Charlette Warner

WettLust

Wer ist eigentlich auf diese bekloppte Idee gekommen?

Oh, genau. Das war ja ich.
Meine Güte, manchmal könnte ich mich echt für meine große Klappe verfluchen.

Dass ich mich auch immer so weit ausm Fenster lehnen muss.

“Ich krieg sie alle rum.” habe ich noch großmäulig von mir gegeben. Und wer musste das hörn? Genau, Ramona. Ausgerechnet die einzige Frau, die mir schon seit Jahren den Kopf verdreht hat und die ich einfach nicht geknackt kriege.

Bei den anderen kein Problem.
Ich sehe gut aus… Die Frauen stehen halt auf meine kurzen, hellbraunen Haare, die, leicht verwuschelt, zu allen Seiten abstehen, meine grauen, gro0en Augen… und auch mein Körper kann sich sehen lassen. Durch trainiert, aber nicht ZU trainiert. Genau richtig eben. Außerdem hab ich immer nen lockeren Spruch parat und eigentlich nie ein Problem was zum poppen zu finden.
Doch Ramona?
Bei der beiß ich immer wieder auf Granit.

Sie lässt nicht jeden ran. Klar, wers glaubt.
Ein Unschuldslamm ist DIE auch nicht. Die halbe Jahrgangsstufe hatte die schon in der Kiste. Einmal rauf und wieder runter. Und nur weil sie weiß, dass ich auf sie stehe macht sie einen auf Sperrgebiet. Anscheinend findet sie es besonders aufreizend umgarnt zu werden. Ausreichend Verehrer hat sie ja. Fast alle der Jungs stehen auf ihre langen Beine, ihre gewellten dunklen Haare und ihre himmelblauen Augen.

“Du kriegst also alle rum.” wiederholte sie meine Worte und stämmte die Hände in die Hüften, während sie mich mit ihren Augen fixierte.

Man war das peinlich.
Doch vor meinen Kumpels nen Rückzieher machen?
Niemals. Schließlich hab ich ja nen Ruf zu verlieren.

“Klar.” meinte ich, setzte mein Gewinnerlächeln auf und verschränkte die Arme vor der Brust.

Ein kurzer Blick an meinem Körper rauf und wieder runter und dann stand sie ganz dicht vor mir. So dicht, dass ich ihren warmen Atem an meinem Gesicht spüren konnte.

“Ich wette mit dir, dass du nicht den Mumm hast…”

Eine Weile hielt sie inne, blickte über ihre Schulter und deutete dann grinsend mit dem Daumen hinter sich. “Ich wette mit dir, dass du nicht den Mumm hast unseren Tommi da hinten zu verführen.”

“Ne jetzt?” fragte ich vollkommen perplex und starrte wie gebannt zu Tommi rüber, der gerade sein Fahrradschloss öffnete.

“Doch. Mein Ernst.” sagte sie und grinste mir weiterhin herausfordernd entgegen.

Echt, ich dachte, die macht Witze. Das konnte doch nur ein Witz sein. Wenn auch ein ziemlich bekloppter.

“Ne, das mach ich nicht.”
“Hosen voll? Du hast doch noch posaunt, dass du alle rum kriegst.” zog Ramona, samt ihrem Anhang Bea und Natti, mich von Neuem auf.

Ja, aber die Rede war von Frauen… Nicht von TYPEN!
Noch einmal sah ich zu Tommi rüber und musste hart schlucken.

“Und was krieg ich dafür?” ging ich zum Gegenangriff über.
“Hmm… Also, solltest du es tatsächlich schaffen, dann darfst du mit mir schlafen.”

Die Frau kannte echt keine Skrupel.

“Machs.” hörte ich auf einmal Cris und John mir grinsend ins Ohr flüstern.

War ja klar, dass DIE sofort Feuer und Flamme dafür waren. Boah ey…

Echt, hatten die jetzt alle ein Rad ab? Ich und DER? Niemals.

Ich wollte gerade den Kopf schütteln, da lieferte mir Ramona bereits einen Vorgeschmack auf das was mich erwarten könnte, würde ich es tatsächlich schaffen.

Ihr Becken presste sich aufreizend gegen das meine. Und als wäre sie die fleischgewordene Geilheit führte sie auch noch meine Hände direkt an ihren Hintern, während ihr Zunge die meine fordernd zu einem leidenschaftlichen Kampf herausforderte.

Immer und immer wieder rieb sie sich an mir, bis mir das Blut in die Körpermitte schoss und mein Körper ihr deutlich zeigte, dass ihm gefiel was sie tat.
Und wie es diesem gefiel. Hätte sie so weiter gemacht….

“Und was sagst du?” flüsterte sie verführerisch in mein Ohr, als sie sich wieder von gelöst hatte.

“Okay.”

Und noch bevor ich mir wirklich bewusst wurde was ich da soeben gesagt hatte, hielt Ramona mir auch schon die Hand hin und wartete darauf, dass ich auf unseren Deal einschlagen würde. Was ich dann auch tat.

Echt, ich muss von allen guten Geistern verlassen gewesen sein. Oder einfach nur verdammt spitz. Scheiß Trieb!

Als ich schließlich einschlug und noch ein letztes Mal zu Tommi rüber sah, der gerade mit seinem Fahrrad davon brauste, lief es mir kalt den Rücken runter.

Wie sollte ich DEN verführen, bitteschön?

Und genau das ist die Frage, die ich mir jetzt gerade stelle, während ich Tommi dabei beobachte, wie er an der Wand gelehnt da steht und dieses Buch liest.

Tommi und ich gehen schon seit der Unterstufe in ein und dieselbe Klasse. Aber gesprochen haben wir noch nie mit einander. Er ist eher ein Außenseiter. Still, verschlossen, schüchtern. Nicht gerade der Typ Mensch, mit dem ich mich normalerweise abgebe. Und freiwillig schon gar nicht.
Denn, gibt man sich erst einmal mit so jemandem ab, dann hat man gleich einen gewissen Ruf weg.

Nicht nur, dass Tommi ein Außenseiter ist… Nein, er ist obendrein auch noch der Einzige Schwule in der ganzen Klasse.

Wieso muss ich nur immer meine Klappe so weit aufreißen?

Okay.
Tief ein und wieder ausatmen.

Ich hab das schon hunderte Male gemacht.
Und DAS hier kann ja auch nicht anders sein, als sonst.

Einfach nen coolen Spruch reißen und ihn in ein lockeres Gespräch verwickeln. Der Rest würde sich sicherlich von selbst ergeben.

Oh Backe…

Mein Herz rast, meine Hände schwitzen und allgemein fühle ich mich so nervös wie noch nie.
Noch einmal straffe ich mich, fahre mir mit der Hand durch die Haare und schlendere dann möglichst lässig zu ihm rüber.

Als ich vor ihm stehe und gerade etwas sagen will, ist mein Hirn plötzlich wie leer gefegt. Hallo, Sam an Gehirn… Sag was, IRGENDWAS…

“Ähm… Was liest du da?”

Wie einfallsreich. Danke aber auch.

Langsam schiebt Tommi das Buch runter und sieht mir, den Kopf schief gelegt, aus skeptischen grünen Augen entgegen.

“Steht auf dem Buchtitel.” ist seine einzige Antwort, bevor er sich wieder diesem zuwendet und mich gekonnt ignoriert.

Okay, das war nix.
Dann eben Versuch Nummer zwei.

“Hi. Ich bin Sam.” stelle ich mich ihm vor, setze mein schönstes Lächeln auf und reiche Tommi die Hand hin.

Doch statt meine Begrüßung zu erwidern, sieht er wieder nur skeptisch zu mir auf, lässt seinen Blick einmal an meinem Körper runter und wieder hoch wandern, gefolgt von einem sachlichen: “Ich weiß.”

Eine Weile sehen wir einander stumm an.
Man, das kann doch nicht so schwer sein.

Als ich meinen Mund öffne um was zu sagen, fällt Tommi mir mit einem: “Was willst du eigentlich von mir?” ins nicht vorhandene Wort.
“Ähm… Ich… ich will dich einfach nur etwas besser kennen lernen.” stammle ich.

Was ist heute bloß mit meiner Stimme los? Die hört sich an wie die eines kleinen verschüchterten Mädchens.

“Sorry, kein Bedarf. Ich hab schon nen Freund.” entgegnet er, macht eine wegwischende Handbewegung und lässt mich dann einfach stehn.

DER lässt mich stehn. DER… TOMMI, der Außenseiter… lässt MICH stehn.
Und was soll die bekloppte Ausrede mit dem Freund?!

Oh Maaaaan.
Das wird doch schwerer werden, als gedacht….

 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 15.07.2010. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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