Norbert Wittke

Musikunterricht á la Ganther


In der Volksschule in Baden-Baden hatte ich ihn in der 2. - 4. Klasse als Klassenlehrer. Er war unser einziger Lehrer, bei dem wir alle Fächer hatten. Besonders hat sich bei mir im Kopf der Musikunterricht eingeprägt. Loriot hätte seinen Spaß daran gehabt.

Ein Schüler musste als Notenständer fungieren. Wir Schüler bekamen alle ein Notenheft mit Textzeilen. Dann kam Ganther an die Reihe. Unser Lehrer im Schulstress schon verbraucht, über 60 Jahre alt, sehr hager und dadurch mit seinem schmalen Gesicht mit größerer Nase schon etwas greisenhaft wirkend, klemmte sich seine Geige unter das Kinn. Dann fing er auf seiner Geige an, Noten zu kratzen.Gleichzeitig sang er mit seiner Fistelstimme den Text mit. Wir wurden aufgefordert  gemeinsam mit zu singen. Es war immer ein heilloses Durcheinander mit mehr Gebrüll als Gesang.
Diese Stunde war wirklich nichts für empfindsame Ohren.

In der Klasse waren zwei Brüder, die es geschafft hatten schon die ersten zwei Klassen zu wiederholen. Die beiden hatte nur Unsinn im Kopf und störten wo sie konnten. Damals gab es keine Sonderrschulen der heutigen Art, wo sie an sich hin gehörten. Bei 42 Schülern in der Klasse war dieser Musikunterricht und auch der übrige Unterricht nicht einfach für den Lehrer, denn wir hatten bei ihm auch Sport, was auch sehr seltsam war. Er im Anzug und wir mussten etwas herum hüpfen.

Ich erinnere mich als Lehrer Ganther an einem solchen Tag völlig seine Kontrolle verlor. Wir hatten ihn so gereizt, dass er einen Nervenzusammenbruch bekam, anfing zu heulen und auf den Flur lief und dort mit beiden Fäusten an die Wände trommelte. Irgendwann kam er wieder zu sich und tat so als wäre nichts geschehen.

Übrigens wurden die beiden Brüder eines Tages von der Polizei abgeholt. In der Nähe war eine altkatholische Kirche. Dort hatten sie am Altar ihre Notdurft verrichtet und waren beobachtet worden.


25.08.2010                   Norbert Wittke

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