Lena Weidmann

Warum Frauen mehr Tinte brauchen



Ich sage ihm, dass ich nicht verstehe, was er an mir hat. Er sieht mich an und lächelt. "Hör auf, solche Fragen zu stellen."
"Wieso?" gebe ich zurück gespielt beleidigt zurück. "Es ist nur, weil dir nichts einfällt."
"Du würdest mich sowieso nicht verstehen." Nein, in der Tat verstehe ich ihn und seine Gefühlswelt manchmal nicht. Er ist eben ein Mann. Nur eines, das weiß ich mit jeder Faser meines Körpers. Inzwischen. Er liebt mich und zwar mit allem, was er hat. Ich brauche mittlerweile keine ellenlange Liebeserklärung mehr, um zu akzeptieren, dass er mich tatsächlich  so sehr liebt. Aber ich hätte es trotzdem gerne gehört.
"Was würdest du denn sagen, wenn ich dich fragte, was du an mir findest?" Ich séhe ihn an und lächele. "Willst du das wirklich wissen? Hast du Zeit?"
Er grinst und lehnt sich demonstrativ zurück. Er ist siegessicher. Er denkt, mir fiele aus dem Stehgreif nichts Konkretes ein. Aber da hat er sich geschnitten.
Ich atme tief durch. "Okay" sage ich. "Dann mal los." Er verschränkt die Arme vor der Brust.
"Ich liebe das, was du gerade machst. Deine stillen Diskussionen  mit mir, die meistens in einem gemeinsamen Lachanfall enden, weil keiner von uns Recht hat.
Ich liebe deinen Sturkopf, weil du dann immer noch behauptest, du seist näher an der richtigen Lösung.
Ich liebe deine ganze Art, wie du dich von nichts und niemandem verbiegen lässt, wie du immer zu dem stehst, was du sagst, wie du es hasst zu verlieren und trotzdem so charmant bist, wenn du es doch tust, wie du niemals aufgibst und das durchziehst, was du angefangen hast, wie du zu mir hältst, wie du immer das tust, was dir gerade in den Sinn kommt ohne dabei immer an die Konsequenzen zu denken, wie du dich in jedes noch so verrückte Abenteuer stürzt, wie du für den Moment lebst und mich damit nicht selten zum Wahnsinn treibst, wie du enge Freunde niemals im Stich lassen würdest und es bei flüchtigen Bekannten schaffst, ihnen zu zeigen, dass du kein Interesse an ihnen hast.
Ich liebe deine Ehrlichkeit, die mich niemals verletzt, aber so oft zum Grübeln bringt. Warum zum Beispiel findest du Heidi Klum so schrecklich attraktiv, wo ich doch ein gänzlich anderer Typ bin, als sie?
Ich liebe deinen Humor mit dem du es bisher immer geschafft hast, meine schlechte Laune zu vertreiben. Und wie du über meine Sprüche lachst und sie nur deshalb lustig findest, weil ich es war, der sie gesagt hat.
Ich liebe deine Schweigsamkeit, morgens, nachdem du aufgestanden bist.  Ich liebe es, dass du mich dann lieber verträumt und mit verschlafenen Augen anlächelst, als deine morgendliche, miese Stimmung an mir auszulassen.
Ich liebe es, wie du mich bei jeder Autofahrt von der Seite anstarrst und ich nicht aufhören kann, darüber rot zu werden.
Ich liebe es, dass wir uns stundenlang wortlos ansehen können, ohne auch nur einen Moment an etwas anderes zu denken, als daran, dass wir uns gefunden haben.
Ich liebe deine sensible Seite, die ich nur so selten zu sehen kriege, aber so oft fühle, wenn du mal wieder nur an meinen Augen abliest, dass es mir eben ausnahmsweise nicht "gut" geht.
Ich liebe, dass du für alles - aber wirklich für alles - eine einigermaßen plausible Ausrede findest und ich keine Chance habe, etwas zu widersetzen.
Ich liebe es, wenn du kochst, obwohl du sagst, dass du es nicht kannst, um deinen "männlichen Stolz" zu bewahren und dabei die besten Gerichte zauberst, die ich je gegessen habe.
Ich liebe, dass du meine bessere Hälfte bist und wir uns so gut ergänzen.
Ich liebe, dass du dir soviel Mühe mit mir gibst, obwohl ich weiß, dass Romantik nicht gerade deine Stärke ist.
Ich liebe es, wie du immer tust, als seist du nicht eifersüchtig, aber mich im Film genau dann leidenschaftlich küsst, wenn mein Lieblingsdarsteller auftritt.
Ich liebe dein Lächeln. So sehr, dass du nichts anderes tun könntest, als zu lächeln. Denn dann ist die Welt für mich in Ordnung.
Ich liebe deine blauen Augen, die mich immer so warm ansehen.
Ich liebe deine Küsse, die mich jeden Tag aufs Neue in den siebten Himmel befördern und ich liebe es, dass wir uns nie streiten, weil wir uns einfach ohne Worte verstehen. Lange Rede, kurzer Sinn. Es ist so eindeutig, was ich an dir finde, dass ich absolut nicht nachvollziehen kann, wieso du fragst.
Ich liebe einfach alles an dir!"
Ich habe ihn ernsthaft schockiert mit meinem Liebesgeständnis. Aber das war Absicht.
"Siehst du. Genauso gehts mir auch. Nur, dass ich nicht so literarisch talentiert bin wie du. Es würde schneller gehen, aufzuzählen, was ich an dir NICHT liebe." sagt er schließlich - ein wenig eingeschüchtert und immer noch ziemlich baff.
Ich sehe ihn fragend an. Er reagiert nicht. Seine Lippen bleiben verschlossen. " Na los, was an mir liebst du nicht?" harke ich nach.
Keine Antwort. "Sag doch, ich kanns vertragen." Meine Augen blitzen vor Neugier. Er zuckt mit den Schultern und küsst mich. "Na nichts. Es gibt nichts, was ich nicht an dir liebe." Und es hört sich so ehrlich an.
Dieses Geständnis reicht mir vollkommen.
Sieg, würde ich sagen.
 
Liebesbriefe von Frauen sind mit wenigen Ausnahmen ein gutes Stück länger, als die Antwort, die zurück kommt. Und dennoch sagen sie dabei keinen Satz mehr.
Vielleicht kennt das der ein oder andere ....

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 24.08.2010. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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