Jens Schriwer

Ein Spiel unter Freunden

Am Anfang kann man niemals absehen, wie etwas endet. Hoffnungen können übertroffen und enttäuscht werden, Ängste bewahrheiten sich oder bleiben aus. Dies hier begann als eine Art Spiel, ein großes Spiel im Leben und mit dem Leben, ich war bereit alles zu verändern und die Welt war bereit mich zu verändern.

Letzteres habe ich nicht bedacht, ich glaubte, ich könnte die Menschen erforschen und sogar verändern und trotzdem immer derselbe bleiben. Ich habe mich geirrt, aber nicht ganz...

Ich hielt die Pistole auf Ganzett gerichtet - völlig zu recht -, den ich früher zu meinen Freunden gezählt habe - völlig zu unrecht. Er schwitzte und starrte mich aus großen, ängstlichen Augen an. Er war so dreist Entsetzen mir gegenüber an den Tag zu legen, dabei hatte er sich alles selbst zuzuschreiben. Er hätte fliehen sollen, stattdessen versucht er mich "zur Vernunft" zu bringen, obwohl das für ihn nur heißt: auf seine Seite. Ganz egal, was er jetzt redet, ich habe gehört und gesehen, was geschehen ist, er kann es nicht verdrehen, weil ich dabei gewesen bin. Und dennoch versucht er die Wahrheit zu verdrehen, obwohl ich sie kenne.

"Weißt du denn nicht mehr, wie alles angefangen hat?" flehte er mich an. Und ob ich es wusste! Damals dachte ich, er wäre mein Freund; und ich dachte ihn zu kennen. Er wollte mir beweisen, dass er ein guter Mensch war und alle anderen ihm Unrecht taten, schlecht über ihn redeten, dass die Welt im großen und ganzen ihm gegenüber unfair war. Ich glaubte ihm und ich sagte folgendes:

"Dann lass uns ein Spiel spielen, es ist kein einfaches und niemand kennt die Regeln! Es mag so aussehen, als würde sich alles zum Schlechten wenden und sogar ich nicht mehr auf deiner Seite stehen, aber das wird nicht die Wahrheit sein. Ich will versuchen, alles zu verstehen. Aber es wird gefährlich sein. Die Grenze zwischen Realität und Fantasie wird überschritten und das eine vom anderen nicht unterscheidbar sein, wenn man nicht acht gibt. Gut und Böse geraten aus den Fugen und das eine kann wie das andere erscheinen. Du darfst niemals den Glauben an das verlieren, was ich dir jetzt sage; du darfst niemals zweifeln und nicht den Glauben verlieren; und ich darf das ebenso wenig: Was auch immer geschehen mag, ich werde immer auf deiner Seite sein! Egal was ich tue! Egal was ich sage! Egal wie ich "erscheine"! Was auch immer geschieht!"

Meine Antwort war eine andere. Mit ruhiger Stimme und einem kalten Lächeln, sagte ich: "Das ist nicht mehr wichtig; denn das hier ist kein Spiel mehr! Ich habe mich geirrt! Dir zu vertrauen, Dich zu verteidigen, Dir helfen zu wollen - alles Fehler, die ich jetzt einsehe." Irgendwie fehlte noch der richtige Abschluss - so muss es mir wohl in den Sinn gekommen sein, als ich hinzufügte: "Wenn man so ein Arschloch ist wie du, kann man nur Freunde haben, wenn man sie verarscht, so wie mich - viel zu lange!"

Er blickte wild um sich, die Augen immer noch weit - als könnte er hier irgendwo eine Antwort herumliegen sehen. Pah, ich wusste was er da tat! In seinem Hirn ratterte er alles durch, was er auffahren könnte. All seine Lügen - irgendeinen Strohhalm, an den er sich klammern konnte. Gleich kramt er irgendeine Geschichte aus, wie tolle Freunde wir doch waren. Gott sein Dank, war er zu langsam...

Er erschrak, als die Stahltür hinter ihm ins Schloss fiel. Ich lächelte. "Du kommst noch rechtzeitig, meine Liebe!" sagte ich lässig und betrachtete sie dabei wieder mal fasziniert. Ihr Körper und ihr Gesicht waren noch etwas kindlich, sie war ja gerade erst Siebzehn, aber ihre Augen strahlten vor Energie. Ich liebte ihr boshaftes Lächeln, als sie an ihm vorüber ging. "Komm, gib's zu - du hast extra auf mich gewartet!" Sie lehnte sich an mich und streichelte meinen Arm. "Los, ich kann nicht mehr länger warten!" Sie drehte sich zu ihm um und sah ihm direkt in seine Augen. Tja, er konnte wohl nicht fassen, was er da sah. "Was ist?" fragte ich. "Überrascht?"

"A-aber...wie-so...sie" - er schluckte - "...alles ihre Schuld!" krächzte er mich an. Ich trat einen Schritt zurück und hielt die Waffe mit beiden Händen auf ihn gerichtet, sie blieb stehen. Ich drückte ab.

Ich nahm die Waffe runter und blickte auf die Leiche hinab. Kein Kopfschuss, sondern durch den Hals - hässliche Wunde. Blut überall, ein qualvoller Tod, da war ich mir sicher. Ich ging zu Ganzett und reichte ihm die Hand. Er war leichenblass - hatte die Augen kurz vor dem Schuss geschlossen und zitterte. "Es ist vorbei!" sagte ich mit belegter Stimme. Ganz langsam öffnete er seine Augen und starrte meine Hand an. Dann sah er wohl ihre Leiche.

Ich half ihm auf, auch wenn er mich die ganze Zeit genau beobachtete. "Ich muss gleich los!" sagte ich so glatt und gefühllos, wie es ging. In meinem Magen brodelte es und ich versuchte das Zittern meiner Hände in den Griff zu bekommen.

"Was?" Er kreischte beinahe. "Was war hier... eigentlich los?"

"Unser Spiel, Ganzett..." mehr bekam ich einfach nicht raus. Was auch immer geschieht! Meine Worte!

"Und sie? Warum...?" fragte er mich kopfschüttelnd.

"Eine Entscheidung..., tut mir Leid, dass es so weit gehen musste!" versuchte ich mich zu entschuldigen. Ich blickte ihm fest in die Augen und wir sagten nichts mehr.

Du oder sie! Nur darum ging es, sie wollte dich töten und ich wollte sehen wie weit sie dafür geht! Dieser Satz ging mir durch den Kopf, aber ich konnte ihn nicht aussprechen - er war nun egal, weil sie tot war. "Ich muss gehen!" wiederholte ich.

"Wohin?"

"Zur Polizei. Ich habe sie getötet, Ganzett!" Er war viel zu konsterniert um mich aufzuhalten und ich ging. Denk daran: Was auch immer geschieht!

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 16.09.2010. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

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