Ob ich mich wirklich so unpräzise ausdrücke, frage ich mich mitunter. Ganz besonders oft allerdings nach einem Friseurbesuch. Ich bin der Meinung, wenn ich immer wieder den gleichen Friseur aufsuche, habe ich auch immer wieder die gleiche Frisur. Da ich gerne einmal einen „neuen Kopf“ möchte, wechsele ich öfter. Diesmal hatte mir die Frisur einer Bekannten so gut gefallen, dass ich ihren Friseur aufsuchte. Mir dem Ergebnis, die Haare waren wesentlich kürzer als ich mir das vorgestellt hatte. Da die Haare sehr gut geschnitten waren, war es für mich in Ordnung.
Bei meinem nächsten Besuch in diesem Salon hatte die Dame, die mich bediente hatte, einen freien Tag. Nun war ich einmal da und wollte meine Haare geschnitten haben. Außerdem wollte ich ein paar blonde Strähnen, auf Neudeutsch Highlights. Nun ist blond ja ein dehnbarer Begriff. „Schon sehr hell?“ fragte die Friseuse. Sie fing an Strähnen abzuteilen, einzupinseln und in Alufolie zu wickeln. Als ich das Ergebnis sah, war ich sehr erschrocken. „Das ist aber sehr blond“, befand ich. „Ich finde es gut“, meinte die Friseuse. Was hätte sie sonst sagen können?
Als sie mit dem Schneiden und Fönen fertig war, griff zur Effilierschere. Von meinem blonden Spiegelbild offensichtlich fassungslos, bot ich keinen Einhalt. Nachdem sie eine Weile mit dieser Schere gewerkelte hatte, zupfte sie die Haare mit Gel in Form. So merkte ich erst, als ich meine Haare selbst gewaschen und gefönt hatte, dass ich über den Ohren „Löcher“ hatte. Nicht nur Löcher, die Haare waren auch wesentlich dunkler, da die hellblonden Stellen fehlten. Ich war unglücklich. Als mein Mann mir am Esstisch gegenüber saß, schaute er mich an und bat: „Lass dir die Haare über den Ohren nicht mehr so kurz schneiden. Du siehst aus, als hätte man dich mir der Haarschneidemaschine traktiert.“ Mein Schwager pflegt in solchen Fällen zu fragen: „Bei welchem Friseur warst du?“ Um dann fortzufahren: „Ich weiß einen guten Anwalt, den Prozess gewinnst du!“
Die Haare wuschen langsam nach - sehr langsam. Im selben Maße wie sie wuchsen, wurde ein dunkler Haaransatz sichtbar, der bei meinem jetzt hellblondem Haar besonders auffiel. Einige braune Strähnen würden diesen krassen Unterschied mildern. Nun war die Frage: Wer macht mir ein paar braune Strähnen, ohne mir auch gleich einen Haarschnitt zu verpassen. Wie das Leben so spielt, entdeckte ich eine Friseurkette, die einen alteingesessenen Laden übernommen hatte. Als ich eintrat, war nur eine Kundin anwesend, die eben frisiert wurde. Keine Wartezeit, das war mir sehr angenehm. Nach dem ich mein Anliegen vorgetragen hatte, meinte die Friseuse: „Die Haare sind ja sehr kurz.“
Es folgte die übliche Prozedur, Strähnen abtrennen, einpinseln und mit Alufolie umwickeln. Für die Einwirkzeit wurde ich mit Zeitungen eingedeckt. Ich vertiefte mich in die Regenbogenpresse und informierte mich über die Probleme und Nöte des Europäischen Adels. Ein Mann in einen Arbeitsoverall betrat den Salon. Er hätte eine Stunde Zeit, ob das ausreichen würde ihm die Haare zu waschen und zu schneiden. Kaum war er „in Arbeit“, fing er an zu erzählen. Notgedrungen hörte ich zu. Er berichtete über seine Urlaubspläne und dass er seine Katze mitnehmen würde. Je länger er redete, um so mehr kam ich zur Überzeugung, das könnte ich nicht. Ich würde mich fragen, interessiert die Friseuse das wirklich? Vor allen Dingen, wenn jeder Kunde ihr eine Geschichte erzählt, hat sie abends nicht einen quadratischen Kopf? Vielleicht ist es ja ein Teil der Ausbildung, mit jedem Kunden ein Gespräch zu führen und sich die Sorgen anzuhören. Oder – sie ist der Meinung, der Tag vergeht schneller, wenn der Kunde erzählt. Dann sind so Gesprächsmuffel wie ich vielleicht nicht gerne gesehen?
Mit einigem guten Willen könnte ich ja meinem viel zu kurz geratenem Haar etwas Positives abgewinnen. Immerhin habe ich nun seit 9 Wochen keinen Haarschnitt mehr gebraucht und eine Menge Geld gespart. Aber zu welchem Preis? Wochenlang war ich unglücklich über meine Frisur, da bezahle ich doch lieber alle 4 – 6 Wochen einen Haarschnitt.
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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 23.07.2010.
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