Thomas Waldschicht

Der sechsbeinige, vierarmige, dreieckige Herrscher ...

Der sechsbeinige, vierarmige, dreieckige Herrscher des Universums

Der sechsbeinige, vierarmige, dreieckige Herrscher des Universums gehörte zu einer Spezies, die sich selbst meistens sechsbeinige, vierarmige, dreieckige Spezies nannte. Manchmal nannten sie sich auch Wungongs, aber nie zu festlichen Anlässen oder am Wochenende. Der erste Minister des sechsbeinigen, vierarmigen, dreieckigen Herrschers des Universums trat an das kleine gelbe Podium. Er gehörte selbst zur sechsbeinigen, vierarmigen, dreieckigen Spezies und war sehr stolz darauf. Der Tag der großen Kundgebung war gekommen und das Volk war aufgeregt. Am meisten aufgeregt war aber der Schneider Vonz Zicklas, der unter gewaltiger Anstrengung und sogar unter persönlicher Lebensgefahr, die Garderobe des Ministers geschneidert hatte. Die Milliarden Zuschauer verschiedenster Herkunft, die sich in diesem überdurchschnittlich großen Stadion versammelt hatten, bewunderten das rote Dreieck, das etwa 48,765 Meter hoch war, ein freundlichen Gesicht und eine übertrieben große Anzahl von Körperteilen besaß. Über Satellitenstationen im All konnte jeder im Gesamten Universum live (im äußeren Rand der Galaxis vielleicht mit einigen tausend Jahren Verzögerung, aber trotzdem live) den heutigen Tag miterleben. Ein Nachrichtensprecher schätzte, dass die Sendung von etwa siebzig Kwakzillarionen fühlenden Lebewesen verfolgt wurde. Das schindete eine Weile ziemlich Eindruck, bevor ein anderer Nachrichtensprecher darauf hinwies, dass ein solches Wort wie "Kwakzillarionen" überhaupt nicht existierte. Der Minister blickte noch einmal auf seine Schuhe, um sicherzugehen, dass seine Schnürsenkel auch wirklich nicht offen waren. Mit schlecht geschnürter Fußbekleidung herumzulaufen, galt unter der sechsbeinigen, vierarmigen, dreieckigen Spezies als große Schande. Man konnte deswegen gesteinigt werden, wenn man Pech hatte. Das konnte einem Mitglied der sechsbeinigen, vierarmigen, dreieckigen Spezies allerdings auch passieren, wenn es ein Video zurückgab ohne es an den Anfang gespult zu haben. Wegen solcher drakonischen Strafen gab es so wenig Verbrechen unter den Vertretern der sechsbeinigen, vierarmigen, dreieckigen Spezies. Die Regierung war hart aber gerecht. Hart, man könnte fast sagen grausam, willkürlich, rücksichtslos, brutal, rassistisch und gemein aber doch gerecht. "Meine Damen und Herren oder was auch immer," begann der Minister seine Rede, "wir sind heute hier um ein wichtiges Problem zu besprechen." Die Menge, die wohl gedacht hatte es ginge um ein unwichtiges Problem, wirkte überrascht und teilweise sogar bestürzt. "Der sechsbeinige, vierarmige, dreieckige Herrscher des Universums wird nun zu Ihnen sprechen." Ans Podium trat ein weiteres riesiges Dreieck mit ziemlich vielen Armen und Beinen. Der Herrscher war 70 Meter hoch und damit leicht vom Minister zu unterscheiden. "Mein Volk," begann der Herrscher, "wir steuern direkt auf einen Krieg zu." Die Zuschauer horchten auf. Krieg, da gab es immer viel Spaß für jeden. Jetzt musste nur doch eine letzte Kleinigkeit besprochen werde. Nämlich, gegen wen man Krieg führen würde. "Die Menschen der Erde sind unsere Feinde. Wir wissen zwar eigentlich kaum was über sie, außer das sie alles verkörpern, was wir nicht verkörpern." Nun bekamen es die Zuschauer mit der Angst zu tun. War die Lage wirklich schon so ernst? "Menschen sind etwa zwischen zwei und sechs Metern groß. Nach unseren Informationen können sie zwar nicht fliegen, aber schon ziemlich hoch hüpfen. Ihre Todeslaservernichtungslenkraketen können ganze Sonnensysteme auslöschen. Das haben wir übrigens erfunden. Aber es ist doch trotzdem eine ziemlich schlimme Vorstellung, nicht wahr?" Sofort stimmte der Rat der Planeten darüber ab, ob man die Aggressoren angreifen sollte. Sechsundvierzig Abgeordnete stimmten für "Nein", fünfhundertdreiundsechzig für "Ja" und dreihunderteinundsiebzig enthielten sich der Stimme und gingen was Essen. Dieses Ergebnis war insofern erstaunlich, dass eigentlich bloß zweihundertzwanzig Abgeordnete in diesem Rat saßen. Sofort wurde eine gewaltige Flotte aus sechzehntausend waffenstarrenden Kampkreuzern ausgeschickt. Der sechsbeinige, vierarmige, dreieckige Herrscher des Universums, übernahm selbst die Kontrolle über das Flakschiff. Langsam, wenn man dreifache Lichtgeschwindigkeit Langsam nennen kann, und bedrohlich bewegten sich die Raumschiffe durchs All, auf dem Weg zur Erde, um sie endgültig zu vernichten. Sie hielten nur ein paar Mal an, um noch einige andere Planeten zu zerstören, die ihnen unangenehm auffielen. In der Umlaufbahn der Erde angelangt, entsicherten die Kreuzer ihre Vernichtungsraketen und bereiteten sich auf den Abschuss vor. Es war ein wunderschöner Nachmittag in dem kleinen deutschen Ort Paderborn. Herr Blümchen trat aus seinem kleinen Häuschen. Er war ein sehr netter kleiner Mann der alleine lebte, mal abgesehen von seinem kleinen Zwergpudel Mr. Nixon. Der Pudel hieß so, weil Herr Blümchen fand, dass der Hund dem ehemaligen Präsidenten der vereinigten Staaten Richard Nixon sehr ähnlich war, nur weniger böse. Herr Blümchen besaß eine kleines Käsegeschäft in dem er sehr fleißig arbeitete. Aber heute nicht, denn heute war Sonntag. Herr Blümchen ahnte nichts von den sechzehntausend waffenstarrenden Kampfkreuzern, die gerade im Begriff waren, die Erde zu zerstören. Der nette Käsefachverkäufer roch glücklich an den vielen schönen Rosen in seinem Vorgarten und ging dann wieder zurück in sein kleines Häuschen um Kuchen zu essen. Herr Blümchen nahm einen fertigen Schokoladenkuchen aus dem Kühlschrank und stellte in auf den kleinen Esstisch. Er schnitt sich ein Stück ab und aß es, wobei er sehr darauf achtete, mit geschlossenen Mund zu kauen. Nachdem er gegessen hatte, spülte Herr Blümchen den Teller sorgfältig ab und stellte ihn dann zurück in den Geschirrschrank. Er tätschelte Mr. Nixon den Kopf und machte es sich in seinem Lesesessel bequem. Er las zur Zeit das Buch "Der Sinn von allem", obwohl er sich das Ende schon seit den ersten paar Seiten denken konnte. Auf einmal und ohne das Herr Blümchen es irgendwie geplant hätte, musste er niesen. Normalerweise wäre das nichts besonders. Die meisten Leute würden ein Niesen als etwas ganz gewöhnliches bezeichnen, was jedem Mal passieren kann. Doch in diesem Fall war es ganz und gar nichts gewöhnliches. Durch einen merkwürdigen und in der gesamten Schöpfung einzigartigen Zufall, wurde durch das Niesen ein Loch in das Raumzeitkontinuum gerissen.
Spontan entstand im Orbit des Planeten ein Schwarzes Loch. Dieses Schwarze Loch verschluckte alle sechzehntausend Raumschiffe, einschließlich des sechsbeinigen, vierarmigen dreieckigen Herrschers des Universums und warf sie alle in eine sehr fiese parallele Dimension, in der Wühlmäuse die Galaxis unterworfen hatten. Sofort verschwand das Schwarze Loch wieder, als hätte es nie existiert. Die Erde war gerettet. Herr Blümchen, ein harmloser netter kleiner Käsefachverkäufer hatte die Menschheit gerettet und keiner würde es je erfahren. "Gesundheit!" sagte Herr Blümchen zu sich selbst. Wieder einmal hatte ein einfacher Käsefachverkäufer die endgültige drohende Vernichtung der Menschheit abgewendet.

Vorheriger TitelNächster Titel
 

Die Rechte und die Verantwortlichkeit für diesen Beitrag liegen beim Autor (Thomas Waldschicht).
Der Beitrag wurde von Thomas Waldschicht auf e-Stories.de eingesendet.
Die Betreiber von e-Stories.de übernehmen keine Haftung für den Beitrag oder vom Autoren verlinkte Inhalte.
Veröffentlicht auf e-Stories.de am 04.01.2003. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

Der Autor:

  Thomas Waldschicht als Lieblingsautor markieren

Bücher unserer Autoren:

cover

Als die Tiere für einen Tag sprechen durften von Franz Spengler



Eine Gruppe von Tieren gehen an einen geheimen Ort. Nach einem außergewöhnlichem Erlebnis erhalten sie die Gabe, die Sprache der Mesnchen zu sprechen.

Möchtest Du Dein eigenes Buch hier vorstellen?
Weitere Infos!

Leserkommentare (2)

Alle Kommentare anzeigen

Deine Meinung:

Deine Meinung ist uns und den Autoren wichtig!
Diese sollte jedoch sachlich sein und nicht die Autoren persönlich beleidigen. Wir behalten uns das Recht vor diese Einträge zu löschen!

Dein Kommentar erscheint öffentlich auf der Homepage - Für private Kommentare sende eine Mail an den Autoren!

Navigation

Vorheriger Titel Nächster Titel

Beschwerde an die Redaktion

Autor: Änderungen kannst Du im Mitgliedsbereich vornehmen!

Mehr aus der Kategorie "Satire" (Kurzgeschichten)

Weitere Beiträge von Thomas Waldschicht

Hat Dir dieser Beitrag gefallen?
Dann schau Dir doch mal diese Vorschläge an:

Die Frage Nr. ONE von Thomas Waldschicht (Science-Fiction)
1a Kundendienst von Reinhard Schanzer (Satire)
Brennende Tränen - Teil II von Sandra Lenz (Liebesgeschichten)

Diesen Beitrag empfehlen:

Mit eigenem Mail-Programm empfehlen