Mareike Kröger

Kapitän Knut und das verwunschene Unterseelabyrinth

Vor langer, langer Zeit lebte ein alter armer Kapitän, mitten im Meer auf einer kleinen Insel in seiner Holzhütte. Er besaß ein 50 Jahre altes Schiff, das langsam der Zeit zum Opfer fiel und brüchig wurde.
 
Seine Frau war seit Jahren tot. Aber er hatte eine Tochter namens Kathrina, mit der er zerstritten war. Sie lebte seit dem Streit auf dem Festland jenseits des Meeres. Kapitän Knut hatte ein schlechtes Gewissen ihr gegenüber und wollte sich mit ihr versöhnen.
 
Eines Tages packte Knut seine Sachen auf sein Schiff und fuhr los zum Festland. Nachdem er eine zeitlang gefahren war, entdeckte er am Horizont in weiter Ferne das Festland. Es fing schon an zu dämmern, als ein furchtbares Tosen ertönte. Vor dem Schiff entstand ein tiefer Strudel, aus dem langsam und majestätisch eine riesige schreckliche Gestalt auftauchte. Der gefürchtete und verfluchte Seekönig, der ein sagenumwobenes Unterseelabyrinth besaß!!
Der Seekönig rief mit seinem Siebenzack seine zwölf Gefährten, die das Schiff zerstörten.
Danach verschwanden der Seekönig und seine Gefährten im Nebel, während Kapitän Knut hilflos im Wasser trieb.
 
Nach kurzer Zeit wurde der Kapitän bewusstlos. Am nächsten Morgen wachte er am Strand auf und erinnerte sich dunkel daran, dass ein Delfin aus dem Meer aufgetaucht war und ihn gerettet hatte.
 
Am ganzen Strand lagen die Bruchstücke seines Schiffes und er verbrachte den ganzen Tag damit, die Einzelteile zusammen zu suchen und sein Schiff  zu reparieren.
 
Aber am Ende des Tages stellte er fest, dass das Schiff nicht mehr zu retten war. So ging er traurig und verzweifelt zu seiner Hütte und legte sich schlafen.
 
Mitten in der Nacht wachte Knut von einem Geräusch auf und lauschte aufmerksam. Er erkannte das Geräusch als Hammerschläge.
Kapitän Knut ging nach draußen, um nachzuschauen, doch er konnte nur einen Schatten sehen, da der Nebel zu dicht war.
 
Er konnte so gerade erkennen, dass der Schatten das Schiff reparierte. Er dachte, dass er träumte, ging in die Hütte und legte sich wieder schlafen.
 
Am nächsten Morgen sah er, das sein Schiff repariert war. Er begutachtete das Schiff und sah, dass es besser als je zuvor war. Er packte seine über gebliebenen Sachen und lagerte sie in seinem Schiff. Als er auf sein Schiff gegangen war, warf er noch einen letzten Blick auf seine Hütte.
Er setzte die Segel und stach in See.
 Er war sich sicher, dass er alles riskieren musste, wenn er seine Tochter wieder sehen wollte. Nach einiger Zeit kam er zu der Stelle, wo er den Seekönig das letzte Mal traf. Sofort setzte das Tosen ein und der riesige Strudel entstand, aus dem der Seekönig emporstieg. Der Seekönig brüllte: „ Du wagst es, mich noch mal zu stören? Diesmal vernichte ich dich ganz!“ und erhob sein Siebenzack und rief wieder seine 12 Gefährten. Kapitän Knut schloss schon mit seinem Leben ab, als eine Stimme aus dem Hintergrund ertönte: „Halte ein, Herrscher des Meeres, ich habe dir einen Vorschlag zu machen!“ Der Seekönig und der alte Kapitän sahen sich irritiert um. Der Seekönig antwortete mit lauter Stimme: „ Wer bist du? Und was für einen Vorschlag hast du mir zu unterbreiten?“
Die Stimme sprach wieder aus dem Nichts: „Ich bin der Geist des Schiffes und der Vorschlag lautet: Du kennst die Rechte, die jeder Seefahrer hat. Das Recht, dein Unterseelabyrinth herauszufordern!“
Der Seekönig brach in schauderndes Lachen aus und brüllte: „ Niemand, der je das Labyrinth betrat, kehrte je wieder zurück. Es ist noch niemanden gelungen, mein Labyrinth zu bezwingen“. Der Geist des Schiffes erwiderte mit fester Stimme: „Trotzdem hat er das Recht, es zu versuchen. Also öffne das Tor zum Unterseelabyrinth!“
 
Der Seekönig nickte hochmütig und reckte seinen Siebenzack in die Höhe und rief diesen Zauberspruch gen Himmel:
 
„Hoch auf See
O weh o weh.
Niemand hat es je gesehen
doch es ist schon oft geschehen,
dass ein Garten aus den Wellen
eng umwunden von den Schnellen.
Doch gib Acht, der Tod kommt leise
auf ungeheuere Weise“.
 
Der Seekönig verstummte und ein gewaltiger Sog zog das Schiff unter die Oberfläche. Die Wellen schlugen über den Mast zusammen, aber der Kapitän merkte, dass er mit Hilfe des magischen Schiffes atmen konnte. Unter dem Schiff erstreckte sich eine zerklüftete Felslandschaft, die sich langsam zu Mauern formte.
 
Der Kapitän schaute ehrfürchtig auf die Mauern und vor ihm schoss ein riesiges Tor empor. Der Geist des Schiffes sprach wieder: „Hier sind die Tore des Unterseelabyrinths und die Aufgabe muss du bestehen, um zu deiner Tochter zu gelangen.“
 
Knut schaute sich verwirrt um und fragte die Stimme: „Woher kennst du meine Tochter? Und wieso hilfst du mir?“
 
Die Stimme antwortete:“ Ich wache schon seit Generationen über deine Familie. Du hast mich immer gut behandelt und nun wird es Zeit, dass ich es dir zurückgebe. Ich werde dich sicher durch dieses Labyrinth steuern. Vertrau mir.“
 
Der Kapitän nickte und ging zum Heck des Schiffes. Die Tore des Irrgarten öffneten sich langsam und vor dem Schiff bereitet sich ein schwarzer Gang aus. Das Schiff setzte sich von allein in Bewegung und steuerte langsam in die Dunkelheit. Kapitän Knut war nervös, aber er hatte keine Angst, da er dem Schiff vertraute. Der Geist lenkte das Schiff durch zahllose Gänge hindurch, aber er war sich seines Weges die ganze Zeit sicher. Nie bog er falsch ab.
 
Nach einiger Zeit schlief der Kapitän ein.
 
Er wachte davon auf, das der Geist des Schiffes zu ihm sagte: „ Wach auf, Knut. Wir sind nun in der Mitte des Irrgartens, blicke hinauf.“
 
Knut hob den Kopf und sah über sich das weite dunkle Wasser und einen vereinzelten matten Sonnenstrahl. Knut merkte, wie das Schiff langsam hochstieg und von einem Strudel aus Luftblasen gehoben wurde.
 
Vor sich sah er den vor Wut rasenden Seekönig und seine zwölf Gefährten. Der Seekönig brüllte zornig: „ Wie habt ihr das geschafft? Das ist unmöglich, ihr seid Hexer, verwünscht…“ - aber er konnte seine letzten Worte nicht mehr sagen, weil der Seekönig einfach verschwand, ebenso seine zwölf Gefährten.
 
Das Meer war nun frei, blau und ruhig.
 
Der Kapitän setzte freudig seine Fahrt fort, kam am Festland an und er versöhnte sich mit seiner Tochter. Dem Schiff dankte er für seinen mutigen Einsatz im Irrgarten.
 
Und wenn das Schiff nicht untergegangen ist, dann fährt es noch heute über die Weltmeere.
 
 
 
 
 
 
 
 
 

Hoffe euch gefällt es, außerdem würde ich mich sehr über eure Kommentare freuen =)Mareike Kröger, Anmerkung zur Geschichte

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 29.07.2010. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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