Christa Astl

Das Paradies vor der Haustür


 
 
Ein Schritt hinaus, und die Natur kommt mir entgegen. Auf der Terrasse schiebt sie sich durch die Ritzen, Gräser und Blumen versuchen Hitze und Trockenheit standzuhalten.
Ein paar Schritte weiter und ich bin auf der Wiese: Trockener karger Boden, seit Jahren nicht mehr gedüngt, und doch, welche Vielzahl an Pflanzen bringt sie hervor. Oft knie ich fotografierend davor; auf Augenhöhe einer Blume gegenüber halte ich stumme Zwiesprache mit der Natur, lebendige Botin von Gottes vollkommener Schöpfung.
Und „auf Augenhöhe“ fühle ich mich auch, gleichgestellt, gleichrangig den Pflanzen.
Manches muss ich willkürlich verändern, wenn ich wo etwas umsetze, ausreiße, abschneide, manchmal gebe ich aber nach, bücke mich um unter einem Ast durchzuschlüpfen, steige vorsichtig durchs Brombeergestrüpp, mache einen Bogen um den weit ausladenden Heckenrosenstrauch, freue mich an seinen blassrosa Blüten, an seinen leuchtendroten Hagebutten.
Zur Erdbeerzeit wird ein Teil der Wiese nicht gemäht. Ein kleines Abenteuer ist es, sich von Beere zu Beere vorwärts zu suchen; im hohen Gras sind natürlich die schönsten, bestens geschützt.
Weiter hinten ist der Wald, oder das was davon übrig ist. Alte Fichten und eine Föhre mussten weichen, doch Neues darf wieder entstehen. Eine Tanne, Eiben, Ahorn, Holunderbüsche, Hasel und Flieder kämpfen um einen guten Platz, dazwischen und darunter wuchern Himbeer-, Brombeer- und Johannisbeeren, aber auch unerwünschte Gäste wie Brennnesseln und das Springkraut.
Als nächstes reifen die Ringlo, kleine gelb bis gelbrote kirschgroße Früchte. Im Frühling ein weißer Blütentraum, biegen sich im Spätsommer die Äste unter ihrer Last.
Zuvor noch duften Flieder und Holunder um die Wette.
Und ich bin Herrin und Hüterin all dieser unscheinbaren bescheidenen Schönheit. Das ist meine Welt. Mein Eigen, das ich gestalten und schützen will.
Ich erfreue mich am ewigen Wechselspiel des Blühens, Reifens und Vergehens, genieße die Augenblicke des Verweilens, lebe ganz im Jetzt, im Hier, aber doch immer im Bewusstsein auch meiner eigenen Vergänglichkeit.
 

 

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