Hella S.

3 Tage Dresden, eine Fotoreise (3. Tag)

 

3. Tag

Wir verabreden uns für den nächsten Tag mit Johannes und er bringt sogar seine Frau mit, die auf unsere Bitte ihr Filmkleid anzieht. Der Plan für den nächsten Tag wird besprochen, im Gegensatz zum ersten Tag, wo wir Altstadt und Neustadt zu Fuß erobert hatten, geht es nun mit dem Bahnsondertarif durch die Stadt. Immer zwei Leute fahren mit einer Karte, was natürlich den Nachteil hat, dass die zwei auch zusammen bleiben müssen. Einmal hat es nicht geklappt mit Angelika und Ulla, sodass Ulla lieber zu Fuß gegangen ist, statt schwarz zu fahren. Zum Glück war es nur eine Station.

Schon zum zweiten Mal besuchen wir die Kunsthofpassage mit dem blauen und gegenüber dem goldenen Haus. Heute ist Markt, natürlich nur Kunst. Angelika möchte 3 Keramikobjekte kaufen und wundert sich, dass sie an einem Zweig stecken, sie will doch nur die Objekte, doch sie muss auch den Zweig dazu nehmen. Ich finde für meine Eierbechersammlung einen Raben aus Ton. Hier könnte ich einen ganzen Nachmittag verbringen, so interessant ist es. Wir haben uns mit Johannes und seiner sympathischen Frau im Filmkleid an dem Blauen Wunder getroffen. Eine riesige Stahlbrücke, die erst grün war, nun aber durch Witterung und Sonneneinstrahlung blau wurde. Für mich Farbenblinde ist sie grau oder vielleicht noch  taubenblau, wobei Tauben für mich auch grau sind. Die Geschichte von dem Wunder habe ich leider vergessen, für mich ist es aber schon ein Wunder, dass die Brücke noch zusammenhält, denn wenn man in der Mitte steht und ein Lkw vorbeifährt rüttelt es schon ganz erheblich. Die Brücke ist nur genietet. Sie wurde 1893 fertig gestellt.Danach fuhren wir mit der Schwebebahn auf den Loschwitzer Berg. Eine tolle Aussicht von dort oben; runter ging es steil bergab zu Fuß, auch wenn Helmut es nicht so gut fand.

Es gibt einen berühmten Satz, der immer mal wieder zu hören war: Oooooh ist dassss schöööön, guck mal Hella. Natürlich ist er von Renate, die so viel Freude zeigte an diesen vielen schönen Dingen. Als wir dann  beim Schloss Pillnitz landeten, warfen Renate und Sabine sich in die Wiesenblumen und man sah nur noch zwei Hinterteile in die Höhe ragen, es gibt Beweisfotos. Damit wir das Schiff zurück nach Dresden erwischten und rechtzeitig zur blauen Stunde auf der Brücke waren, ging es fast im Laufschritt durch die Schlossanlagen. Irgendwann kam auch ein Nachtwächter auf einer der schönen alten Brücken vorbei, doch der ging nur und es war noch hell. Er wirkte als hätte er den Wecker nicht gehört, zur falschen Zeit ohne Gesang und Laterne, fast hätte ich ihn nicht erkannt.

Dann stand ich im Dunkeln mit Helmut auf der Brücke, zum fotografieren natürlich. Einige von uns waren schon zum Hostel gegangen und Ulla und Gabi fotografierten am anderen Ende. Als ich wieder aufschaute, war Helmut verschwunden und ich stand ganz allein mit meiner Kamera im Arm in einer fremden Stadt und wusste nicht, wo lang es nach Hause ging. Noch schlimmer, ich kannte nicht den Namen und die Straße des Hostels. Hilfeee!!! Da fiel mir mein Handy ein. Ich bekam keinen Anschluss, Hilfeeee!!! Dabei nehme ich mir immer vor, bei jeder Reise den Namen, die Straße und die Telefonnummer des Hotels aufzuschreiben und warum tue ich das dann nicht? Während ich noch überlegte, ob ich vielleicht Ulla und Gabi suchen sollte,… aber vielleicht waren sie während ich fotografierte an mir vorbei nach Hause gegangen. Plötzlich stand Helmut wieder da und alles wurde gut, wie Gabi immer so schön sagt.

Auf der Elbe fährt auch ein Raddampfer, der ein paar Mal hin und herschipperte, bis jemand sagte, das sind mehrere Schiffe, der fährt doch nicht nur so ein kurzes Stück. Ja, man konnte es an den Namen erkennen. Als wir dann nach dem Nachtshooting ins Hostel kamen, saßen die anderen gemütlich im Konferenzraum, betrachteten ihre Fotos auf dem Laptop und klönten. Lothar und Edeltraut hatten eine Flasche Prosecco im Gepäck und ich bekam auch noch ein Glas ab, das tat gut. Irgendwann stellte sich dann die Frage: „Wer ist fotosüchtig?“ Manche sagten: „Ulla oder Renate.“ Wie gut, dass sie nicht wussten, was ich heimlich machte. Ich habe ~1500 Fotos gesammelt. Gelöscht habe ich davon 250. Wer hat mehr?

Noch eins wollte ich verraten, bei einem Nachtessen hatte Helmut eine halbe Ente bestellt und Gabi eine viertel. Nun, Helmut ist ja auch sehr groß und Gabi klein. Dabei hatte ich noch gedacht, eine halbe Ente sei nur ein bisschen größer als ein Huhn. Ich glaube ich hatte den Umfang eines Huhns doch nicht so in Erinnerung, die Ente muss jedenfalls riesig gewesen sein.

Auch der dritte Tag empfing uns mit schönem Wetter. Der Plan war, erst in den Zwinger zu gehen, wo sie mich gezwungen haben ganz allein auf der andere Seite des großen Brunnens zu bleiben, es gibt ein Beweisfoto.(Wo waren die vielen Touristen?) Dann war Termin in der Semperoper, für mich als verhinderte Opernsängerin ein absolutes Highlight. Dieser wunderschöne Bau, die unbeschreiblich raffinierte Bühne und vor allem die Atmosphäre  hat mich so angeturnt, dass ich als ich draußen von dem Posaunenchor das Ave Maria hörte, zu Gabis Freude ein paar Töne sang, worauf hinter mir ein Mann sagte: „Schöne Stimme.“ Ich war nicht mal eingesungen und ein bisschen heiser. Vor der Semperoper lustwandelten viele Menschen und die bekamen dann auch exquisites zu sehen, nämlich zwei Damen, die hockender- und liegender Weise vor der Oper die Touristen irritierten, beteten sie? Das war doch eine Oper, oder doch eine Kirche? Wer näher kam konnte zwei Fotoapparate erkennen. Was fotografieren die denn auf dem Boden? Etwa die Spiegelung der Semperoper in einer Murmel? (Die Murmel hatte ich im Gepäck, denn ich bin bekannt für meine Murmelfotos.) Kann das ein Tourist begreifen? Nein! Fotografen sind eben seltsame Menschen, oder?

 

Alles in allem war es eine gelungene Reise. Doch eins haben wir gemerkt: Für Dresden reichen 3 Tage nicht und vor der nächsten Reise sollten wir den rechten Zeigefinger trainieren, ein Tipp für alle längeren Fotoreisen.

Dabei fällt mir noch ein, gibt es eigentlich auch Kameras für Linkshänder?

 

 

 

 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 14.06.2010. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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