Mutti hatte gesagt: " In der Kirche muss man immer beten und schön still sein, denn der liebe Gott schaut einem in's Herz und der sieht, ob du nur geschwätzig bist oder ehrlich betest." Das beeindruckte Kind, das sich zum Zeichen des Verständnisses den Finger vor den Mund legte, hatte aber so viele Fragen.
Wieso sieht der alles? Wer hat ihn überhaupt in den Himmel hineingetan? Wenn er aus dem Nichts kam, wieso hat er eine Mutter? Wieso gibt es drei Götter in einem ? Jedenfalls Luzie traute sich das alles nicht zu fragen, weil sündigen wollte sie ja nicht. Sie sah sich in dem Gotteshaus um. Da gab es viele kleine Putten. Dicke Engelchen, die kleinen Kindern ähnelten, aber winzige Flügelchen auf dem Rücken hatten. Sehr viel Verziehrungen und Standbilder von grimmig oder wehmütig mit gen Blick zum Himmel dreinschauenden Männern und Frauen.
"Das ist der heilige Augustinus," flüsterte die Mutter auf Luzies fragenden Blick. "Das ist der heilige Sebastian", hauchte es von oben, bei weiterem Fingerzeig. Schreckllich diese vielen Pfeile in seinem Körper. Luzie war ehrlich betroffen. " Ja und dort siehst Du hängt Christus am Kreuz". Irgendwie geht es in der Kirche ohne furchtbar gemarterte, Menschen nicht ab. Dort lag noch etwas besonders Schönes. In einem Schneewittchen-sarg lag ein mit Edelsteinen geschmücktes Skelett. Jetzt grauste es Luzie wirklich und sie hatte genug gesehen. Sie wollte jetzt nur noch diesen schrecklichen Ort verlassen. In der Nacht träumte sie dann von heiligen Skeletten.
In der Schule hatten sie außer den üblichen Fächern noch die Bibelstunde. Dazu kam immer ein Fräulein mit einem herzfömigen Gesicht in dem zwei wunderschöne große, blaue Augen leuchteten. Sie erzählte immer so tolle Märchen aus dem alten Testament. Obwohl die teilweise auch so grauslig waren. Aber durch das geschickte Erzählen des Fräuleins wurde diese Stunde zur allgemeinen Lieblingsstunde der Kinder. Als aber die Stelle von Adam und Eva kam, konnte sich Luzie einfach nicht vorstellen, dass der aus Lehm gformte Adam einfach ohne Narkose um eine Rippe geschädigt wurde und daraus die Eva entstand. Das war doch grausam, also Luzie hätte nicht schlafen können, sondern wäre empört aufgewacht. Dann hatte so eine Rippe viel zu wenig Fleisch um daraus eine Frau zu formen. Ja und dann werden die armen Menschen so fürchterlich bestraft, weil sie einen Apfel gegessen haben und gleich aus dem Paradies hinausgeschmissen. Das war für Luzie nicht vereinbar mit der Rolle eines lieben Gottes. Dann hatten sie ja als erste Menschen nur den Kain und den Abel als Söhne, nirgends eine Tochter. Wie konnt aus ihnen so viele Menschen hervorgehen? Auch ,dass der Engel Luzifer aus dem Himmel verstoßen wurde, weil er emanzipiert war und meinte er sei so groß wie Gott. Er wurde auf ewig in die schrecklich heiße Hölle verdammt. Luzie hatte heiße Tage auch nie vertragen, wie musste es erst dem armen Teufel gehen.
Luzie hatte Mitleid mit dem Luzifer. Der eine Gott musste immer lieb sein und der andere Teufel war ewig schlecht.Das konnte sich das kleine Mädchen einfach nicht vorstellen. Also ging sie, als sie nach der Schule nach Hause kam, bewaffnet mit einer Schaufel in den Hof und fing an zu graben. Aber so lange Luzie auch grub, der Teufel kam nicht heraus. Eine nette Dame aus ihrem Häuserblock trat heraus, um ihren Müll zu entsorgen. Als sie das große Loch in dem sonst so säuberlich mit Kies bedeckten Hof sah, fragte sie das Kind was es denn da täte. Luzie sagte ehrlich: " Ich grabe den Teufel aus, damit er nicht in seiner Hölle braten muss." Die Dame verkniff sich ein fast herausplatzendes Lachen und funktionierte es zu einem Lächeln um.
"Weißt du Luzie, den Teufel musst du nicht ausgraben, der kommt oft genug alleine heraus. Das siehst du an den vielen Menschen, die oft schlimme Dinge anstellen. Weißt du, man muss halt immer nach seinem guten Gewissen handeln, dann kann einem gar nichts passieren." damit ging sie wieder lächelnd und Kopf schüttelnd in ihre Wohnung zurück
Die Dame tat sich leicht. Luzie hatte nie ein gutes Gewissen, weil sie Dinge tat, welche verboten waren und so viel aufregender waren, als immer artig zu sein. Aber das Graben gab sie dann auf. Jedenfalls war ihr der liebe Gott immer viel unheimlicher, als der Teufel. Denn auf der Erde hatte er ja entschieden auch nicht so viel zu sagen, wie der Teufel. Er war, fürchtete Luzie, doch so groß, jedenfalls nicht viel kleiner wie Gott. Das hat Luzie immer sehr belastet, weil das auszusprechen war ja Gotteslästerung und eine Todsünde. So dachte Luzie auf ewig ein verdammtes Höllenkind zu sein.
Vorheriger TitelNächster TitelMit diesem Beitrag wollte ich darauf hinweisen, wie sehr man als Kind unter den Unsäglichkeiten der katholischen Kirche mit ihren lange nicht immer glaubwürdigen Bibelgeschichten und stets auf dem Fuße folgenden Verdammnissen in die Hölle leidet. Man wollte sich auch nicht als Kind lauter unverrüttelbare Dogmen vorsetzten lassen, sondern wollte die Dinge vernünftig erklärt bekommen.Die Kirche ist uns sehr viel Wahrheiten schuldig geblieben.Heidi Schmitt-Lermann, Anmerkung zur Geschichte
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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 16.06.2010.
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