Hans Witteborg

Überraschung

Überraschung….
 
 
Der Hauspoet denkt nicht nur ökologisch, was er im Nachgang zu seiner Jägerprüfung mittels eines Umweltzertifikates bestätigt bekam, nein, er denkt und handelt auch ökonomisch. Zumindest hat er dies geglaubt, bis er auf die Werbung eines neuen Handys (mit Vertrag) hereinfiel.
Allein schon das Wort „Handy“ hätte ihn zur Vorsicht gemahnen sollen. Immerhin ist ein Handy gewissermassen ein Unding. Handy soll englisch oder amerikanisch vortäuschen, schliesslich sind Anglizismen – Verzeihung – „in“. In beiden Ländern kann sich darunter aber niemand etwas vorstellen. Man könnte evtl. noch hand hold phone sagen aber gebräuchlich und verstanden wird mobile phone.
So viel zu unserer oft bewunderten adaptiven Kraft, die man auch Verballhornung nennen könnte. Dennoch, trotz Abschweifung – geht es in meiner Geschichte um ein Handy – aber da es sich um eine rein deutsche Sprachschöpfung handelt, schreibe ich es von nun an auch so, nämlich Händi.
Wie immer man das Ding auch nennen mag, es geht um eine faszinierende Technik, für die der Hauspoet schon immer ein außerordentliches Interesse entwickelt hat. Dies auch im fortgeschrittenen Alter. Das erklärt in etwa, warum ein ökonomisch, nicht dem Konsum
verfallener Mensch (sh. mein Gedicht: Konsum)* die Beute von cleveren Marktstrategen wurde. Das geschah nur, weil ich mich auch- aus Eitelkeitsgründen - aus der Deckung wagte.
Natürlich hatte ich vorher schon ein Händi – pre paid Karte – um mich auch der jüngeren Generation verständlich zu machen. Jedes Mal jedoch, wenn ich zu unserem Kameradentreffen ging, hänselte (Wortspiel mit meinem Namen, toll was?)man mich mit der Frage, ob ich wieder meine Telefonzelle mit dabei hätte.
Nun ich gestehe, klein im Sinne von winzig war mein Mobiltelefon nicht. Aber mit Händen etwa so gross wie ein mittlerer Klodeckel konnte man es schon halten, zumal die Nummern-Tastatur auch mit etwas ungelenken Fingern zu bedienen war. Aber etwas bewundernd fielen meine Blicke schon auf jene kleinen Dinger mit guter Leistung und gut verstaubar so wie sie von meinen Kameraden mit bitte ganz, ganz spitzen Fingern benutzt wurden. Der Werbeboden für ein derartiges Händi war also entsprechend gut gedüngt. Die Falle schnappte zu und ich wurde per Paketpost Eigentümer und Besitzer eines winzigen, flachen, absolut chicen Händis. Hardware nahezu kostenlos, allerdings mit der Preisgabe sämtlicher persönlicher Daten incl. Ausweisnummer und der Kopie meines letzten Wäschebons.
Habe ich von Paket gesprochen? Das war masslos übertrieben. Es war vielmehr ein Päckchen, dessen Inhalt zu 90% aus Verpackung, etwa 10% aus Netzteil und der Rest (ich war nie gut in Mathematik) aus jenem von mir bewunderten Industrieprodukt bestand….
Was ich in meiner Verblendung nicht ahnte: das Päckchen war die moderne Version der Büchse der Pandora.
 
 
* zur Erinnerung:
Konsum, einmal anders betrachtet
 
Als Sokrates einst in Athen
den Markt betrat, sich umzuseh´n,
da sah er hunderte von Dingen,
die für gewöhnliche Freude bringen.
Doch Sokrates, als weiser Mann,
der sah die Sache anders an.
Er sprach: “dies Riesen-Angebot,
das tut doch wirklich gar nicht Not!
Zum Beispiel sehe ich daran,
auf wie viel ich verzichten kann,
desgleichen merk` ich aber auch,
dass ich von alledem nichts brauch!“
So viel Verzicht tut wirklich gut.
Chapeau, mein Freund, ich zieh den Hut!
Betracht ich allen meinen Kram,
dann überfällt mich fast die Scham.
Andersherum bin ich indes
nicht Philosoph, wie Sokrates!
Vielleicht konnt` der es sich nicht leisten?
Zerfrass der Neid ihn, wie die meisten?
Er gilt doch heut` noch als Genie,
das Ende wär ´s mit Philosophie!
Ich wag´ es mir kaum auszudenken,
und werd` mich deshalb drauf beschränken,
auf´ s Recht, dass jeder auf der Erde
nach seiner Facon selig werde.
Das Letztere ist ein Zitat,
das Preussens Friedrich einstmals tat.
 
 
 
 
Da lag es also vor mir im schmucken Silberdesign, flach wie ein Pfannkuchen. Ich nahm es respektvoll in die Hand, es war schwerer als gedacht, denn es hatte nicht jene ordinäre Plastikschale, sondern war aus edlem, gebürstetem Metall! Ich drehte und wendete es, suchte die Tastatur. Aha, natürlich – man musste es aufklappen.
Vorsichtig zwängte ich meine Fingernägel in die erkennbaren Einkerbungen und zog. Nichts rührte sich – nach etwa 10 bis 15 neuen Versuchen in immer anderen Varianten, öffnete sich die Oberschale. Ich klappte sie aber nur halb auf und verschloss sie unter strenger  Beobachtung  ganz behutsam wieder, um so hinter das Geheimnis der Konstruktion zu gelangen. Geht doch! Nun schlug ich die obere Hälfte mutig ganz zurück. Es offenbarte sich die Tastatur oder besser die Tastaturfolie. Nichts stand vor, weder unten noch oben. Kein Wunder – Händis sind weder männlich noch weiblich, sie sind neutral: das Händi. Wieso diese Feststellung? Ich beschloss es spontan  Détlef zu nennen. Es ist nämlich eine Eigenart von mir Dinge, zu denen ich eine persönliche Beziehung aufzunehmen gedenke, mit Namen zu versehen.
So heisst mein Computer z.B. „Martin Luther“, weil mein Arbeitsgerät mindestens genau so halsstarrig ist, wie jenes Mönchlein, das unbeugsam sagte: “hier stehe ich, ich kann nicht anders.“
Aber ich schweife ab. Zurück zum Händi Detlef. Ich überflog die Tastatur. Die Ziffern 1 bis 0 waren vorhanden – man wird ja mit der Zeit misstrauisch, ebenfalls sah ich eingravierte Buchstaben, so wie eine Anzahl rätselhafter Funktionstasten mit für mich unverständlichen Symbolen. Nirgendwo ein „on“ oder „off“, wie man es von einem internationalen Produkt wohl erwartet hätte.
In der oberen Schale ein dunkles Etwas, vermutlich das Display. Ich drückte zunächst einige von den Symboltasten, hoffend, dass ich eine Einschaltmimik erwischte. Es blieb alles dunkel!
Natürlich Akku leer, vermutete ich als inzwischen mit elektronischen Tücken vertrauter Anwender. Her mit dem Netzteil und dem winzigen Stecker für das Händi, Detlef auf entsprechende Vorrichtung untersucht  - plug in, wie man als Profi sagt. Tastendrücken. Es wird mir blitzschnell klar: Detlef mag mich nicht.
Ich klappe das Händi etwas energischer als ich es geöffnet habe wieder zu.
Auf einem kleinen Fenster, dem bisher nicht beachteten Deckeldisplay wird es hell. Es erscheint eine stilisierte Batterie und, oh Wunder, in deutsch darunter eine Mitteilung: AKKU VOLL.
Auch ich habe voll – nämlich meine Schnauze! Ich suche die Bedienungsanleitung im Verpackungsmüll. Sie ist nicht dabei!! Was ich finde ist die Rechnung mit der Erwähnung der HOTLINE des Lieferanten.
HOTLINE…….das klingt nach schneller Hilfe. In Wahrheit ist es jedoch eine Erfindung des Teufels.
(kein Wunder, das Wort hot bedeutet ja heiss… auf was man nicht alles achten muss……..
 
 
Ich wählte also die Nummer Luzifers – wollte sagen der Hotline. Dies mit einem Telefon, das ich seit Jahren schon einwandfrei bedienen konnte. Zu meiner Überraschung meldete sich auch nach kurzer Zeit eine ausnehmend sympathische Stimme. „XYZ-Pone – Angelika Maihof  am Telefon (wo sonst?) – was kann ich für Sie tun?“ „ Ich habe bei Ihnen ein Händi bestellt.. und nun  Weiter kam ich nicht. „Bitte nennen Sie mir  die Nummer Ihres Personalausweises,“ flötete es zurück. Wohl dem, der die im Kopfe hat, bin ich Gedächtniskünstler? „Moment, gleich“, wagte ich zu sagen und fing an zu suchen. Ich hab´s – mein Triumph war nur von kurzer Dauer, die Verbindung beendet.
Ich wählte erneut die im übrigen nicht kostenfreie Nummer. Besetzt. Erneuter Versuch: besetzt. Nach vielen Fehlanläufen meldete sich eine Computerstimme:“Unsere Beraterplätze sind derzeit besetzt – bleiben sie bitte am Apparat  - please hold the line. Danach die Kleine Nachtmusik. Macht nichts, ich liebe Mozart. Nach einer Ewigkeit die Computerstimme: please hold the line. 2. Satz der Kleinen Nacht Musik – ich liebe Mozart. Zwischendurch: please hold the line. Danach schon die CODA – man lernt auch Mozart zu hassen.
Achtzehn Euro und 3o Cent weiter endlich eine kompetent klingende Männerstimme – ohne Namensnennung. Anonymität schützt, wenn der Blutdruck des Kunden bedrohliche 210 hectopascal erreicht hat.
So weit meine Wut eine sachliche Schilderung meines Problems zuliess, erklärte ich mein Anliegen. Am Ende der Leitung ein leicht unterkühltes .“bitte Ihre Personalausweis-Nr.
Ha, hab ich dich, triumphierend schmetterte ich meine Identität in die Sprechmuschel. Reaktion:“schreien Sie nicht so!“ Abbruch des Gesprächs. Wieder die Computerstimme: „Wenn Sie Informationen über unser Produkt wünschen, drücken Sie die 1, bei Beratungswunsch drücken sie die 3, für Finanzfragen bitte die 4, bei Reklamationen bitte die fünf. Ich drückte, ihr habt es erraten, die fünf.
Erneute Computerstimme:“Wir danken Ihnen für Ihren Anruf. Bitte beurteilen Sie unseren Service. Wenn sie sehr zufrieden waren, drücken sie die Eins…..ich wartete nicht ab und drückte die Sechs.
Mein altes Telefon ist clever, es hat eine Wiederholtaste. Ich bombardierte die Firma YXZ-Phone so lange, bis auch Mozart die Geduld verlor und ich meinen kompetenten Sachbearbeiter wieder am Telefon hatte. Dieser war allerdings nicht untätig gewesen, hatte meine Bestelldatei anhand meiner Personalausweisnummer am Computer aufgerufen (der Terrorabwehr sei Dank) und gefunden und er verkündete nicht ohne Arroganz, dass Bedienungsanleitung und SIM-Karte für mein neues Händi mit getrennter Post, dies aus Sicherheitsgründen, zu mir auf dem Wege sei.
SIM- Karte…das klang so nach SIM-salabim.
Befürchtungen sind dazu da, dass man sie hat, sie haben den Charakter sich selbst erfüllender  Prophezeiungen….
 
 
Meine Befürchtungen waren der Deutschen Post ziemlich egal. Der braune Umschlag mit dem Schlüssel zum Sesam-Öffne –Dich wurde mir pünktlich gegen Quittungsnachweis zugestellt. Ungeduldig riss ich ihn sofort auf, um dessen Inhalt zu überprüfen, denn mein Gemütszustand hatte jenen Punkt erreicht, an dem es Freude gemacht hätte, das Hotline-Männeken so richtig, aber wirklich so richtig zur Sau zu machen. War nix.
Es gab keinen Anlass dazu – alles war komplett vorhanden: Bedienungsanleitung, der Chip, auch SIM-Karte genannt, und im Begleitschreiben meine geheime PIN-Nummer, der Schlüssel zur Glückseligkeit.
Ich hätte zufrieden seien können, war es aber nicht. Vielleicht deshalb, weil ich ahnte, welche Prüfungen mir noch bevorstanden?
Aber ich hatte auch gelernt. Und so tat ich den ersten Schritt, den ein Vernunft  begabtes Wesen von vornherein getan hätte: ich nahm mir die Bedienungsanleitung – eine mehrsprachige Fibel - vor und schaute unter der Rubrik „G“ (schwarz, rot, gold) für „Germany“, also Deutschland nach.
Die Einleitung begann mit einer Danksagung des Herstellers. Das wunderte mich nicht. Alles, was in den USA zu Papier gebracht wird, beginnt mit einem Dank – Amerikaner sind höfliche Menschen und…. zudem Patrioten!
So fiel die Lobpreisung denn auch entsprechend langatmig aus, weil auch auf die Historie zurückgegriffen wurde. Man bedankte sich bei den mutigen Pionieren der Mayflower, die alles erst ermöglicht hatten, bis hin zum heutigen Präsidenten – Gott schütze Amerika – und selbstverständlich auch bei den kreativen Entwicklern, die „das beste Produkt seiner Art, das die Welt je sah“ hervorgebracht hatten. Bei den Aktionären, die mit ihren letzten Cents die Finanzierung besorgten usw., usw.. Am Schluss bedankte man sich bei mir – nicht namentlich aber immerhin als Kunde, der noch viel Freude an dem Produkt haben werde. Solchen amerikanischen Versprechen sollte man skeptisch gegenüber treten!
Auf der nun folgenden Seite stand in fetten Versalien – SICHERHEITSHINWEISE –
Sagte ich folgende Seite ??? Die Sicherheitshinweise erstreckten sich über vier, ich wiederhole: vier ganze Seiten.
Es begann wiederum mit einer Einleitung, die besagte, das dieses Produkt ausschliesslich und zwar unabdingbar nur für den vorgesehenen Einsatzzweck zu verwenden sei, ansonsten keinerlei Haftung!! Eine typische salvatorische Klausel spitzfindiger amerikanischer Rechtsanwälte zur Abwendung millionenschwerer Dollars Entschädigungsansprüchen.
Keine Sorge, liebe Lawyers, ich habe nicht vor das Händi z.B. als Auto zu benutzen!
Ich will meine Langeweile beim Lesen weiterer Hinweise nicht auf den Leser übertragen, deshalb nur noch einige, dafür aber relevante Punkte aus den Sicherheitsvorschriften.
„Das Produkt nie in einer Mirowelle erwärmen!“ Niemals!
„Nie jemanden damit bewerfen, da erhöhte Verletzungsgefahr durch das Metallgehäuse“.
„Das Gerät nicht in irgendeine Körperöffnung Stecken!“ (Aha, mein Händi Detlef gibt seine ersten Geheimnisse preis, es verfügt wohl über einen Vibrationsalarm!!)
„Das Gerät ist nicht geeignet als Ausgleichsmaterial zur Stabilisierung wackeliger Tische.“
(dieser Hinweis gilt wohl vornehmlich den unter dem Sternzeichen „Jungfrau“ geborenen Perfektionisten)
„Nicht auf dem Gerät herumkauen – Vergiftungsgefahr durch Schwermetalle.“
Abschliessend:
„Sollten Sie als Anwender mittels unseres Produktes ein Verbrechen planen, empfehlen wir Ihnen, dies lieber mit einem Wettbewerber Gerät zu tun!“
Die Phantasie amerikanischer Rechtsanwälte ist einfach nicht zu toppen. Grossartig! Besser als Hollywood! Ich hatte also erfahren, wozu meine Neuerwerbung nicht taugte. Das war ein erster Schritt. Aber würde ich je herausfinden, welche Geheimnisse mir Detlef noch vorenthielt?
Diese spannende Frage wird wohl in einem anderen Teil der Geschichte beantwortet werden.
 
 
So, Detlef,  jetzt hast du verspielt. Endlich hab ich mich bis zu dem Teil der Bedienungsanweisung durchgelesen, der Substanz verspricht. Als Erstes ist die SIM -_Karte einzusetzen. Ganz einfach… sofern man das Gehäuse öffnen kann. Ich konnte nicht. Ich bin zu blöd. Schweiss tritt mir auf die Stirn, tropft mir brennend in die Augen. Nach etwa einer Stunde oder so, das Zeitgefühl ist mir abhanden gekommen, schlafe ich erschöpft ein.
Irgendwann erwache ich, gestärkt und ausgeruht ist es beim erneuten Versuch kein Problem mehr. Ich unterdrücke meinen Triumph, der aus der Nähe betrachtet eher eine Niederlage war,
ein Phyrrus-Sieg gewissermassen. Der nächste Schritt nach dem Einschalten ist die Eingabe meiner PIN_-Nummer. Endlich habe ich ein Geheimnis, so eines ganz für mich allein. Da kann man sich doch wohlfühlen, oder? Ich gebe die Pinnummer ein. Nee, Nee, nicht gucken die ist geheim (XXXX). Erfolgserlebnis! Auf der Oberschale im Display erscheint etwas. Es entpuppt sich als das Datum und die Uhrzeit – beides falsch aber das interessiert mich im Moment nicht. Aber warum Datum und Uhrzeit? Das Datum erfahre ich täglich aus meinem Soester-Anzeiger, selbst dann, wenn ich dement werden sollte. Schnick-Schnack also – mein Trost, es war im Preis inbegriffen. Uhrzeit? Ich habe mehrere Armbanduhren, eine sogar funkgesteuert. Im Haus gibt es -zig Uhren – ich weiss sehr genau Bescheid, bis auf den Zeitpunkt, wann mir die Stunde schlägt. Das zeigt DETLEF Gott sei Dank auch nicht an.
Aber ich freue mich schon auf den Gesichtsausdruck, wenn mich jemand nach der Uhrzeit fragt, ich in meiner Tasche wühle und erkläre: “ich muss erst mein Händi befragen“ Allerdings erinnere ich mich nicht, dass mich irgendwer jemals nach der Zeit gefragt hat. Wieder ein Punkt weniger zum Angeben!
Ich drücke eine Taste in deren Folge Detlef meint, ich solle eine SMS schreiben. Ich habe in meinem Leben nie eine SMS-Mitteilung verschickt, weil ich der Meinung bin, dass man solche Kurznachrichten auch ebenso gut telefonisch erledigen kann. Mein Schwager Richard hat z.B. aus diesen Gründen die Funktion komplett über seinen Provider sperren lassen. Er nutzt es nicht, also braucht er es auch nicht. “Du würdest doch auch nicht mit einem Rolls Royce zum Lebensmitteleinkauf fahren. Eben, dazu brauchst du ihn nicht, also hast du keinen“. Mein Schwager ist Ingenieur im Ruhestand, er versteht es ausgezeichnet, komplizierte Sachverhalte durch einfache Beispiele aufzuhellen! Nach weiterem Tastendruck erscheint die Klingelfunktion. Ich will weder Pipi Langstrumpfmelodie noch irgendwas Kostenpflichtiges, nein kein Bedarf für die Kleine Nachtmusik (woher diese Aversion??),
ich will doch nur alarmiert werden, wenn ein Anruf kommt. Anklopfen nein, nein. Terminplanung nnneieen!! Staumeldungen … Kinoprogramm…Telefonbuch…. Nein, nein, nein und nochmals nein.
Die nächste Taste führt…… zur Kamera. Tatsächlich, vor mir erscheinen die Bilder meines Umfeldes. Ich habe einen Fotoapparat gekauft! Oder noch besser eine unauffällige Kamera für Spione oder gar Spanner. Detlef, Detlef aber auch, so ein Schlingel!
Ich spiele noch eine Weile mit meinem neuen Fotoapparat herum, dann klappe ich ihn zu und  verberge ihn in der untersten Schublade einer wenig genutzten Kommode.
Darauf fahre ich zu einem „Dritte-Welt-Laden“ und kaufe mehrere mit Ziegenfell bespannte Trommeln. Einige verschenke ich an meine Freunde, das letzte Instrument behalte ich. Meiner Gewohnheit getreu, nenne ich die Trommel (D)RUMSFEL(L)D, in Anlehnung an jenen chaotischen Amerikaner, der für viel Getöse mit verantwortlich ist in der Welt.
In klaren Nächten, wenn der Schall besonders weit getragen wird, sitze ich mit meiner DRUM auf der Terrasse oder dem Balkon und trommele frech wie OSKAR (bitte nein, kein Nobelpreis, es ist ja keine Blechtrommel) so vor mich hin. Nach einer Weile trägt der Wind leise die Antwort meiner Freunde zu mir. Kommunikation pur*.
Wie oft schon hatte ich dem Versprechen eines Anrufbeantworters vertraut, doch vergeblich auf den Rückruf gewartet!! Wie viele E-Mails habe ich versand – ohne eine Reaktion?!!!
Nein, das Ursprüngliche ist ein Wert an sich, so viel steht für mich fest.
Hier könnte die Geschichte eigentlich enden. Doch…..
Eines Tages kam mein Sohn zu Besuch. „Papa zeig mir endlich dein neues Händi!“
Ich kramte es missmutig hervor. Mein Sohn wählte eine Nummer und…..
ÜBERRASCHUNG: man kann mit den modernen Händis auch telefonieren!!!!!
 
 
* für meine Freunde zur Erinnerung mein Gedicht  Dialog
 
Dialog
 
Ein Dialog, der wissen wollte,
warum nicht funktionieren sollte,
was doch in aller Munde war,
analysierte, was geschah.
Er ging dabei sehr weit zurück:
Dia sind zwei, wie Wege zum Glück;
log kommt von logos -  also Wort,
davon sandte er viele fort,
wobei er immer angenommen,
dass diese dann auch angekommen!
Ganz sicher konnte er nicht sein,
denn Reaktion traf selten ein.
Seine  Gedanken – unisono
erklärten hier ging´ s nur noch MONO.
Wenn Antwort ausbleibt in der Masse,
ist DIALOG ´ne Einbahnstrasse.
Was ist zu tun, dacht er schockiert,
dass endlich wieder was passiert?
Die Antwort ihm nicht ganz behagte,
weil sie an seinem EGO nagte.
Damit er sich nicht selbst betrog,
wurd´ er fortan zum Monolog.
So oder ähnlich ist ´s gewesen.
Ich mein´, Hauptsache bleibt, man wird gelesen.
 
 
 
 
 

Jeder, der schon mal eine Bedienungsanleitung eines Amerikanischen Produktes in der Hand hatte, kann sich auf stundenlanges Studium gefasst machen. Verbraucher in Amerikagehören wohl zu einer ganz besonderen Art von Mäusen.Und wer von Euch einmal in der Hotline eines Anbieters war (nicht körperlich natürlich) der kann diese Geschichte nicht lesen, weil er noch am Telefon hängt.

Aus "Schön, dass man noch Träume hat" Dorante Edition Engelsdorfer Verlag
Hans Witteborg, Anmerkung zur Geschichte

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 20.10.2010. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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Vom Ufer aus von Hans Witteborg



Die Gedichte begleiten durch die vier Jahreszeiten und erzählen wie die Natur erwacht, blüht und welkt, wissen von reicher Ernte zu berichten. Der Spätsommer im Park, winterliche Gefilde oder Mailandschaften scheinen auf. Der Autor verwendet meist gereimte Zeilen, zeigt sich als Suchender, der neues Terrain entdecken möchte. Der Band spricht von den Zeiten der Liebe, zeigt enttäuschte Hoffnungen und die Spur der Einsamkeit. Wut und Trauer werden nicht ausgespart. Es dreht sich das Kaleidoskop der Emotionen. Der kritische Blick auf die Gesellschaft und sich selbst kommt zum Zuge. Kassandras Rufe sind zu hören. Zu guter Letzt würzt ein Kapitel Humor und Satire. So nimmt der Autor seine Zettelwirtschaft aufs Korn, ein hoffnungsloser Fall.

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