Norbert Wittke

Weihnachtliche Vorboten



Seit  Wochen riecht es in den Supermärkten schon nach Weihnachten. Lebkuchen, Zimtsterne, Anisgebäck und Spekulatius verströmen ihre künstlichen Gerüche, die den Kunden zum Kaufen überreden sollen. Die Männer mit den weißen Bärten schnarchen noch aus Schokolade vor sich hin, bis sie aus Werbegründen vor dem Fest sich vermenschlichen.

Mitautoren von denen ich das ganze Jahr über kaum was höre, bieten mir auf einmal ihre Bücher mit dem Hinweis auf das Fest zum Kauf an. Verlage, die bisher alles von mir ablehnten, wollen mir ihre Schinken verkaufen.

Auch in den Seniorenwohnpflegeversorgungsgeldabschöpfheimen wird wieder Aktivität vorgegeben. Vorleser stürzen sich auf die alten Leute, um ihnen alles vorzulesen, was es für betagte Senioren so gibt. Auch ich habe auf diese Art bereits Sterbehilfe geleistet, in dem ich meine Texte vorgetragen habe. Doch ich merkte bald, dass dieses alles Alibiveranstaltungen sind. Alles was nicht weglaufen kann wird in den Vorleseraum geschoben und dämmert vor sich hin. Mit zwei sehr guten Mitpoetinnen habe ich das einige Male erlebt. Von 40 anwesenden Personen konnten etwa drei den Vorträgen noch folgen. Ich musste beim Zuhören lächeln, wenn sie sich lautstark dabei unterhielten und in etwa so fragten: "Macht die Alte eigentlich noch lange mit ihrem Verzell?"  Dann kam letzten Endes noch dazu, dass wir für die getrunkene Tasse Kaffee in einem sehr großen Heim noch zahlen mussten, wo sonst von alles von uns mit  Anfahrt und Lesung kostenlos geleistet wurde.

Es kommt auch wieder die Zeit der Chöre und das Musizieren der einzelnen Musikschulen. Spätestens da weiß man, dass es eine Gnade sein kann, wenn man im Alter schwerhörig wird. So bleibt einiges erspart, was einem sonst gegen den Höhrgenussstrich geht. Ich habe Chöre erlebt, da hätte ich am liebsten den Saal geflutet.  Aber auch für die Kleinen muss man etwas übrig haben, wenn man gewisse Disharmonien ertragen will. Aber Übung macht ja den Meister.

Also empfehle ich allen Leuten schon mal zu basteln, was man jemandem verschenken will, den man nicht leiden kann. Oder fleißig unnütze Dinge einzukaufen, die keiner im Prinzip brauchen kann, und wo der Umtauschgedanke schon einbezogen wird. Ich empfehle da lieber gleich Verrechnungsschecks, denn Gutscheine werden oft auch nicht gerne eingelöst, weil der  Erlös ja bereits vereinnahmt worden ist.

Alles Gute wünsche ich jetzt schon beizeiten zu Weihnachten. Wenn sie noch gut hören können und in einem Heim leben, besorgen sie sich schon vorsorglich einen Hörschutz, denn Dichter und Denker und Musikanten werden sie auch dieses Jahr heimsuchen.

28.09.2010                         Norbert Wittke

Diesen Beitrag empfehlen:

Mit eigenem Mail-Programm empfehlen

 

Die Rechte und die Verantwortlichkeit für diesen Beitrag liegen beim Autor (Norbert Wittke).
Der Beitrag wurde von Norbert Wittke auf e-Stories.de eingesendet.
Die Betreiber von e-Stories.de übernehmen keine Haftung für den Beitrag oder vom Autoren verlinkte Inhalte.
Veröffentlicht auf e-Stories.de am 28.09.2010. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

Der Autor:

Bücher unserer Autoren:

cover

Ein tiefes Blau - Berlin von Heiger Ostertag



Während eines Berlinaufenthalts lockt eine schöne Unbekannte den Schriftsteller Alexander Veldo in die Räume einer Vernissage. Dort wird er mit einem Bild konfrontiert, das ihn völlig in den Bann schlägt. Am nächsten Morgen ist das Gemälde verschwunden. Die Suche nach dem Bild führt Veldo tief in die faszinierende und vielfältige Welt der Kunst. Im Kunstmilieu selbst begegnen ihm Anne, Julia und Antonie, drei sehr eigenwillige Frauen, mit denen bald ein verwirrendes Beziehungsspiel beginnt. Im Hintergrund des Geschehens agiert der Händler Panduli, der Veldo für seine zwielichtigen Kunstgeschäfte zu nutzen sucht. Veldo macht sich in seinem Auftrag mit Julia auf die Suche nach dem verlorenen Bild. Auf der Reise intensiviert sich das kunstvolle Spiel ihrer Verbindung. Doch bald zerstören Pandulis dunkle Geschäfte die Idylle. Julia verlässt ihn und Veldo lebt kurz mit Anne und dann mit Antonie zusammen. Eine unbestimmte Drohung lastet über den Beziehungen, vor der Veldo nach Ägypten flieht. Vergeblich, denn während einer Schiffsfahrt auf dem Nil treten ihm erneut Anne, Antonie und Julia entgegen und Veldo verliert sich mit ihnen in einer surrealen, Angst erfüllten Traumwelt, aus der er nur mit Mühen entkommt. Schließlich kehrt er mit Anne nach Deutschland zurück, aber ihre Beziehung scheitert erneut. Monate vergehen, die er mit der Verarbeitung und der Niederschrift seiner seltsamen Erlebnisse verbringt. Und eines Tages macht Veldo eine eigenartige Entdeckung.

Möchtest Du Dein eigenes Buch hier vorstellen?
Weitere Infos!

Leserkommentare (8)

Alle Kommentare anzeigen

Deine Meinung:

Deine Meinung ist uns und den Autoren wichtig!
Diese sollte jedoch sachlich sein und nicht die Autoren persönlich beleidigen. Wir behalten uns das Recht vor diese Einträge zu löschen!

Dein Kommentar erscheint öffentlich auf der Homepage - Für private Kommentare sende eine Mail an den Autoren!

Navigation

Vorheriger Titel Nächster Titel

Beschwerde an die Redaktion

Autor: Änderungen kannst Du im Mitgliedsbereich vornehmen!

Mehr aus der Kategorie "Glossen" (Kurzgeschichten)

Weitere Beiträge von Norbert Wittke

Hat Dir dieser Beitrag gefallen?
Dann schau Dir doch mal diese Vorschläge an:

Link- oder rechtslahnisch von Norbert Wittke (Glossen)
Ab in den Keller von Norbert Wittke (Glossen)
Ein Amerikaner in Paris von Rainer Tiemann (Erinnerungen)