Heidi Schmitt-Lermann

Abenteuerreise nach Marokko 4


Willkommen beim 4. Reisebericht.



Wir fuhren wieder los und kamen nach Meknés. Die Stadt liegt am Fuße des mittleren Atlasgebirges. Gründer war ein Berberstamm, die Miknasa, welche den Ort besiedelten. Meknès und Fez traten ihren Titel "Hauptstadt" immer wieder einander gegenseitig ab. Meknés ist Zentrum des Obst - und Gemüsebaus. Dort ist ein wichtiger Umschlagpunkt für Landwirtschaft, Handel und Handwerk. Die Souks von Meknés gehören zu den schönsten des Landes. Der bedeutendste Bau der Medina (Altstadt) ist die Koranschule Medersa Bou Inaria aus der Zeit der Meriniden. Prächtig ist das Grab des Mouley Ismael. Der weiße Sarkophag ist flankiert von zwei barocken Standuhren, die ein Geschenk des französischen Sonnenkönigs, Ludwig XIV waren.

Mir fielen die vielen kleinen Kühe auf, welche hier landwirtschaftlich gehalten wurden. Sie waren viel kleiner, als unser Hornvieh. Die vielen Lastwägen, welche die Hauptplätze passierten, stanken unerträglich nach schlechtem Diesel oder war es gar Heizöl? Mir wurde immer ganz übel davon. Überhaupt ist der Geruchspegel in Marokko wirklich nichts für empfindliche Nasen.

Apropo Geruchspegel, es tat mir leid, dass wir nichts Anstrengendes unternehmen konnten, weil ich immer noch nicht in Ordnung war. Die Einnahme der Tabletten, welche diesen phänomenalen Durchfall gestoppt hatten, verursachten jetzt eine klassische Verstopfung, die sehr unangenehm war. Jetzt litt ich nämlich unter fulminanten Blähungen (in Medizinchinesisch heißt das Meteorismus). Nachts war der Aufenthalt im Auto eine Qual, weil wehende Winde zurückzuhalten, damit die anderen im Auto keinen Kulturschock bekamen, doch schon übermenschliche Anstrengung bedingten. So legte ich mich draußen auf die Felsen. Dort hoffte ich inbrünstig keinem Skopionen oder Vipern zu begegnen. Mir ist auch wirklich nichts passiert, obwohl ich keineswegs sicher war, ob nicht räuberische Menschen, die es ja schließlich auch gab, Marokko ist arm, mich im Schlaf überraschen könnten.

Nun fuhren wir weiter in Richtung Marrakesch. Am Oned Oum er Rbia liegt der Marktort Kashbah Tadla. Dort gibt es imposante Ruinen einer ehemaligen Festung. Natürlich schuf auch diese Kashbah Moulay Ismael, eine der größten des Landes. Er schuf sie im 17. Jahrhundert zum Schutz vor den Berberstämmen des Mittleren Atlas. Innerhalb der großen Lehmanlage lagen zwei Moscheen und der ehemalige Gouverneurspalast. Beides durften wir nicht betreten.

Dann erreichten wir Marrakesch. Zuerst fiel eine unendlich lange (12 Kilometer) Stadtmauer auf, mit elf Toren. Natürlich gingen wir durch das bekannteste Tor, das Bab Aguenaou, das schönste Tor. Ich kann gar nicht wirklich ausdrücken mit wieviel künstlerischem und geduldigem Einvermögen diese wunderschönen Kacheln bearbeitet sind, allein für das Haupttor, einfach wunderbar. Dort kommt man unweigerlich auf den "Platz der Geköpften". Diesen kann man auch viel schöner "den Platz der Gewürze" nennen. Es gibt dort alles, was das exotische Herz begehrt. Als da sind die auffallend bunten Wasserträger mit ihren Glöckchen-Hüten, Schlangenbeschwörer, Geschichtenerzähler, Gaukler, Akrobaten und Bauchladenverkäufer. Es gibt Bäcker und Köche, welche auf kleinen Öfen und Pfannen Fladenbrote backten oder Gebratenes kochten. Dann standen dort so eine Art Flohmarkthändler und Nepper, Schlepper, Bauernfänger natürlich auch.

Viele, viele, bildhübsche, zerlumpte Kinder, welche dich um ein "Backschisch" anbettelten, liefen herum. Das war, jedenfalls in unserer damaligen Unternehmung, ein wirkliches Problem. Überall, aber auch wirklich überall stehen bettelnde KInder, die einem, auch bei ehrlichem Mitgefühl, die Reise durch ihre Penetranz verleiden konnten. Wenn da zufällig nur ein Kind stand und man gab ihm etwas, wuchsen in Blitzgeschwindigkeit 40 andere aus dem Nichts, wie Pilze aus dem Boden. Wenn du resigniert von der Übermacht und dem bitteren Bewusstsein, dass dein Geldbeutel einem ständigem Gebeuteltwerden nicht standhält, die Flucht ergreifst, rennen sie dir brüllend hinterher. Da half nur rasches Fersengeld und die traurige Einsicht, dass du etwas zu geben gar nicht erst anfangen darfst. Der Verdacht der organiesierten Bettelei kam uns damals noch nicht.

Marrakesch ist die Stadt der Moscheen, Paläste und Museen. Die bekannteste Moschee ist die Koutoubia, bekannt wegen ihres wunderschönen Minaretts. Hineingehen durfte man natürlich nicht, deshalb konnten wir auch die berühmten Langschiffe mit ihrem feinsten Stuck nicht sehen. Die Moschee Ben Youssef mit Gebetssschule ist die größte, islamisch-theologische Hochschule des Maghreb. Bis zu 900 Studenten sind dort untergebracht.

Dann gibt es den Bahia Palast des Großwesirs. Wunderbare Zedernholzschnitzereien und bunte Blumen schmücken die Innenhöfe. Der orientalische Prachtbau besteht aus 160 Räumen. Nun kann man sich seine Größe vorstellen.
Vom Palast er Badi sieht man nur noch die monumentalen Lehmmauern.

Da unsere Zeit knapp bemesssen war, sahen wir uns  nur noch den "Kamelmarkt " an. Im Viertel Douar Laaskar, außerhalb der Stadt treffen sich die Männer um ihre Tiere feilzubieten. Meistens sind es Esel und Pferde. Kamele, in Marokko gibt es nur Dromedare, gab es nur äußert selten. Tiere haben es in diesem so gottesgläubigen Land sehr schwer. Die kleinen Eselchen sind überladen, bis zu drei Meter hoch, mit Waren. Sie sehen immer erschöpft und müde aus und schauen stumpf vor sich hin. Als ich einmal sah, dass ein Bauer einem Esel mit einer 20 Zentimeter langen Nadel in das Hinterteil stach, um ihn auf Trab zu bringen, bin ich fast ausgerastet. Meine Reisekameraden mussten mich festhalten, damit ich diesem Tierquäler nicht an die dünne Gurgel ging.
"Um Gottes Willen, Heidi, du bist hier Gast, eine Frau und auch noch eine Ungläubige. Du verschwindest in der Versenkung, wenn du dich hier so aufführst. Du bist hier gar nichts!" raunten sie mir ins Ohr. Dafür, dass ein reicher Händler zuvor auf dem Markt 5000 Kamele für dieses "Nichts" geboten hatte, war das doch eine deprimierende Aussage.

Der Bauer beobachtete mich auch finsteren, arroganten Blickes, das in mir das tiefste Mitgefühl für die armen Frauen des Islams und die bedauernswerten Tiere des Landes auslöste. Es tat mir leid, aber in diesem besonderen Moment hatte ich so einen Hass gegen diesen überheblichen, grausamen, unermesslichen Egoismus dieser aufgeblasenen, arabischen Paschas, dass ich am Liebsten stehenden Fußes dieses Land verlassen hätte. Wenn ich daran dachte, dass es noch nicht lange her war, dass man Frauen als seelenlose Subjekte verkaufte, die ihrem Gebieter zu gehorchen hatten. Dass noch so ein kleines, dürres Zwetschgenmanderl zu einer Frau nur "Yallah" sagen brauchte, dann musste sie gehen. Bei dem Gedanken, dass die ursprüngliche Familie, zu der sie zurückkehrte, sie aber auch nicht gerne wieder aufnahm, konnte es einem schon schlecht werden. Dass es da noch nie einen Großaufstand der Frauen gab, wunderte mich. Aber ich musste schon bei meiner Gruppe bleiben, denn mitgehangen war mitgefangen, alleine wäre ich damals sicher nicht zurückgekommen. Für mich waren, aber solche Länder zu besuchen, eine absolute Überwindung. Nach den Studien des Korans habe ich keine Stelle gefunden, in denen Mohammed die Gäubigen dazu aufgefordert hätte die Frauen zu diskreditieren. Diese hochwohllöbliche Behandlung ihrer Frauen ist den Herren der islamischen Schöpfung ganz alleine, ganz ohne Religion, eingefallen.

Immer, wenn wir abends unterwegs waren, hatten wir Poizeikontrollen am Hals. Immer wurden wir genausetens untersucht und immer dauerte es über eine Stunde bis wir wieder fahren konnten. Das war sehr unangenehm. So kamen wir auch dieses Mal erst nachts durch das schöne, hochgelegene Quarzazate kommend, in Erfoud an. Zur späten Stunde waren wir froh noch ein Quartier zu bekommen. Todmüde sanken wir in die Betten und schliefen sofort ein. Erst am nächsten Tag entdeckten wir die Kakerlaken und Silberfischchen in unserem Badezimmer. Angewiedert veließen wir die Stätte unseres Ekels und sahen uns die ehemalige Militärstadt der Franzosen an. Sie ist auch die Stadt der Berber. Einige Filme sind hier gedreht worden und die Lederwaren von Erfoud sind weltbweit bekannt. Auch Fossilien wurden hier gefunden und verkauft.

Man konnte fantastische Ausflüge in die Sahara machen. Es gibt Wüstengebiete in denen die Dünen 100 Meter hoch sind. Solch einen Ausflug unternahmen auch wir.




Fortsetzung folgt. 


 

Also nach dem vierten Teil, gibt es nur noch einen fünften, der es aber in sich hat. Da wird es wieder spannend. Wenn ihr Lust habt, könnt ihr im ersten Teil noch einmal ein Bild aus damaliger Zeit von mir sehen. Der Jörg hat es hineingeladen.Heidi Schmitt-Lermann, Anmerkung zur Geschichte

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 27.07.2010. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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