Kurt Henke

Unser Lehrer und Rektor Mang.

Zum Lehrerberuf muss man berufen sein. Es genügt nicht Kinder nur etwas beizubringen. Es kommt auf das „Wie“ an. Man darf es auf keinen Fall mit Gewalt pauken und schlagen versuchen, wie damals noch vielfach geschehen, vielmehr durch erklären, loben und anerkennen. Darin gab unser Lehrer Mang ein Beispiel . Er schätzte die Fähigkeiten eines Schülers ab, wusste auch was er erwarten durfte. Einen schlechteren lobte er bei einer mittelmäßigen Leistung. Bei der gleichen Arbeit eines guten Schülers zeigte er sich auch schon einmal unzufrieden So mochten ihn alle Mitglieder unserer Klasse gleichermaßen, spendeten dafür nicht wenig Lob.

Sein Mut zeigte er auch bei einer anderen kaum bekannten Methode. Sie ist aber nur bei voll disziplinierten Schulklassen möglich. Eine Zeit vor Ausgabe der neuen Zeugnisse gab er vor allen Klassenmitgliedern die Zensuren jedes Einzelnen bekannt Damit forderte er den Benoteten , aber auch die Klassengemeinschaft zur Stellungnahme heraus Er selber wusste dann eine schlechtere Note so zu begründen, das Einsicht und Ehrgeiz der Betroffenen in vielen Fällen zu Leistungssteigerung verhalf. Es gab dabei auch schon mal für ihn peinliche Zwischenfälle., Mit meiner Voreiligkeit war ich schon öfter aufgefallen. So geschah es, dass er drei Mädel in der zweiten Reihe.Trude Marga und Irmgard, nebeneinander sitzend, im mündlichen Ausdruck mit der Note gut verlesen hatte. Meine Frage, warum gut im mündlichen Ausdruck? Haben sie von diesem Friedhof schon einmal einen vollständigen Satz sprechen gehört? Diese Frage hat er wohlweißlich überhört. Er war ein guter Musiker und mehrfacher Chorleiter mit viel Erfolg. Auch ließ er oft hören, dass er ein notorischer Nichtraucher sei. Bei passender Gelegenheit sagte er zu den Jungen in der Klasse, es zu werden und zu bleiben gehört ein eiserner Wille, den ganz bestimmt keiner von euch aufbringen wird.

Ich war zu einem Fronturlaub l943 nach Hause gekommen. Im großen Saal der Gemeinde stellten sich zum Fest, Gesangvereine und Tanzgruppen mit ihren Darbietungen vor. An einem Tisch sah ich unsern alten Lehrer sitzen. Ich bat ihn, auf einem der freien Stühle Platz nehmen zu dürfen. Nach über acht Jahren erkannte er mich lachend wieder. Die Unterhaltung hatte kaum begonnen, als meine Braut Marga zu unserem Tisch kam, die auch zu unserer Schulklasse gehörte. Bis dahin hatte sie mit ihrenTanzgruppen zu tun. Ich stellte sie als meine Verlobte vor. Seine Erinnerung schien in eingeholt zu haben. Deshalb fragte er etwas schelmisch, „Siehe da, ein Mädel vom Friedhof. Ich konnte nur erwidern, ja so ist es. Doch das habe ich schon lange revidieren müssen., was wir alle lächelnd quittierten. Damit begann ein sehr nettes, aufgelockertes Gespräch. Ich kam dabei auch auf seinen früheren Nichtraucherstolz zu sprechen und ließ die Bemerkung fallen , „ In ihrem Alter lässt der starke Wille von früher auch etwas zu wünschen übrig. , wenn ich sie mit der dicken Zigarre näher betrachte“, Das täuscht, wollte er geschickt abbiegen. Eine Zigarre leiste ich mir nur bei besonderen Anlässen. Um meine eigene, Willenskraft zu untermauern, konnte ich nur erwidern, Herr Mang, ich musste zu Begin in Russland den Furrier der Kompanie beim Verteilen der Marketenderwaren sehr oft helfen. Die Gelegenheit bei den vorhandenen Mengen an Tabakwaren war riesengroß, Raucher zu werden. Mein Wille aber war stark genug , das Rauchen bleiben zu lassen..
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An diesem Abend haben wir viel über die gemeinsamen Schuljahre Erinnerungen ausgetauscht. Das eine oder anderer richtig gestellt, neu betrachtet, besser verstanden.
Ich bin sicher, die bis zu diesem Zeitpunkt vorhandene einseitige. besondere Achtung hat sich auf uns beide übertragen

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