtrünnigen feindselig gegenüber. Der Abt beschwört sie von diesem Irrglauben abzulassen, doch die Abtrünnigen lachen nur darüber. Er sieht ein dass es Sinnlos ist sie bekehren zu wollen. So sagt er ihnen: Wir möchten mit eurem Schatz nichts zu tun haben, er ist Teufelswerk. Ihr seid Gotteslästerer, nehmt das Gold und verschwindet aus unserer Abtei. Diese Nacht könnt ihr noch hier verbringen, doch Morgen in aller Frühe verlasst ihr das Kloster. Er dreht sich um und geht weg.
Die Abtrünnigen beratschlagen was zu tun ist. Freiwillig geben sie den Schatz nicht wieder her.
In der Nacht als alle schlafen, schleichen einige Gestalten umher. Sie gehen leise von Klosterzelle zu Klosterzelle, überwältigen und fesseln den Abt und die Mönche. Die Gefesselten schaffen sie in einen fensterlosen Raum im Keller. Nachdem sie ihnen Nahrung und Wasser hingestellt haben, öffnen sie einem von ihnen die Fessel. Ihr könnt euch nachher selbst befreien und wenn ihr zu uns übertretet lasst es uns wissen spricht einer von den Abtrünnigen, ansonsten bleibt ihr hier unten, dann ist dieser Raum euer Kerker. Nach diesen Worten drehen sie sich um und verlassen den Raum den sie von außen verschließen und den Keller.
Sie begeben sich in die Kapelle und räumen alle christlichen Gegenstände und Zeichen weg. Vor den leeren Altar stellen sie einen thronähnlichen hölzernen Stuhl und rufen Pan an. Als er erscheint bieten sie ihm den Thron als Zeichen seiner Macht und Verehrung an.
Meckernd lachend setzt sich der Waldgott auf den Thron. Das gefällt ihm und er gebietet Ruhe. Nachdem sie alle zu ihm aufschauen, spricht er zu ihnen. Ihr Menschen, ich möchte dass ihr euer Zölibat löst, eure Kutten ablegt, ihr seid keine Büßer mehr. Bei mir gibt es auch kein Keuschheitsgebot. Bei mir seid ihr glückliche Menschen, die feiern, tanzen und genießen.
Fröhlich stimmen sie zu. Das Feiern gefiel ihnen und wird immer ausschweifender. Mit den Frauen und Töchter der Bauern treiben sie Unzucht, Schwängern sie und ziehen sich so den Hass der Männer zu. Die Brüder im Keller haben sie vergessen. Sie mussten elendig verdursten und verhungern.
Nach zwei Jahren unsittlichen Treibens, war es  selbst den Bauern zu viel und sie entsendeten eine Delegation zum Kardinal. Der hört sich die Beschwerden an und verspricht sich darum zu kümmern.
Vierzehn Tage später schickt der Kardinal seine Häscher aus. In Kognito schleichen sie sich ins Kloster ein und erleben die widerlichen Ausschweifungen mit. Als sie dem Kardinal Bericht erstatten, beauftragt der seine fünf besten Dämonenjäger und Teufelsaustreiber dem satanischen Treiben ein Ende zu setzen. Die fünf Exorzisten kommen gegen Abend am Kloster an. Sie werden freundlich herein gebeten und beköstigt. Danach werden sie in die Kapelle eingeladen. Erschrocken schauen sie die Figur auf dem Thron an. Das ist der Satan persönlich flüstert einer von ihnen. Sofort heben alle Fünf ein Kreuz in die Höhe und sprechen dämonische Bannsprüche aus. Doch Pan lacht laut und meckert: Ihr könnt euch eure Sprüche sparen, ich bin kein Dämon. Ich bin Pan der Gott des Waldes und der Hirten. Bei mir zieht euer Gesülze nicht. Wie kommst du, wenn du Pan bist hier her, fragten ihn die Mönche, deine Heimat ist doch weit weg von hier.
Meine Heimat ist überall dort wo man die alten Götter noch verehrt antwortet Pan. Bevor das Christentum sich überall breit gemacht hat, waren wir überall vertreten. Zu seinen Anhänger gewand, packt sie und entfernt sie, es sind Störenfriede.
Mit einem Wutgeschrei stürzen die sich auf die Fünf, überwältigten sie und sperrten sie in das Verlies, in dem immer noch die Gerippe der Verhungerten liegen.
Oh mein Gott flüstern die Gefangenen, was ist hier los? Durch zwei schmale Spalten zwischen den Ziegelsteinen fällt Licht herein. Sie kriechen tastend umher und finden Löffel und Gabeln. Mit ihnen kratzen sie den Mörtel zwischen den Ziegel heraus. Nach zwei Tagen ist das Loch zum durchkriechen groß genug. In aller Frühe schleichen sie sich leise aus dem Kloster. Sie flüchten sich in ein am nächsten liegendes Kloster und geben von dort eine Depesche an den Kardinal auf mit der Bitte ihnen die Kampftruppe zu schicken. Vierzehn Tage später trifft diese ein. Es sind eisenharte Mönche aus verschiedenen Klöstern. Sie nennen sich, die Kämpfer des Glaubens! Sie töten ohne mit der Wimper zu zucken. Nach erledigtem Auftrag, ziehen sie sich wieder in die Klöster zurück, tun Buße, Geißeln sich und bitten so Gott um Vergebung.
Diese Kampftruppe trifft am Abend mit den Exorzisten am Kloster ein. Nachdem sie eingedrungen sind haben sie leichtes Spiel, da sich alle in der Kapelle befinden. Ein wüstes Gelage war in vollem Gange.
Die Kämpfer des Glaubens machten kurzen Prozess mit ihnen. Sie töten alle - Männer wie Frauen. Zeugen, das konnten sie sich nicht leisten, denn sie waren eine Truppe, die nur im Geheimen arbeitet.
Wütend stand Pan am Altar, doch gegen diese Häscher konnte er nichts ausrichten und mit einem langgezogenem furchtbarem Schrei verschwand er.
Im Klosterhof werden die Abtrünnigen mit ihren Mätressen in einem Gemeinschaftsgrab bestattet. Die Gebeine der Mönche aus dem Verlies fanden auf dem Friedhof in geweihter Erde ihre letzte Ruhe.
Die fünf Exorzisten belegen das ganze Kloster mit Bannsprüchen. Seit dieser Zeit traut sich des Nachts kein Mensch mehr in die Nähe des Klosters. Zu viele unheimliche Dinge geschehen dort.
In der ersten Nacht nach dem Massaker, kommt Pan in die Kapelle zurück. Er sucht seine Anhänger und findet sie. Nachdem er sie zum leben erweckt hat, zu einem Geistleben nur in der Nacht spricht er zu ihnen die Worte: Vierhundert Jahre müsst ihr dieses Leben führen, Nacht für Nacht. Doch danach werde ich euch wieder ins Leben zurück führen. Seitdem lässt er sich Nacht für Nacht von seinen Anhänger feiern.
Bis zur heutigen Nacht. Es ist die Nacht der Nächte die sie alle sehnlichts erwarteten.
Heute im Morgengrauen erhalten sie ihre Körper zurück. Sie können den Morgen kaum erwarten. Weit öffnen sie die Fenster und Türen. Langsam schwindet die Nacht und die ersten Strahlen der Sonne tasten sich über das Land. Sie eilen voller Erwartung hinaus. Dicht stehen sie beieinander und atmen die frische Luft ein. Erste Sonnenstrahlen erreichen sie und ihre Knochen überziehen sich mit Fleisch und Haut. Gegenseitig fasten sie sich glücklich an - sie waren wieder Menschen aus Fleisch und Blut. Als auch der Letzte den Wandel überstanden hat, zerfallen sie von einem Augenblick zum anderen zu Staub. Das alte Kloster bricht zusammen, nichts bleibt von dem alten Gemäuer übrig das an es erinnert. Fassungslos steht Pan auf dem Platz an dem Gestern noch die Kapelle stand.



Diese Geschichte wurde frei erfunden!

 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 22.05.2010. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

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