Christiane Mielck-Retzdorff

Davongeschlichen




 
Als Luisa getrieben von einer inneren Uhr Morpheus Hallen verließ, hatte die Weckfunktion ihres Handys seine Arbeit noch nicht aufgenommen. Es war dunkel. Nur das Licht einer Straßenlaterne verschaffte sich Einlaß und ließ Konturen in dem Zimmer erkennen.
 
Neben sich spürte Luisa den gleichmäßigen Atem von Max, fühlte seine kuschelige Wärme und war kurz in der Versuchung, in zu streicheln und zu küssen, sich erneut an ihn zu schmiegen und die Welt jenseits der Wände zu ignorieren. Doch warum sie sollte den beinahe kindlichen Frieden, der sein Gesichtszüge umschmeichelte, stören.
 
Mit aller Vorsicht wand sich Luisa unter der Bettdecke hervor, setzte sich auf und plante kurz ihren Weg durch den schummerigen Raum. Jedes Geräusch vermeidend tastete sie nach Unterwäsche, Kleidung und Schuhen, bedacht nicht nach dem Falschen zu greifen. Mit dem Bündel über dem Arm schlich sie zur Tür. Ein letzter, sehnsuchtsvoller Blick streichelte Max, dann verließ Luisa lautlos das Schlafzimmer.
 
Im hell erleuchteten Badezimmer bei ihrer Katzenwäsche fragte sich Luisa, warum das alles sein mußte. Wie gern hätte sie jetzt einen Kaffee gekocht und freudig gewartet, bis Max mit verwuschelten Haaren und seinem jungenhaften Lachen auf den Lippen erschien. Sie hatten sich immer etwas zu erzählen. Doch das Schicksal wies ihr einen anderen Weg, drängte sie mit seiner eilenden Zeit. Trotzig suchte sie ihren Lippenstift hervor und schrieb eine Nachricht für Max auf den Spiegel.
 
Als Max gar nicht viel später erwachte und sich allein in den Kissen fand, sprang er auf, in der Hoffnung noch einen Kuß von Luisa zu erhaschen. Sie war fort. Als er schließlich das Badezimmer betrat, sprang ihm die knallig rote Schrift auf dem Spiegel sofort ins Auge. Dort stand, garniert mir Herzen: „Ich hasse die Frühschicht!“ Und Max dachte lachend: „Ich liebe meine Frau.“     

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Buch von Christiane Mielck-Retzdorff:

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Trug und Wahrhaftigkeit: Eine Liebesgeschichte von Christiane Mielck-Retzdorff



Zum wiederholten Mal muss sich die Gymnasiastin Lisa-Marie in einer neuen Schule zurechtfinden. Dabei fällt sie allein durch ihre bescheidene Kleidung und Zurückhaltung auf. Schon bei der ersten Begegnung fühlt sie sich zu ihrem jungen, attraktiven Lehrer, Hendrik von Auental, der einem alten Adelsgeschlecht entstammt, hingezogen. Aber das geht nicht ihr allein so.
Die junge Frau muss gegen Ablehnung und Misstrauen kämpfen. Doch auch der Lehrer sieht sich plötzlich einer bösartigen Anschuldigung ausgesetzt. Trotzdem kommt es zwischen beiden zu einer zarten Annäherung. Dann treibt ein Schicksalsschlag den Mann zurück auf das elterliche Gut, wo ihn nicht nur neue Aufgaben erwarten sondern auch Familientraditionen, die ihn in Ketten legen.

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