Norbert Wittke

Gedanken am Meer

 

Wie genieße ich mit Körper und Seele das Meer. Weit lasse ich Blicke
schweifen zu den gischtenden Wellen, höre das Rauschen, wenn sie sich
ans Ufer werfen.

Die Wellen kommen, teilen sich, machen einen eher harmlosen Eindruck.
Wenn du sie aber nicht ernst nimmst, schleichen sie sich von hinten an
wie ein falscher Hund. Ich weiß es und nehme sie ernst.

Ich genieße den salzigen Geruch des Meerwassers. Spüre einen Salzfilm
auf meiner Haut. Fahre ich mit der Zunge über meine Lippen, verspüre
ich den salzigen Geschmack, der hier dazu gehört.

Möwen rufen und lachen kreischend über mir, neben mir, überall  am
Meeresufer, gleiten dicht über das Wasser. Immer haben sie Beute im
Auge.

Der Strand ist ziemlich einsam und fast menschenleer. Nichts stört meine
innere tiefe Konzentration, die Gedanken in mir formt. Ich bin Teil des
Strandes, Teil des Meeres.

Sind wir Lebewesen nicht mal  zu Urzeiten dem Meer entstiegen. Diese
Theorie wird ja wissenschaftlich untermauert. Jesus ist Jahrtausende später
über den See Genezareth gelaufen, nach dem die früheren Meereswesen
ihre Kiemen und Flossen abgelegt haben, um an Land zu bleiben.

Das Meer ruft mich. Soll ich nun als Mensch wieder da hinein tauchen,
um in ihm zu verschwinden? Diese Frage beschäftigt mich. Wie wird die
Lösung aussehen?

03.07.2010           Norbert Wittke

 

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