Karl-Heinz Fricke

Meine Bergmannsjahre (siebter Teil)

Meine Bergmannsjahre (siebter Teil)

Das Vertiefen von Schächten ist manchmal notwendig, um an tiefer gelegenes Erz zu kommen. Deshalb muss der Schacht mindestens so tief sein wie der Erzkörper. Sohlen und Strecken, die später vom Schacht ausgehen, ermöglichen den Zugang zum Erz. Der Richtschacht endete an der 10. Sohle. Auf den Sohlen wurden die beiden großen Erzlager seit Jahrhunderten abgebaut. Wie ein dicker Sack hing das restliche Erz noch 95 Meter unterhalb der 10. Sohle, um dann abrupt zu enden. Die 11. Und 12. Sohle mussten erschlossen werden, und noch 15 Meter darunter.

Mit je 5 Mann in drei Schichten wurde das Abteufen in Angriff genommen. Ich war von Anfang bis Ende dabei. Für einen Abschlag, wie eine Bohrung mit abschließender Sprengung genannt wird, wurden zirka 55 zwei Meter lange Löcher gebohrt. Schwere Spezial Bohrhämmer wurden dazu benötigt. Das Bohrwasser wurde abgepumpt. Die zweite Schicht war dann 8 Stunden damit beschäftigt, ungefähr zwei Drittel des gesprengten Schiefers mit Kratze und Trog in große Eisenkübel zu füllen. Auf ein Signal kam der leere Kübel von oben, wurde ausgeklinkt und der gefüllte eingeklingt. Es war ein ständiger Vorgang bis zum Ende der Schicht. Etwa 100 Tonnen Schiefer hatten wir 5 Kumpel ohne lange Pause aus dem Schacht entfernt. Die dritte Schicht hatte noch etwa 40 Tonnen in Kübel zu füllen, um dann den Boden für die nächste Bohrung vorzubereiten. Das Gezähe,wie des Bergmanns Werkzeug genannt wird, musste für die erste Schicht bereitgestellt werden, und wenn noch Zeit vorhanden war,wurde schon mit dem Bohren begonnen. Obwohl 2 Meter lange Löcher gebohrt worden waren, wurde im Durchschnitt ein Meter achtzig per Abschlag gewonnen. Das Bohren mit den 5 Maschinen verursachte einen Höllenlärm, der ständig von den glatten Schachtwänden zurückgeworfen wurde.

An dieser Stelle möchte ich etwas über den Verdienst sagen. Während in aller Gemütlichkeit beim Erzabbau ungefähr 18 Mark per Schicht verdient wurden, erreichten wir bei der Teufarbeit, bei der es kaum ein Verschnaufen gab, höchstens den Schichtlohn von 15 Mark, weil selten einmal etwas glatt ging. Außerdem wurden die Sprengstoffkosten vom Gedinge abgezogen. Bis zu 400 Patronen und 55 Zünder wurden für einen Abschlag benötigt. Den Schichtlohn v on 15 Mark erhielt auch ein Grubenarbeiter, der leichte Arbeiten verrichtete. In jedem Monat passierte es mehrmals, dass eine Sprengung zum Teil versagte. Nicht nur, dass der Sprengstoff verpulvert war, es war dann auch eine Sauarbeit, in den angeschlagenen Schiefer neue Löcher zu bohren und zu besetzen, Beim Mauern nach 40 Meter Teufe, was eine Erholung im Vergleich zur Teufarbeit bedeutete, verdienten wir ironischerweise mehr Geld. Zwei gelernte Maurer wurden uns zugeteilt, die die Vorderpartien mit roten Backsteinen setzten. Während zwei von uns die Hinterpartien mauerten, verrichteten die anderen Handlangerdienste, wie Steine heranschaffen und Zement machen. Nach der Maurerarbeit, wurden gleich die Stahlträger für die Förderkörbe eingemauert.

Dann ging das Teufen weiter, und was dabei passieren kann, schildere ich in der nächsten Folge.

 

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