Ina Klutzkewitz

.....sich neu entdecken...



.....sich neu entdecken....



Mein Gott, ist das lange her, unser letztes Klassentreffen. Na ja, erst knapp 4 Jahre, aber es kommt
mir wie eine Ewigkeit vor.
Du konntest damals leider nicht dabei sein. Warum eigentlich? Hatte denn niemand deine Adresse
und Telefonnummer? Sehr schade. Dabei wohnen wir nur einen Steinwurf voneinander entfernt.
Konnte ja keiner ahnen. Das ist wohl Schicksal. Aber im nächsten Jahr könnte es wieder klappen.
Dann sind wir 35 Jahre aus der Schule raus. Wahnsinn!!!
Die Meisten waren immer dabei. Einige haben sich kaum verändert, ein paar schon. Zum Vor-oder
Nachteil. Das Leben prägt. Fast alle haben Familie. Leider Gottes, sind auch viele von ihnen schon
wieder geschieden, genau wie wir.
Aber das ist gar nicht das eigentliche Thema, es geht hier ausschliesslich um U N S !!!
Und wäre ich nicht so oft umgezogen, wäre es wahrscheinlich gaaaanz anders gekommen.


So kam es dann, dass ich in das Haus zog, in dem deine Mutter wohnt. Welch Zufall, aber ein ganz
angenehmer. So kannte ich wenigstens schonmal jemanden. Und so nahm alles seinen Lauf.

3 Jahre wohne ich nun hier und habe dich natürlich öfter gesehen, durch das Küchenfenster, wenn Du deine Mutter besuchst. Jeden Dienstag frühstückt ihr zusammen, wie schön.
Sicher haben wir uns auch mal auf der Strasse oder beim Einkaufen getroffen, aber mehr als ein
" Hallo, wie geht`s ", kam da nie. Warum nur? Ist schon ein komisches Gefühl. Da kennt man sich
schon ewig und hat sich nicht mehr zu sagen? Doch das sollte sich bald ändern.
Letztens ist dann wohl der Knoten geplatzt. Wäre ja auch blöd gewesen, dauernd aneinander vorbeizurennen. 3 Jahre lang!!!.
Wie jeden Dienstag, warst Du also wieder bei Mama. Ich habe dich nicht gesehen, aber gehört, im Treppenhaus. Tja und dann die grosse Überraschung. Als ich die Post reinholen wollte, fand ich
einen Zettel im Briefkasten. Fremde Handschrift, kaum zu entziffern. Doch dann las ich deinen
Namen. Rüdiger!  Da hattest Du doch tatsächlich allen Mut zusammengenommen und wolltest mich auf einen Kaffee einladen. Upps, was war denn nun los?  Auf dem kleinen Blatt  Papier stand
noch deine Telefonnummer und das ich mich bei dir melden sollte, wann es mir passen würde.
Du hattest meine Nummer ja nicht. Ich war verwirrt und erfreut zugleich.
Kannte ich dich doch als eher schüchternen und zurückhaltenden Menschen. So kann man sich
täuschen. Habe lange überlegt, ob ich dich anrufen soll. Aber warum eigentlich nicht, was hatte ich schon zu verlieren? Bist ja ein netter Kerl. Also, ran an den Hörer. Ein wenig aufgeregt war ich
schon.
" Hallo Rüdiger, hier ist Ina" sagte ich mit mit leicht zittriger Stimme. " Vielen Dank für  deine nette Nachricht, ich bin etwas überrascht, aber ich freue mich auch sehr. Hätte nie damit gerechnet."  Und so verabredeten wir uns zum Kaffee trinken. D.h., nicht nur.
Er kam auf die wahnwitzige Idee, Schwimmem gehen zu wollen. Schluck!!! Gott sei Dank nicht im
Freibad, sondern bei seiner Schwester, im Garten. Die wäre gerade in Urlaub und er würde dort
regelmässig nach dem Rechten schauen. Na toll, das hatte er ja geschickt eingefädelt. Erstmal
sehen, was sie zu bieten hat und dann auf Angriff gehen. Raffiniert! Nun brauchte ich erstmal einen neuen Badeanzug, um mich halbwegs vernünftig zu " präsentieren ".
O.K. sagte ich mir, da musst Du jetzt durch. Die " Rettungsringe " gut verpackt und mit trotzdem
etwas mulmigem Gefühl, fuhren wir die 3 Kilometer mit dem Rad. Tolles Haus, toller Pool, alles
perfekt, bis auf meine Figur. Was kommt jetzt? dachte ich, aber nichts. Na ja, der Schlankste ist er
ja auh nicht. Es war herrlich im Wasser. Wir drehten ein paar Runden, sprachen über Dies und Das, lachten viel und hatten Spass. Was will man(n) mehr?  Draussen fragte ich ihn dann, ob er sich das " Elend " denn mit ansehen konnte? " Welches Elend?," meinte er. " Na mich" sagte ich.
" Wieso Elend? Ist doch alles in Ordnung." Mir fiel ein riesiger Stein vom Herzen. Er wiederholte
dann mehrfach, dass er mich so mag, wie ich bin. Sollte ich das glauben? Jaaaaa!!!
Wieder zu Hause, verabredeten wir uns für ein nächstes Treffen und ich bekam eine Einladung zu
seinem Geburtstag, am folgenden Sonntag. Super, was jetzt? Er lebte ja allein. D.h. nicht ganz.
Eine seiner Töchter wohnt bei ihm und sie ist nur eins von 6 Kindern. Fleissig Rüdiger! Egal.
Jedenfalls sollten die alle kommen, noch dazu mit Freund oder Freundin. In die kleine Wohnung?
Dann noch seine Mutter, oh ha. Sollte ich mir das antun? Seine 3 Geschwister mit Partnern kamen
dann Gott sei Dank nicht auch noch. Na gut, Augen zu und durch. War am Ende alles halb so schlimm. Die Wohnung war sauber und ordentlich. Hatte ja die Vermutung, dass die Kids mich nicht mögen würden. Aber das Gegenteil war der Fall. Ich wurde sehr freundlich aufgenommen.
Ich hatte für Rüdiger ein ganz persöliches Gedicht geschrieben und noch einen Gutschein gebastelt. Er hatte fast Tränen in den Augen, so gerührt war er. Als er mich am nächsten Tag anrief, meinte er, ich wäre sein schönstes Geburtstagsgeschenk gewesen, also meine Anwesendheit. Total süss. 3 tage später löste er seinen Gutschein ein. Wir gingen Eis essen und
machten anschliessend einen langen Spaziergang. Wir setzten uns auf eine Bank und dann
sprudelte es nur so aus ihm heraus.
Wir redeten über unsere Ex-Partner, wie wir unsere Scheidung er- und überlebt haben, unsere
Kinder, da war er klar im Vorteil, ich habe nur 2, über frühere und jetzige Arbeit, Krankheiten, die
wir überstanden hatten und, und, und. Uns viel immer noch mehr ein. Und Rüdiger strahlte über
das ganze Gesicht. Das hatte uns beiden sehr gut getan. So saßen wir wohl 1,5 Stunden da, auf der Bank, am Wasser. Es war so schön ruhig und unheimlich romantisch. Während unserer
Gespräche legte er ganz sanft seine Hand auf meine Schulter oder streichelte meinen Arm. Das war sehr angenehm. Dann fing es an zu regnen und wir suchten Zuflucht in einem nahegelegenen
Biergarten. Da saßen wir dann bestimmt auch nochmal eine gute Stunde. Wir waren total entspannt, es gab keine Berührungsängste mehr, keine Tabuthemen, so als wäre es nie anders gewesen. Einfach total befreiend. Wir fühlten uns pudelwohl. Dieses Gefühl hatten wir beide schon lange nicht mehr. Rüdiger nahm ein paarmal meine Hände und wollte sie gar nicht mehr loslassen. Er hat übrigens sehr gepflegte Hände. Klein, aber warm und weich. Sehr angenehm.
Er beteuerte mir immer wieder, wie sehr er mich mag und wie doll er sich freut, dass wir uns so gut verstehen. Beim  nach Hause bringen nahm er mich in den Arm und bedankte sich für den schönen Tag.
Das hätten wir alles schon viel früher haben können. Immerhin war Rüdiger schon fast 11 Jahre
alleine und ich 8. Ohne einen Partner gehabt zu haben, in der ganzen Zeit. Wahnsinn!!!
So hat uns das Schicksal zusammengeführt und jehnachdem, was die Zeit bringt, wird es vielleicht
nicht mehr lange nur beim Kaffee trinken bleiben. Wir mögen uns schon sehr. Warten wir mal,
was die Zukunft bringt und noch alles mit uns vorhat. Eigentlich kann da nicht mehr ganz viel schief gehen.
Bleiben wir gespannt....... Happy End?


Fortsetzung folgt....







 


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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 25.07.2010. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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