Karl-Heinz Fricke

Meine Bergmannsjahre (zweiter Teil)

 

Steiger Brunke schritt mit mir etwa 80 Meter auf einem leicht ansteigenden Schienenstrang entlang, der dann um eine scharfe Kurve führte und nach etwa 20 Metern endete die Strecke. Links neben dem Gleis befanden sich zwei Erzrollen. Der Steiger erklärte mir nun, dass ich das Erz in Loren zu füllen und dann die gefüllten Loren auf der nun abfallenden Strecke zum Schacht bringen musste. Dann eine leere Lore nach oben vor die Rolle schieben und so weiter. Erzrollen sind wie erklärt nach oben führende schmale Schächte für die Aufname von Erzen. Oberhalb von diesen befanden sich zwei Stöße, also zwei Abbauorte, die von je zwei Bergleutenbearbeitet wurden. Es handelte sich um einen Trichterabbau. Es wurde gebohrt und gesprengt und das lose Erz rutschte dann in die Erzrollen, die mit einer eisernen Klappe versehen war, und mittels einer Hebelvorrichtung geöffnet werden konnte, damit das Erz in eine darunter gefahrene Lore, die zwei Tonnen aufnehmen kann, ‘gerollt’ werden konnte.Leider waren die Erzbrocken oftmals zu groß und sie verkeilten sich in der Erzrolle. Ich musste dann zu einer Brechstange greifen und versuchen die Verkeilung zu lösen. Manchmal war es vergeblich, und dann musste der Schießhauer herunterkommen und eine kleine Sprengung in der Erzrolle vornehmen. Als ich diese Arbeit für etwa einen Monat getan hatte, hatte ich mit der vollen Lore bei der Abfahrt zum Schacht meine erste Verletzung, als ein Erzbrocken meinen kleinen Finger der linken Hand an der inneren Lorenwand fast zerquetschte. Der Fingernagel war ab und es blutete. Hätte man damals Sicherheitshandschuhe zur Verfügung gehabt, dann wäre mir der zweiwöchentlicheVerdienstausfall erspart geblieben. Ein Vertrauensarzt schrieb mich gesund, obgleich der Finger noch nicht völlig geheilt war.

Als ich zurück war, wurde ich einem Schießhauer als Helfer zugeteilt. Ich arbeitete nun im Gedinge im Abbau und wurde nach der erbrachten Tonnenzahl bezahlt. Nach etwa einem Jahr, bevor der Währungsreform, stellte man die Abbauarbeiten ein, weil man erstens einen großen Vorrat hatte und zweitens die Metalle nicht für die wertlose Mark verkaufen wollte. Aber was sollte nun mit den etwa 100 erfahrenen Bergleuten geschehen, die in der Grube momentan keine Arbeit hatten ? Entlassen wollte man sie nicht, da sie ja bald wieder nötig gebraucht wurden. Also mussten sie andersweitig beschäftigt werden. Alle, die zur Zeit im Abbau beschäftig waren, waren davon betroffen und so auch ich. Die Kumpel, die in der Aus-und Vorrichtung Strecken auffuhren und Aufbrüche machten, verblieben in der Grube.

Das erste Beschäftigungsprojekt war das Ausschlemmen des unter dem Werk gelegenem Herzberger Teiches, vom dem das Werk das Wasser entnahm, und das außerdem als Badeanstalt diente. Das Wasser eines Bergbaches ergießt sich in den Teich, und mit den Jahren hatte sich auf dem Boden eine halbmeterhohe Schlammschicht abgesetzt. In die Mitte des Teiches wurde eine große Stahlplatte und dann Schienenwege von dort in alle Richtungen gelegt. So konnten mehrere Teams gleichzeitig arbeiten und nach etwa drei Wochen war der Teich schlammfrei. Nun hieß es ein neues Arbeitsprojekt für uns zu finden, das man im Nachbarort Oker fand.

Das Rammelsberger Erz wurde, nachdem es in Konzentrate aufgearbeitet worden war, zur Hütte nach Oker transportiert und dort zu Metallen verarbeitet. So fanden wir uns bis zur Währungsreform dort jeden Morgen ein. Für mich und drei Kumpel wurden es gemütliche Wochen. Über das, und wie es weiterging, erzähle ich im dritten Teil.

 

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