Die nächtliche Einsamkeit täglich bevölkerter Strassen oder Plätze entfaltet ihre eigenen Formen einer unbekannten und dennoch nahen Melodie. Man beginnt sich selbst zu betrachten ohne dabei irgendwelche Fragen zu stellen. Alle Sinne fliessen ineinander zu einem Bild dieser momentanen Realität. Fast scheint Glück aus den leuchtenden Laternen zu fallen und der Mond nimmt eine Pause im Tanz um seine Wolken.
Stille beschreibt, oder entsteht aus solchen Momenten, sie entläßt ihr Wirken in menschliches Streben durch Gleichklang der Zeit. Es gibt so viele Dinge, die uns Angst machen, selbst Möglichkeiten der Natur mitten in der Stadt. Nur spielt dabei weder Masse, noch die Einsamkeit eine Rolle, es bleibt doch stets die fehlende Möglichkeit einer Betrachtung unserer selbst. Stillstand an Orten lebendiger Regung verführen in Tiefen unserer Spiegel als Bild durch Freud oder Leid.
Eine Metapher lang eingespielter Systeme regelt diese scheinbar auf regenbogenfasern zementierte Gleichung durch sich selbst. Alles scheint gut. Zeit relativ. Kein Morgen graut, und im Hochhaus brennt noch Licht.
Manchmal bedeutet alles nichts, dann kann man gut sehen und noch besser schlafen. Ein Friedhof scheint dann friedlich, und eine Ampelkreuzung wie der Feuerplatz einer noch nicht entdeckten Gemeinschaft im Urwald. Steine empfinden ihr Bewußtsein mitten in Gebäuden und beginnen zu tanzen, zu schunkeln und wanken. Manchmal lächelt ein alter Baum zwischen neuen Gedanken hervor und alle Getränke behalten in der Box ihre Temperatur.
Gestern saß ich also um drei Uhr nachts auf den Stufen vom Reichstagsgebäude. Die Geschichte spielte in diesem Moment genauso keine Rolle wie die aus ihr entstandene Gegenwart. Ich hatte Angst, entdeckt und verscheucht zu werden, doch der Moment hielt mich fest. Alles war gut. Kein Mensch um mich her. Die Wolken baten zum letzten Tanz . Der Mond schient fast zu lächeln, und ich ging still nach Hause.
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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 15.10.2010.
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