Karl-Heinz Fricke

Meine Bergmannsjahre (vierzehnter und letzter Teil)

 

Meine Bergmannsjahre (vierzehnter und letzter Teil)

Diese Geschichte handelt von einem jungen Menschen, der gern Steiger werden wollte. Er studierte an der Bergakademie in Clausthal-Zellerfeld im Oberharz. Allerdings musste er auch in der Grube praktische Kenntnisse erwerben und aus dem Grund kam er zu uns um zu lernen. Er war immer wieder davon überrascht wie wenig sich Praxis und Theorie glichen, und von diesem Jungen sollten wir uns täglich seine Belehrungen anhören, was wir alles falsch machten. Allerdings sind im Bergwerk Improvisionen an der Tagesordnung und man muss den Geist spielen lassen, um Probleme zu lösen. So etwas jedoch wird auf keiner Bergakademie gelehrt. Die Bergschüler wurden allerdings oft Zielscheiben des Schabernacks wenn sie es übertrieben, erfahrenen Bergleuten, ihre theoretischen Kenntnisse aufzudrängen wagten. In dieser Geschichte handelte es sich um einen solchen Praktikanten, der in der Grube den Weisungen des Hauers Folge zu leisten hatte.

Auf der langen Versuchsstrecke wurde mir ein Bergschüler zugeteilt. Er war nicht im Gedinge einbegriffen, sollte jedoch mit zugreifen, aber meistens hielt er uns mit seinen Fragen von der Arbeit ab. Er war jedoch gut geeignet als Botenjunge, und wir benutzten jede Gelegenheit, ihn für eine Weile loszuwerden.

Um mit der Lademaschiene, die auf Schienen lief, dicht vor Ort den gesprengten Schiefer abräumen zu können, musste die Gleisanlage oftmals verlängert werden. Wenn die Sohle schlecht ausgeschossen war, dann war es äußerst schwierig die 20 cm dicken Holzschwellen tief genug in den Streckenboden zu bekommen. Die Schienenenden mussten aber glatt zusammenpassen. Solch ein Problem hatten wir und der Bergschüler schlug vor nachzusprengen, damit die Schwellen tiefer in den Boden gingen.. Wir wussten schon, was wir machen mussten, vermittelten jedoch dem Bergschüler den Eindruck vor einem Rätsel zu stehen. Es war die perfekte Lösung, ihn für den Großteil der Schicht loszuwerden. Die Gezähebucht, wo alle Geräte und Werkzeuge ausgegeben wurden, war 3 Kilometer entfernt. Mein Helfer sagte, wir müssten wohl wieder den Schienenhobel benutzen. Gleich schaltete sich der Bergschüler ein, dass ihm ein solches Gerät unbekannt sei. Darauf sagte ich ihm,er würde es kennenlernen, denn er müsse zur Gezähebucht, und einen holen. Er solle sich aber beeilen, denn wir könnten nicht die gnze Schicht auf ihn warten. Ohne weiter zu fragen, trabte er los. Wir begannen sofort die Schwellen nach altem Brauch mit der Axt abzuflachen bis sie passten.

Wie wir später erfuhren, hatte der alte Gezähewart gleich verstanden was gespielt wurde. Er bedauerte sehr, dass er den Hobel gerade ausgegeben habe., und der Praktikant möge doch sein Glück auf der oberen Sohle versuchen. Mit gewichtiger Miene schrieb er einen Anforderungsschein aus, und setzte seinen Namen darunter.

Der Bergschüler entschied sich die Leitern zur oberen Sohle zu erklimmen. Als er in der dortigen Gezähebucht angelangt war und den Anforderungsschein überreicht hatte bekam er ein unförmiges Stück Eisen mit einer angeschliffenen Kante, dass er vor Schichtende zurückbringen möge, denn es würde recht oft gebraucht. Der Bergschüler wunderte sich, wie man wohl damit die Schienen bearbeiten könnte. Nun, er würde es schon sehen. Denkste Puppe. Nach mehr als zwei Stunden kam er endlich zurück. Wir waren bereits beim Bohren für den nächsten Abschlag. Dem armen Kerl lief der Schweiß von der Stirn. Stolz präsentierte er den ‘Schienenhobel’.

Dann schaute er ungläubig auf die Schienen, die perfekt zusammenpassten. Vorwurfsvoll warfen wir ihn vor, was ihn so lange gedauert habe. Wir schafften im Gedinge und konnten nicht solange warten. Mit schuldiger Miene trottete er davon, um das Stück Eisen wie angeraten, zurückzubringen. Am nächsten Tage schaute er sich genau an, wie wir das Schienenproblem gelöst hatten. Wieder hatte er etwas gelernt, was man ihm auf der Akademie nicht gelehrt hatte.

Mit dieser Geschichte beendige ich die Geschichten meiner Bergmannsjahre. Ich hoffe, ich habe euch nicht gelangweilt mit meinen vielleicht oft unverstandenen Begriffen und technischen Erklärungen. Mir hat es Spaß gemacht, mich in die damalige Zeit zurück zu versetzen. Nun folgen wieder Gedichte.

"Glück Auf",

sagt euch Karl-Heinz   24.9.2010  

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