Letztes Wochenende...
Das Wetter versprach schön zu bleiben....so sagte es jedenfalls die Wetterfee im Radio.
Na ja...es sollte ja auch keine große Tour werden...so über eine Nacht hinweg bis zum nächsten Abend.
Viel zu Essen brauchte ich ja dann wohl nicht mit zu nehmen.
Schmierte mir ein paar Brote...einige Äpfel und eine handvoll Walnüsse.
Mein Ziel sollte der Venekotensee sein...nicht weit entfernt von dem Ort wo ich wohne...vielleicht so 28 Kilometer.
Es ist ein wunderschöner See...eingebettet in kleineren Wäldchen und von etlichen Feldern umzingelt...die jetzt alle mehr oder weniger leer sind...abgeerntet.
Viel kam in meinem Rucksack nicht hinein.
Ein Handtuch...eine dünnere Wolldecke...und mein Schlafsack...das mußte reichen. In den zwei Außentaschen kamen was absolut wichtig ist...Verbandszeug..und Nähzeug...sowie mein Allzwecksmesser und mein indisches Buschmesser...Kuhkri...das auf all`meinen Reisen dabei war...ein zuverlässiges Werkzeug.
Ich nahm mir einen Sack... Zunder... mit...das ist die grobe Faser eines Steinpilzes...den ich jedes Jahr sammle und vorpräpariere.
Wofür ? Dieses mal...wollte ich mal mein Feurer so wie in Urzeiten entfachen...dh...reiben mit Hölzchen.
Ist mir in der Vergangenheit einige male gut gelungen...dennoch...nahm ich sicherheitshalber ein Feuerzeug mit...so als Raucher und so ...grins.
Ich fuhr mit dem Bus in Richtung Niederkrüchten.
An der Burg Born angekommen...wollte ich den Rest wohl zu Fuße bewältigen...wer rastet der rostet. Na ja...meinen Hexenschuss...mit den ich mich eine Woche abquälte...war noch nicht ganz weg...es schmerzte noch etwas...aber es ging schon.
Eine riesige Wiese mußte überquert werden...die im Sommer herrlich war...voll mit Wildblumen und Kräutern...jetzt war sie mehr ein Sumpfgebiet...durch den dauernden Regen. Und so war das Vorankommen auch recht mühsam. Dann kam ich auf meinen Weg.
Ich sage meinen Weg...weil ich ihn schon hunderte male gegangen bin.
Dies`ist nämlich die Gegend...wo ich damals die historischen Artefacte aus der Karolingerzeit...Karl d. Großen...800 n.Chr...in der Tonwand gefunden hatte...und wo ich auch die Geschichte...als Themenvorlage von Simone...das Wunder der Kelten...geschrieben hatte.
Ich wollte erst einmal durchatmen...mich freilaufen...die letzten zwei Wochen waren sehr hart für mich.
Also entschied ich mich...ganz langsam und bedächtig den Venekotensee zu umrunden....was ich auch tat.
Eine einfach himmlische Gegend...auch jetzt im Herbst...oder besonders jetzt im Herbst.
Die Waldwege zugedeckt mit buntem Laub...rot ...grün... braun... und meliert. Einige Eichhörnchen liefen noch kreuz und quer...hin und her...
sie suchten ihren Wintervorrat...Haselnüsse...Walnüsse...die letzten Bucheckern...die meisten waren schon feucht und verfault.
Auf meinen Rückweg...werde ich wohl eine große Tüte Walnüsse mitnehmen...davon gibt es hier reichlich.
Es war nicht viel Betrieb...die Menschen saßen wohl lieber in der warmen Wohnung.
Wie oft hatte ich diesen See schon durchschwommen...in jüngeren Jahren...jetzt weiß ich nicht...na ja...vielleicht.
Zwei Stunden dauerte die Umrundung des See`s.
Nun wollte ich doch wohl meine Fundstelle aufsuchen...die alte Tongrube...deren Wände und Boden im Sommer gleißend in der Sonne strahlten...hier wollte ich rasten und auch übernachten.
Ich lief den Weg hoch...ich lief den weg `runter...und wieder `runter und hoch...hä...wo war den die Tongrube ?
Direkt am Weg stand ein Hügel...den ich immer für ein Hügelgrab hielt. Wer weiß...vielleicht...bei uns fand man einige in der Gegend.
So auch daß fränkische Grab eines Fürsten in Krefeld...Gellep.
Da..da war der Hügel...aber wo bitte die Grube ?
Ja...doch...sie war schon da...nur sah man sie nicht mehr.
Im laufe der Jahre war sie zugewachsen...ein mittelgroßer Wald...ein Mischwald...aber haubstsächlich Birken...zeigten sich meinem Auge.
Also durchstreifte ich diesen...der Boden war dennoch immer noch heller Sand. Dann sah ich sie meine Hänge...die wohl kleiner geworden waren...durch Erdrutsche.
Aber egal...hier wollte ich mein Lager aufschlagen.
Es roch so wunderschön nach Wald...nach feuchtem Laub...nach verrotetem Farn. Und auch nach Pilzen...die wenigsten waren eßbar...aber egal...der Duft war eine Wohltat für meine Nüstern...äh...ich meine für meine Nase.
Aber es müssen wohl auch einige Stinkmorchel dabei gewsen sein...deren Duft...pfui...Gestank...alles andere als himmlisch war.
Auszupacken hatte ich ja nicht viel...also machte ich erst mal ein Feuer...äh...ich versuchte es. Passende Hölzchen...in einem rieb ich mit einem Stein ein Loch hinein...so das das andere darin passte...Zunder drauf...und reib...reib...reib...mir taten schon die Hände weh.
Nach einiger Zeit...drehte ich mich verstohlen um...so als wenn ich sichergehen wollte...das mich keiner beobachete...zog das Feuerzeug...
betätigte das Rädchen...kritsch...kritsch...und schon stand der Zunder in hohen Flammen.
Yääääh...hurra...es brennt...ich habe es geschafft...bin ich nicht gut?
Neo- Neanderthalensis. Alles Macht der Technik.
Machte mir einen Tee in meinem Aluminiumtopf...der tat gut.
Es wurde dunkel...der letzte Vogel war schlafen gegangen...und andere Bewohner erwachten dafür. Man hörte rascheln im Laub...vielleicht ein Igel...eine Blindschleiche...ein Hase...wer weiß ?
Ich hielt das Feuer so lange wie möglich an...hier konnte keiner den Schein der Flammen sehen...ich war zu weit im Busch.
Ich lag in meinem Schlafsack...und dachte an die Geschichte...die ich für Simone geschrieben hatte...das Wunder der Kelten...und lächelte zufrieden in mich hinein. Genau an diesem Ort spielte das Geschehen...die Story...hier war es schön...hier war ich gerne.
Nachts begann es leicht zu nieseln...also schlug ich einige Zweige ab...und baute mir Ruck-Zuck so eine Art provisorischen Iglu...das reichte...ich blieb trocken bis zum anderen Morgen.
Als ich am anderen Morgen erwachte...war mein Haar klamm...Tautropfen an der Nasenspitze...und meine Plastiktüte...mit den Walnüssen war leer.
Hatte ich also doch Besuch gehabt...in der Nacht... Eichhörnchen sehr wahrscheinlich.
Das Wetter war wieder super...ich packte alles zusammen...war zufrieden...und begann meinen Weg zu Fuß nach Hause...Sonntag Abend war ich wieder in Mönchengladbach...trank ein zwei Bier...und setzte mich an den Computer.
Ach ja...liebe Leute...war wohl nicht so spannend...aber es war schön...
euer Rudevicus !
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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 04.10.2010.
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