Rüdiger Nazar

Pilgertour nach Campostela...Teil II.

 

 

 

 

Ja...es war einfach toll...und Gott sei Dank...endlich wieder in der freien Natur...

das hatte ich so lange vermisst. Meine Wölfin...Renate...war begeistert...ha...noch !

Nicht daß sie abgeneigt war...nein...es war Neuland für sie...draußen in der Natur schlafen...bei Wind und Wetter...! Alles machte ich sonst alleine wenn ich unterwegs war...alles ...brauchte nie Hilfe...war immer auf mich alleine gestellt...aber nun...eine wertvolle Hilfe...Renate...meine Wölfin. Natürlich gab es auch Meinungsverschiedenheiten...und nicht zu knapp... der Disput zog sich dann über Stunden hinaus...ich war es nicht gewohnt mir etwas sagen zu lassen...hatte immer selber entschieden...war es nicht gewohnt mir sagen zu lassen...nicht so...sondern so. Ich war eben mein Leben lang ein Einzelgänger...und bin immer gut gefahren damit. Aber nun war sie da...und ich akzeptierte es...auch sie hatte Erfahrungen und Vorstellungen..die ich einfach akzeptieren mußte. Nein...sie hatte nie einem Bär  gegenübergestanden wie ich...nie einen Wolf begegnet...ihn unterworfen in Anbetracht und Gefahr des eigenen Lebens...aber es war gut so...sie war da...und ich stellte mich auf ihre Wünsche und Belange ein. Sollte sie doch ihre eigenen Erfahrungen jetzt machen...wenn nicht jetzt ...wann denn ? 

Nach einem kurzem Streit war alles wieder gut...die Luft gereinigt und wir lachten darüber. Nein...es ist weiß Gott kein einfaches Leben auf der Strasse. Wir packten unsere Sache zusammen...bedankten uns beim Ort des Nachtlagers und der Natur für die freundliche Aufnahme und Übernachtung . Es ging jetzt weiter...die Sonne scheint unbarmherzig und brennt auf der Haut...die sich wie ein Nadelkissen anfühlt. Unsere Wanderstöcke..französisch...Buton...sind wertvolle Hilfen. Meinen habe ich mit einem Brandeisen beschriftet...alle Orte und Länder der Welt wo ich bisher war... sind darauf verewigt...der von Renate hat die Aufschrift...Espana...Santiago de Campostela...2010. Die Spitze des Stockes ist gespreizt...also eine Gabelung. Dazwischen habe ich eine Jacopsmuschels gesteckt...die ich vergoldet habe. Auch haben wir jeder hinten an unserem Rucksack eine riesige Jacopsmuschel befestigt...beschriftet mit unseren  Namensdaten...innen...und außen das Pilgerabzeichen des dreizehnten Jahrhunderts....ein Kreuz...an dessen drei Enden die Spitze gespalten ist...nur unten nicht...da läuft sie Spitze  zu wie ein Schwert. Viele kennen das Symbol...und unterwegs wurden wir darauf angesprochen . Nun gut...will mich nicht in Kleinigkeiten vertiefen...es ging nun weiter...einem kleinem Dorf entgegen...daß malerisch in der Gegend glänzte. Ja...ich liebe Frankreich und seine Dörfer...seine Städte...seine Wälder und Auen...und natürlich auch seine Bevölkerung...seine Menschen. Ja...natürlich gibt es auch hier unbequeme Zeitgenosen und Arschlöcher...aber wo bitte gibt es sie nicht ? Der kleine Ort hieß Levet...und lag direkt an der Landstrasse von blühenden gelben Feldern des Rabses....herrlichen grünen Feldern  und bunten laubbedeckten Wälden...so weit das Auge sehen konnte. Eine Pracht ohnesgleichen. Unsere Füsse qualmten und schmerzten...ich gab es ungern`zu...sie lief immer weiter...mutig ohne zu klagen.Kurz vor dem Ort warfen wir unsere unsagbar schweren Rucksäcke kraftlos in den Strassengraben...und machten eine Verschnaufspause...die so gut tat. Es ging mir durch den Kopf...was konnte ich los werden...damit mein Rucksack leichter und erträglicher wurde ? Ging in Gedanken das ganze Inventar durch...nichts...wir brauchten eigentlich alles...oder vielleicht doch nicht...es sollte alles anders kommen als geplant. Die Leder Riemen des Sackes hinterließen rote schmerzende Spuren auf meiner Schulter. Nach zehn Minuten zogen wir weiter in das Dorf hinein. In einem Office de Tabac tranken wir erst einaml einen wohltuenden Kaffee Ole...also mit Milch...Le...wie der Franzose sagt...und hinterher eine Cola für den Durst. Es waren nette Menschen anwesend...alle natürlich neugierig wo es hin ging und was wir vor hatten. Und so erzählte ich wieder und wieder meine Geschichte und wer wir waren und was wir vorhatten. Ok...der Wirt war nicht ganz Koscher...und witterte ein Geschäft...da wir ja Ausländer waren...und wie er meinte...wir oder ich nicht der französischen Sprache mächtig wären. Das Resultat...zwei Kaffee und zwei Cola...11,10 Euro....mir fielen die Lider runter. Normal sagte er...Bistro ! Ok sagte ich...wir brauchen aber noch einen Liter Le...also Milch .Pat Problem sagte er...3.00 Euro. Verdammt...was ein Halsabschneider...aber wir brauchten die Milch...und so bezahlte ich. Als wir gingen...wurden unsere Hände von drei weiblichen Gasthauskundinnen geküsst...und sie machten uns das Zeichen des Kruzifixes auf der Stirn...bitte betet für uns am Grab des heiliges Jacobus in Campostela...wir versprachen es....und gingen des Weges. Durch die kurze Rast einer Stunde kamen uns die Rucksäcke wesentlich leichter vor...was ein Trugschluss war... das merkten wir bald nach einigen Kilometern. Schritt für Schritt verließen wir diesen Ort stampfend...der Staub wirbelte auf und klebte an unserer Haut. Die Sonne stand sehr hoch im Zenit. Das letzte Haus im Ort...oder vielmehr Gebäude...war die Post...le Poste. Hier holten wir uns einen Durchgangsstempel...! Von der Bruderschaft Jacobus in Aachen hatten wir unseren ersten Stempel bekommen...der in unserem Pilgerausweis war. Credencial del Peregrine...Certification de Paso  . Dieser mußte...oder sollte in jedem Ort in dem man durch kam...abgestempelt werden. Leider klappte es nicht immer so reibungslos. Normalerweise waren es kirchliche Stempel die man bekam...aber meistens waren die Kirchen geschlossen wenn wir den Ort passierten...und ein Geistlicher war nicht aufzutreiben...so das wir uns mit staatlichen oder amtlichen Stempeln zufrieden geben mußten. Aber hauptsache einen Stempel...der Nachwies...das wir unterwegs waren. Schöne vernünftige...bildlich phantastische Stempel gab es erst ab Le Puy...dem Sammelort der Pilger...die alle Richtung Santiago de Campostele gingen...aber bis dahin war es noch weit für uns. Wir verließen den Oet...schweren Schrittes...unzählige Autos hupten und die  Insassen winkten freundlich. Renate übernahm die Führung auf der Hauptstrasse...was ich begrüßte...tapfer marschierend...Fuss vor Fuss...auch ihr Rucksack war so verdammt schwer...viel zu schwer für eine Frau und für eine solche Strecke von nahezu 2000 Kilometern. Aber nein sagte sie...alles in Ordnung...es geht schon. Ich lief in einem Abstand von einem Meter hinter ihr her...und sah sie ab und zu schwanken...sie tat mir leid...aber stieg unendlich in meiner Achtung. Sie liebte so wie ich die Natur...und hier war wahrlich genug davon. Blühende Felder und Wiesen im Überfluss...eine absolut bezaubernde Flora...und Fauna...! Oh sagte sieh...sieh mal. Links im Stassengraben lag ein verendeter Fuchs...keine Verletzungen...kein Blut zu sehen...vermutlich innere Verletzungen die zumTode führten...durch ein Auto. Er sah schön...friedlich und schlafend aus...eine Pfote unterm Kopf...so als wenn er ruhen würde.Weiter ging es...unsere Stöcke klackten im Rhytmus auf den Boden...Klick Klack...Klick-Klack...immer weiter und weiter. Eigentlich ein beruhigendes Geräusch...man wußte daß der andere noch da war.

Schreibe morgen weiter...so viele Eindrücke die ich erzählen möchte...schlaft gut meine lieben...bis dann...eurer Rudevicus.

 

 

Bitte verzeiht mir...habe so viele Gedichte von euch gelesen die ich noch nicht kommentieren konnte. Verspreche...hole alles nach.  Rüdiger

 

 

 

 

 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 05.07.2010. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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