Christine Wolny

ES GIBT DOCH NICHTS, WAS ES NICHT GIBT

 

ZÄHNE  IN DER WASCHMASCHINE

 

Bei der Hitze braucht man viel Wäsche. Handtücher, alles ist feucht und gebraucht und riecht nicht mehr gut.

Mein Geruchssinn meldet sich.

Frisch gewaschen wäre doch schön. Schnell in die Waschmaschine. Es trocknet in kürzester Zeit.

Ich suche einige Wäschestücke zusammen. Schließlich soll die Maschine voll werden.

Da noch ein paar Handtücher, Geschirrtücher, Waschlappen. Auf der Fensterbank im Bad liegt einer, der gar nicht mehr gut riecht.

 

Ich schnappe alles, was herum liegt, bekomme im Nu einen ganzen Arm voll zusammen.

Die Maschine ist richtig voll geworden, denn auch auf dem Boden liegt noch genug getragene Kleidung herum.

 

60 Grad, das gute Persil dazu, und los geht es.

Meine Schwiegertochter ist gerade mit ihrem Mann und der Kleinen einkaufen. Die Zeit kann ich mit Sinnvollem füllen.

Dann mache ich mich in der Küche nützlich.

Plötzlich höre ich ein leichtes Geräusch,  das sich wie ein Knopf anhört, der an eine Glastür schlägt. KLACK, KLACK, KLACK.

Es kommt aus dem Bad..

Ich schaue nach und o Schreck.  Das darf doch nicht sein.

Durch das Glas der Waschmaschinentür  lachen mir ein paar Zähne ohne Mund entgegen. Gott, wie konnte das passieren?

Die waren wohl im nassen Waschlappen eingewickelt und haben sich vor Schreck  befreit.

Sofort ziehe ich den Stecker, damit die Trommel still steht. Ich stelle das Waschprogramm auf 0, aber die Tür öffnet sich nicht nach der Sicherheitszeit.

Was soll ich machen?

Wie kriege ich die Zähne wieder raus?

Schweiß läuft mir die Stirn herunter.

Soll ich ein anderes Programm einstellen? Vielleicht auf Abpumpen stellen?

Doch damit kenne ich mich nicht genau aus, weiß nicht, ob die Trommel sich dabei dreht oder das Wasser nur abpumpt.

Also wieder Stecker raus und warten.

Wo bleibt denn meine Schwiegertochter so lange?

Ständig lausche ich nach dem mir bekannten Motorengeräusch.

 

In der Zwischenzeit jagen verschiedene Gedanken durch meinen Kopf.

Vielleicht rufe ich die Elektrofirma im Ort an. Ob die mir einen Tipp geben? Doch wie soll ich mein Missgeschick beschreiben?

Habe die Zähne in die Waschmaschine  getan. Wie kriege ich die wieder heil raus? Die lachen sich ja kaputt oder meinen, mir hätte die Hitze arg zugesetzt.

Möglicherweise wissen die einen Trick, wie man die Waschmaschinentür entriegeln kann.

Ich bin so aufgeregt, finde gar nicht die richtige Telefon Nummer.

Habe ich denn niemanden im Bekanntenkreis, der mir helfen kann?

Ich suche immer noch nach einer Elektrofirma im Telefonbuch.

Früher hieß die Firma ja anders,  jetzt haben die Jungen die Firma übernommen. Wie heißen die jetzt?

Während ich mir die Nummer notiere, höre ich das Auto kommen.

Ich stürze aus dem Haus, lasse meine Schwiegertochter gar nicht die nötige Zeit zum Auspacken, sondern  erzähle ihr von meinem Missgeschick.

„Weißt du, wie man die Maschine öffnet, wenn schon etwas Wasser eingelaufen ist und das Programm schon begonnen hat?“

Sie denkt kurz nach und hat einen Geistesblitz.

Sie schaltet die Maschine an, drückt auf den einen, dann auf einen anderen Knopf, und die vordere Tür der Maschine springt auf.

Es interessiert mich gar nicht, wie sie es geschafft hat.

Das ging so schnell, dass ich gar nicht genau gesehen habe, wo sie überall gedrückt hat.

Hauptsache, ich habe die Prothese mit den Zähnen wieder in der Hand.

Nicht auszudenken, wenn sie beschädigt worden wäre.

Ein Glück, dass man sie durch das Glas gesehen hat, denn sonst wäre sie wie die Wäsche mit 60 Grad gewaschen worden, hätte eine gute Stunde in der Maschine im Seifenwasser verbracht und anschließend mehrere Spül- und Schleudergänge aushalten müssen.

Ob dann die Zähne nicht einzeln in der Maschine gelegen hätten?

Nicht auszudenken.

Ich bin gottfroh, dass meine Schwiegertochter technisch so geschickt ist.

Ein Goldschatz.

© C.W.

 

 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 13.07.2010. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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