Kurt Henke

Das Gewissen war stärker als der eigene Vorteil

Dem Fußball hatte ich mich schon als Schüler verschrieben. und wollte alles tun, ein guter Spieler zu werden. Wohl kaum jemand wird ermessen können, wie in dieser Beziehung ich darunter gelitten habe, dass mir die Wehrmacht diesen Zukunftsplänen ein Ende setzte. Nach meiner Verwundung 1944 habe ich meinen rechten Unterschenkel verloren.
War es da verwunderlich, dass ich mich nach Erhalt einer Beinprothese bei dem Neuaufbau meines Vereins in vorderster Front befand? Der Verein bestand nur noch dem Namen nach. Die noch verbliebenen, wenigen Spieler hatten sich während des Krieges Nachbarvereinen angeschlossen. Aktiver Sport war über Jahre nicht mehr betrieben worden.

Ein bestimmtes Wissen in der Vereinführung musste ich mir erarbeiten, als Gleichgesinnte mir den Wunsch vortrugen, ich möge den Verein wieder aufzubauen. Allein auf weiter Flur stehend, versuchte ich mit 24 Jahren brauchbare Mitarbeiter dafür zu gewinnen. Mir war klar, der Aufbau konnte nur über eine intensive Jugendarbeit gelingen. Als der Westdeutsche Fußballverband wieder ins Leben gerufen wurde und nach der Spielstärke, vor Beginn des Krieges, die Klassen-- und Gruppeneinteilung vornahm, war der auch umbenannte SuS Rünthe dabei. Dem, die 1. Kreisklasse zugeteilt worden war, in der er von Beginn an, eine beachtliche Rolle spielte.

Ich selber war auf der Ebene des Kreises Unna-Hamm inzwischen kein Unbekannter mehr. Schon bei der ersten Kreistagssitzung, wurde ich in die Kreisspruchkammer gewählt, Mit meinem erworbenen “Fußballwissen“ war ich bei der Urteilsfindung vier Jahre bestimmt ein brauchbares Mitglied. Mein Wissensstand war sicherlich auch der Anlass, mich zum Staffelleiter der Bezirksklassengruppe Unna Hamm zu wählen. Der SuS Rünthe war in der Zwischenzeit von der Kreisklasse in die Bezirkslasse aufgestiegen. Mit dem Staffelleiter der Kreisklasse Hermann Beets hatte ich versucht, den erforderlichen Schlüssel zur Ansetzung der Meisterschaftsspiele so zu verändern, dass er besser den Wünschen der Vereine angepasst werden konnte.

Als ich 1962 angefangen war, mir mit Freunden, so weit als möglich, in weitgehender Selbsthilfe ein Haus zu bauen, war mir vorübergehend die Arbeit als Staffelleiter zu viel geworden, zumal ich noch immer Geschäftsführer des SuS Rünthe war. Ich bat meinen Freund und Kreisklassenstaffelleiter Hermann Beets, ein halbes Jahr für mich auch die Bezirksklassengruppe zu bearbeiten.

Die Arbeit eines Staffelleiters ist u.a. die Auswertung der Schiedsrichterspielberichte. Dazu gehört auch, die von den Schiedsrichtern ausgesprochenen Verwarnungen, zum Verband zu melden. Diese werden von dort in den „Amtlichen Mitteilungen“ veröffentlicht. Jeder Spieler der die dritte Verwarnung erhalten hat, muss unmittelbar da nach, ein Meisterschafspiel aussetzen. Die Veröffentlichung in der AM ist nur eine Gedächtnisstütze. Die Vereine haben die vom Schiedsrichter vorgelegten Spielberichte nach dem Spiel zu unterschreiben und tragen damit schon die Verantwortung über den Inhalt

Es stellte sich heraus, dass mein Freund Hermann für einen Spieler der Bezirksklasse des Vereins Bockum-Hövel die dritte Verwarnung nicht veröffentlicht hatte . Der VfL Mark legte gegen ein verlorenes Spiel gegen Bockum Hövel Einspruch bei der Bezirksspruchkammer ein, weil bei diesem ein Spieler nach der dritten Verwarnung mitwirkte. Ich hatte inzwischen die Staffel vom Kollegen Hermann wieder selbst übernommen. Dieser Einspruch war bei der Bezirksspruchkammer angekommen. Der Vorsitzen Hermann Jürgens wies mich an, B.-Hövel diese Punkte abzuerkennen. Dieses Ansinnen lehnte ich ab, verlangte den Vorgang vor der Spruchkammer zu verhandeln.
Ich begründete es damit, dass ich zur Tatzeit des bewussten Spieles keine Verantwortung für das Bearbeiten der Spielberichte tragen konnte. Mein eigentlicher Grund war wie folgt, die ich auch der Bezirksspruchkammer unterbreitete:.

Mein Verein, der SuS Rünthe würde als Tabellenzweiter durch eine solche Punktaberkennung an die erste Stelle der Tabelle rücken. eventuell aufsteigen, damit dem Verein B.-Hövel möglicher Weise um die Meisterschaft bringen, und deren Aufstieg verhindern, veranlasst durch den Geschäftsführer des SuS Rünthe

Durch die Aufrechterhaltung des Einspruches von Mark wurde alsdann vor der Westfalenspruchkammer verhandelst. Der Spruch der Kammer lautete, der Bezirksspruchkammervorsitzende erheilt eine Verwarnung und hat den Auftrag, umgehend den Vorfall zu verhandeln. Der Bezirksklassenstaffelleiter. bekommt eine Ermahnung. Auch hier hatte ich darlegt, dass ich das für mich als eine Gewissensbelastung betrachtet hätte, zu handeln, wie von der Kammer gewünscht.

Die Ermahnung hatte für mich und überhaupt in der Rechtssprechung, nicht die geringste Bedeutung, Dennoch versuchte ich dem Vorsitzenden der Westfalenspruchkammer meine Auffassung klar zu machen.. Es wäre mir ein freudiges Bedürfnis gewesen, „Aber nicht in „diesem Zusammenhang“ meinen Verein möglicher Weise in die Landesliga zu verhelfen. Diese Handlung hätte mein Ehrgefühl verletzt. Unter diesen Umständen, dafür eine Ermahnung zu erhalten, so tat ich kund, würde ich als nicht hinnehmbar bewerten und mit Beendigung der Meisterschaftsserie mein Amt als Staffelleiter niederlegen.

Diese Ankündigung wurde vor mir sofort nach Beendigung der Meisterschaftsserie vollzogen.

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 06.09.2010. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

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