Paul Rudolf Uhl

Mordlust 1956

 

... Sie überwältigten mich und er hatte mich mit Schweißdraht gefesselt und an eine Säule gebunden. Der Draht schnitt in die Haut und drückte auf Muskeln. Es schmerzte. Er gab mir viele leichte Backpfeifen mit einem schweren Handschuh und grinste: „Na, du kleiner Wilder, was machst du jetzt?“ Drüben standen die anderen, sahen zu, feixten und johlten. Die Demütigung brachte mich auf „Tausend“.
Ich versuchte, ihm ins Gesicht zu spucken, verfehlte ihn aber. Er schlug mir dafür die Faust in den Bauch, brüllte mich an, stupste mir Schweißdraht-Enden in den Unterarm. Ich merkte, wie mein Adrenalinpegel noch weiter stieg und mich die hilflose Wut fast sprengte. Ich weinte, die Tränen ließen alles verschwimmen, mein Ego bäumte sich auf, ich schrie ihn an mit allen Kräften und dabei konnte ich mich losreißen.
 
In blinder Wut wollte ich ihn töten. Alles in mir drängte dazu. Da lag ein zweieinhalb Kilogramm schwerer Fäustel auf der Werkbank. Ich griff zu, er wich zurück und ich schleuderte den Hammer auf ihn. Wollte, daß er ihn am Kopf traf und ihm das Gehirn durchschlug. Ja, tot sollte er sein und mich niemals mehr misshandeln!
 
Das Wurfgeschoß verfehlte ihm, um einen viertel Meter, donnerte gegen die Werkstattwand, polterte zu Boden. Er war verblüfft, brüllte: „Du spinnst wohl!“, und  zog sich zurück.. Ich heulte laut, konnte kaum sprechen vor Erregung: „wenn du mich noch mal so behandelst, kannst Du tot sein, klar?“
 
Ich erwachte aus meinem Adrenalinrausch. Was hätte ich beinahe getan, gewollt! Nur gut, dass ich nicht getroffen hatte! Die andern verzogen sich in den Waschraum. Ich verließ die Werkstatt.
 
Was war vorausgegangen? Ich war Lehrling, 15 Jahre alt und war gehänselt worden. Als ich frech zurückgab, hatte Fritz, ein Praktikant, mich gepackt, zwei hatten ihm geholfen und er hatte mich an eine Stütze gefesselt und getrietzt. Was hätte passieren können !
Erschreckt erkannte ich, wie dicht unter der bürgerlichen Oberfläche das hemmungslose Tier sitzt, das nicht zu bremsen ist, wenn es geweckt wird ...

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