Alexander Kraut

Die Abenteuer des Nathan Hawk (Teil 1)

Er stand auf dem Achterdeck, die Hände hinter dem Rücken, und betrachtete das geschäftige Treiben unter ihm. Gerade hatte ein Leichter mit Wasser neben der Brigg festgemacht und die Männer, seine Männer, beeilten sich das jetzt noch frische und später faulig schmeckende, Trinkwasser zu übernehmen.
Er nahm sein Teleskop und warf einen Blick auf die großen kannonenstarrenden Kriegsschiffe. Keine zwei Kabellängen entfernt lichtete gerade die Prince, ein 98 Kanonenschiff, seinen Anker. Sie wahr die neueste Errungenschaft der Royal Navy, vor etwa einem Jahr in Dienst gestellt war sie ein beeindruckendes Beispiel für die gute Arbeit die in den englischen Werften geleistet wurde. Seine kleine Swift hatte keine 100 Kanonen, nein, sie hatte mal gerade 8 kleine 4 pdr. , hinzu kamen die ungewohnten, klobigen kleinen 24 pdr. Karronaden, von denen die Brigg sechs auf dem Achterdeck und zwei im Bug montiert hatte, um das Gewicht der Breitseite zu erhöhen. Ihr Breitseitengewicht belief sich auf 112 Pfund. Aber die größte Waffe der Swift war ihre Geschwindigkeit, ja sie machte ihrem Namen alle Ehre. Sie konnte, wenn sie Vollzeug setzte und der Laderaum leer war 11 Knoten laufen.
Neidisch sah er auf die Boyne und dachte zurück an sein letztes Kommando die Fregatte Hawk. Sie war ein gutes Schiff, mit einer hervorragenden Besatzung und 36 ausgewachsenen 18 pdr Geschützen gewesen. Sie hatte die elegante Linienführung eines Schiffes das in Frankreich gebaut wurde besessen und hatte ihm viel Prisengeld eingebracht.
Aber das war vorher, vor seiner katastrophalen Entscheidung und der Entlassung aus der Marine. Er sah immer noch seinen treuen ersten Offizier vor sich wie er von einer Kugel an den Großmast geschleudert wurde. Sie hatte ihm das Becken gebrochen und sein linkes Bein abgerissen. Jeder andere wäre auf der Stelle tot gewesen, aber Fitzpatrick feuerte seine Leute weiter an, er hatte immer alles getan wie sein Kommandant es wollte und hatte auch zu diesem Himmelfahrtskommando zugestimmt. Einmal hatte er ihn sagen hören: "Wenn uns Nat führt wird schon alles glatt gehen, bis jetzt hat er uns ja doch immer einen hübschen Batzen Prisengeld beschert." Fast hätte er sich dem Rum hingegeben und sein weiteres Leben sinnlos versoffen, der Verlust seines besten, und einzigen Freundes hatte ihn, zusammen mit dem Kriegsgerichtsverfahren und seiner Entlassung aus der Marine, fast wahnsinnig gemacht.
Er hatte ein kleines Vermögen mit Prisen gemacht und hatte dieses Geld in seine Zukunft investiert, das heißt in das woraus er sich eine neue Zukunft aufbauen wollte. Er war früher trotz des üppigen Prisengeldes immer bescheiden gewesen und hatte nie mehr ausgegeben als er benötigte, so war er auch mehr als einmal von seinem Admiral angefahren worden, weil sein Schiff einen heruntergekommenen Eindruck machte. Der Hawk hatte es an jeglicher Goldfarbe oder anderen Verzierungen gefehlt und auch seine Kajüte war nur mit den einfachsten aus Segeltuch gefertigten Möbeln ausgestattet gewesen. Aber er hatte immer auf einen kleinen Grundbesitz in Cornwall gespart. Er hatte von einem kleinen Gutshof geträumt mit einem Stall, ein paar Hektar Feld und Wiesen und ein paar Angestellten. Kein so großer Besitz wie ihn andere hatten, sondern nur ein Kleiner mit Blick auf die Küste. Aber dieser Traum war für ihn in weite Ferne gerückt. Sein ganzes Geld hatte er in eine Brigg gesteckt. Er hatte sie selber genommen und als die Admiralität sie nicht übernehmen wollte hatte er nicht lange gezögert und sie sofort gekauft. Dann hatte er sich von den Behörden einen Kaperbrief ausstellen lassen, das hatte ihn 50 Pfund gekostet; und er wurde das Gefühl nicht los das man ihn damit ganz schön über den Tisch gezogen hatte. Zuletzt hatte er in jeder Kneipe in Jamaika versucht ein paar Seeleute aufzutreiben, aber was er an guten, oder besser gesagt an annehmbaren Matrosen fand waren ein alter Säufer dem ein Auge fehlte, ein zu kurz geratener Holländer den es, wer weiß wie, nach Jamaika verschlagen hatte und einen ehemaligen Marineoffizier der wegen Insubordination und Trunkenheit aus dem Dienst entlassen worden war. Kurz und gut seine Mannschaft bestand aus einem kleinen Haufen Säufer. Doch das Problem mit der Trunkenheit hatte er sehr schnell unter Kontrolle, zwanzig Meilen Nördlich von Jamaika lies er den gesamten Alkohol, etwa 150 Gallonen, über Bord kippen. Die Hälfte seiner Besatzung lag danach zwar mit Schüttelfrost und Entzugse! rscheinu ngen für zwei Wochen im Lazarett, aber danach hatte er eine halbwegs normale Besatzung. Auf dem Weg nach New York hatte er sie an den Segeln und Kanonen exerzieren lassen und es war ihnen gelungen zwei kleinere spanische Handelsschiffe aufzubringen, im Gegenzug mussten sie jedoch vor einem Kutter der Küstenwache fliehen, da seine Mannschaft beim Anblick eines kampfwilligen Schiffes das auf sie schoss keine zwei Schüsse in sechs Minuten hervorbrachten. In New York war es ihm gelungen einige gute Seeleute an Bord zu nehmen; alles Royalisten die sich irgendwie retten wollten, um dem Hass und der Rache ihrer rebellischen Brüder zu entgehen. Bis zum Ende des Krieges ging er weiter auf Kaperfahrt, unternahm aber auch Transporte und Eskorten für Handelsschiffe. Damit hatte er auch weiter gemacht als der Krieg vorbei gewesen war und er lebte gut davon. Er trug noch immer seine alte Uniform, jetzt jedoch ohne die goldenen Aufschläge und Knöpfe. Diese hatte er durch weniger auffällige aber trotzdem elegante Silberne ersetzten lassen.
Er nahm seinen Dreispitz setzten ihn sich auf den Kopf und gab das Teleskop dem Segelmeister.
„Mr. Kirby, lassen sie bitte den Kutter aussetzen. Ich muss noch ein Mal an Land und mit unseren Auftraggebern die letzten Details besprechen. Sollten sie mit der Wasser Übernahme fertig sein bevor ich zurück komme, verholen sie bitte schon zu dem Pier dort drüben und fangen damit an unsere Ladung auf das Schiff zu verfrachten.“ Der alte Ire schaute ihn an und erwiderte: „Aye. Hab mir die Freiheit genommen den Kutter mit samt Besatzung längsseits bringen zu lassen.“ Mit einem vielsagenden Blick zum Himmel setzte er hin zu: „Sollten ihren Mantel mit nehmen. Fängt in spätestens in einer Stunde an aus Kübeln zu schütten.“
Kritisch warf Hawk einen Blick zum Himmel. Er konnte keine Anzeichen von Unwetter erkennen und sie waren immerhin nicht in Westindien wo das Wetter von jetzt auf gleich umschlägt, sondern in Portsmouth. Er knickte nur etwas verwirrt und gab damit dem alten Iren zu verstehen, dass er seinen Rat befolgen werde, wenn er auch nicht verstand wie er darauf kam, dass das Wetter sich ändern würde.
Schnell hatte er seinen Wachmantel gefunden und auch noch, der Teufel weiß was ihn dazu trieb, seinen Kavalleriesäbel umgeschnallt. So stand er nun an der Fallreepspforte und sah noch einmal auf die Arbeiten an Bord. Früher wäre er von der Seite gepfiffen worden, mit Trommeln und Marines und allem was dazu gehörte. Jetzt nahm kaum einer Kenntnis davon das er das Schiff verließ. Langsam ließ er seine Hand über das von der Sonne ausgedörrte und vom Salzwasser angegriffene Holz gleiten. Dann stieg er schnell in das Boot und ließ sich zum Kai rudern. Er gab dem Bootsführer die Anweisung auf ihn in der nächsten Kneipe zu warten. Ein paar Schillinge damit die Männer sich auch etwas zu trinken kaufen konnten und dann machte er sich auf den Weg zum Büro der Firma Wilson, Wilson & MacDrought, einem kleinen Handelsunternehmen für das er schon öfter gearbeitet hatte.
Er ging durch die verschiedenen schmalen Gassen an den großen Lagerhäusern der East India Tradinig Company vorbei, folgte seinem Weg in Richtung Marktplatz und machte kurz vor einem Geschäft stehen, das viele Säbel, Pistolen und Sextanten im Schaufenster hatte. Offensichtlich handelte es sich hierbei um ein Pfandhaus, wo man seine wertvollsten Gegenstände für ein paar Schilling einsetzen konnte. Er verweilte noch eine Weile und betrachtete die Säbel, jeder von ihnen war ein Zeichen für einen unglückseligen Offizier der mit seinem Halbsold nicht zu recht kam und deswegen alles was er hatte zu Geld machte. Langsam und bedächtig setzte er seinen Weg fort. Nach einer Weile blieb er vor einer kleinen hölzernen Tür stehen. Ein Blick auf das Schild über der Tür zeigte ihm, dass er richtig war. Er öffnete die Tür und stieg eine Schmale Treppe hinauf, an dessen Ende er sich bei dem Sekretär vorstellte und erwähnte, dass er bereits erwartet würde. Der kleine katzbucklige Mann sah ihn über seine Drahtgestellbrille an und deutete mit seiner Feder auf die Tür zu dem Büro und Planungsraum, in dem alle Handelsrouten und Warenein- und verkäufe geplant wurden. Hawk klopfte kurz und betrat dann den Raum. Er hängte seinen Mantel, den er bis jetzt nicht gebraucht hatte, an die Garderobe. Außer den drei Auftraggebern waren noch zwei weitere Herren anwesend, die eher so aussahen, als wenn sie sich verlaufen hätten. Ihre Kleidung, ihre Haltung und ihr Auftreten entsprach dem eines hohen Herren der sich normalerweise in einem Club aufhält.
„ Darf ich ihnen Mr. Coppy und Mr. Typho vorstellen.“ Eröffnete der große rothaarige MacDrought. Der wie immer einen kakaofarbenen Anzug trug.
„ Mr. Coppy arbeitet für das Außenministerium und Mr. Typho ist so etwas wie seine rechte Hand.“ Setzte er hin zu.
Hawk setzte seinen Hut ab und hängte ihn ebenfalls weg, jedoch ohne diese zwei Fremdlinge aus den Augen zulassen.
„Das soll unser Mann sein? Sieht mir nicht sehr vertrauenswürdig aus.“ Sagte der Mann der ihm als Mr. Typho vorgestellt worden war. Irgendwie hatte Hawk das Gefühl, dass er gleich etwas zu hören bekam, was er lieber nicht wissen sollte. Irgendetwas, was ihn in große Schwierigkeiten bringen würde. Aber er wollte sich nicht beirren lassen und richtete sich an MacDrought. „ Wir haben Proviant geladen und werden in kürze mit dem übernehmen ihrer Ladung beginnen.“ Er warf einen unsicheren Blick zu den zwei Männern vom Außenministerium und fuhr fort „Sollte alles wie geplant verlaufen, können wir übermorgen mit der Ebbe auslaufen. Wie geplant werde ich die übliche Route nehmen. Erst nach Gibraltar von da aus zu den Kanarischen Inseln und dann weiter Richtung Amerika. Sonst noch etwas was ich für sie tun könnte meine Herren?“, fragte er und bereute die Frage im selben Augenblick. „ In der Tat benötigen diese Herren ihre Hilfe. Wir verabschieden uns dann und wünschen ihnen noch viel Glück, Kapitän Hawk.“ Er schüttelte ihre Hände und sah die beiden Herren genauer an.
„Also, was wollen sie von mir?“, platzte er heraus und ließ seinen Unmut über diese plötzliche Änderung deutlich werden. Der große schlaksige Coppy machte einige Schritte auf ihn zu, packte ihn am Arm und zog in auf sich zu. Dann zerrte er ihn in die Mitte des Zimmers, er machte es so geschickt, dass Hawk fast geglaubt hätte, er hätte diese Schritte freiwillig gemacht. Misstrauisch sah Hawk von einem zum anderen und musterte sie dabei. Verdammt will ich sein, wenn die nicht ein krummes Ding mit mir vorhaben, dachte er bei sich. Er wollte gerade erneut fragen was diese aufgeblasenen Truthähne von ihm wollen als sich Mr. Coppy schnell zu ihm umdrehte und fragte: „Was wissen sie über die spanischen Besitzungen im Pazifik?“ Etwas verblüfft über dieses Thema brachte Nathan nur das standardisierte: „Das übliche“ heraus. Er sammelte sich kurz und setzte dann seine Gedanken fort. „Sie sind ein guter Handelsplatz für waren aus China und ich weiß von ein paar Walfängern, dass sie die einzigen gut beschützten Ankerplätze an der Westküste Südamerikas sind. Auch soll wohl ein reger Handel mit den Yankees statt finden. Außerdem wird alles Gold, Silber und andere wertvolle Gegenstände von der Pazifikküste über Land zur Atlantikküste gebracht. Von dort brechen dann etwa alles halbe Jahr die Schatzgalleonen auf.“
Der Spion, denn mit solch einem musste er es hier zu tun haben, nickte zufrieden sah Hawk direkt an und begann seine eigenen Ausführungen.
„ Das was sie gesagt haben ist Großteils richtig. Wir haben jedoch erfahren, dass die Spanier sich immer mehr gegen unsere Walfänger stellen, die in ihren Häfen Schutz suchen vor Unwettern oder Piraten. Dies resultiert, so glauben wir, aus der zunehmenden Befürwortung der französischen Revolution. Es laufen bereits auf dem Kontinent Vorbereitungen um ein Übergreifen der revolutionären Ideen, wenn nötig mit Waffengewalt, zu verhindern. Diese Anstrengungen werden vor allem von den Österreichern und Preußen vorangetrieben. Bis jetzt ist noch alles streng Geheim, aber wir gehen davon aus, dass wir in spätestens einem Jahr Krieg mit Frankreich haben werden.“ Diese Neuigkeit traf Hawk wie die gerade rechte eines Preisboxers. Er musste sich zusammenreißen um sich nicht halt bei einem der beiden Spione festzuhalten.
„ Alles was wir hier besprechen ist natürlich streng vertraulich. Vor kurzem wurden einige englische Walfänger festgesetzt und von den Spaniern beschlagnahmt. Wir haben bereits eine kleine Expedition vorbereitet die sichere Häfen an der Pazifikküste finden soll, aber wir hoffen auf eine diplomatische Lösung. Deshalb bitten wir sie mich und meinen Stellvertreter Mr. Typho nach Buenos Aires zu bringen.“ Hawk schluckte schwer und überlegte sich seine nächsten Worte sehr genau.
„Warum ich? Warum keine Fregatte, die eine solche Strecke viel schneller zurücklegen kann und besser bewaffnet ist?“ Typho nickte als wenn er genau auf diese Frage gewartet hätte, sah seinen Chef an und als der ihm mit einem Nicken zu verstehen gab, dass er jetzt reden dürfte erwiderte der kleine Geheimdienstler.
„Zu auffällig. Wir gehen davon aus, dass die Franzosen einen Freibeuter ausschicken werden, der auf alle Fälle verhindern soll, dass wir unser Ziel erreichen. Wir wollen keinen Krieg provozieren und außerdem soll diese Operation geheim sein. Da würde eine 60 Kanonen starke Fregatte...“ „44 Kanonen.“ Viel ihm Hawk ins Wort. Er konnte es nicht ausstehen, wenn jemand das Wissen das er für selbstverständlich hielt nicht ebenfalls beherrschte. Hinzu kam das es ihm eine gewisse Genugtuung gab diese aufgeblasenen möchte gern Spione in ihre Schranken zu weisen. „Eine Fregatte hat nie mehr als 44 Geschütze, wobei ich dazu tendiere die schon als leichte Linienschiffe zu bezeichnen.“
„ Wie sie meinen, Kapitän. Auf jeden Fall würde ein Kriegsschiff zu viel Aufsehen erregen. Falls sie sich Gedanken machen, wegen ihres Vertrages mit dieser Firma, können sie unbesorgt sein. Sie können die Ladung löschen wo sie wollen. Das ist nur Teil eines Ablenkungsmanövers. Guten Tag.“ Die beiden Herren die ihm bis jetzt eine Menge erzählt hatten, von dem er eigentlich nicht mal die Hälfte wissen wollte, drehten sich um griffen sich ihre Mäntel und wollten gerade das Büro verlassen als Hawk ihnen hinterher rief:
„Seien sie spätestens um vier Glasen der ersten Hundewache an Bord, sonst werde ich ihnen die Hammelbeine lang ziehen lassen. Und denken sie daran, in dem Moment wo sie mein Schiff betreten stehen sie unter MEINER Befehlsgewalt und nicht andersherum!“ Der große Coppy zog seinen Zylinder und gab damit zu verstehen, dass er verstanden hätte. Im hinaus gehen sagte er zu seinem Assistenten: „ Ich glaube wir haben den richtigen Mann für unser Unternehmen gewählt.“

„Ausrennen!“ Das Schiff krängte stark als die Schweiß überströmten Männer die Kanonen gegen das Deck aus zu rennen begannen. Das feindliche Schiff war etwa 20 Yards neben ihnen an Steuerbord. Das Heck ihnen zu gewandt. „Feuer!“ Fast gleichzeitig donnerten die Geschütze der Steuerbordbatterie und zerschmetterten die Heckgalerie des Franzosen. Der in diesem Moment hart Backbord legte und sich durch dieses gefährliche Manöver die Luvseite erkämpft hatte. Die tödlich glänzenden Stücke der Backbordbatterie zeigten jetzt genau auf sie. Es gab kein Entrinnen vor dieser unbarmherzigen Breitseite die jeden auf dem Schiff auseinander reißen würde. Hawk stand an einem der 18 Pfünder und beobachtete die Ereignisse auf dem französischem 74er. Er sah einen Offizier mit erhobenem Säbel, der kurz darauf verschwand. Wie eine Wand aus Feuer und Qualm wirkte die Breitseite als sie losbrach. Dreifach geladen. Kugeln, Kartätschen, Kugeln. Das Deck der einstmals stolzen Fregatte verwandelte sich in ein Schwimmbecken aus Blut. Der Groß- und der Fockmast kamen fast gleichzeitig von oben. Irgendwo war der ruf „Feuer!“ zu hören. Aber er konnte nirgends etwas sehen. Er stand da in einfachen Segeltuchhosen. Ein Tuch um die Ohren sollte verhindern das er taub wurde. Plötzlich merkte er, dass alle um ihn herum Tod waren und das Feuer ging von ihm aus. Er brannte lichterloh. Er wand sich, wollte das Feuer löschen, aber nichts half.
Schweißgebadet wachte Nathan auf. Es war der gleiche Alptraum den er seit dem Gefecht mit dem französischen Linienschiff hatte. Es war immer das Selbe. Er war einer der Matrosen, die er in das Gefecht geschickt hatte. Einer von denen, die ihm immer ergeben gefolgt waren. Einer von den vielen, die bei diesem Gefecht gestorben waren. Er erlebte die Schlacht immer und immer wieder. Er hatte sich schon verschiedene Schlafmittel geben lassen, aber die Träume gingen nicht weg. Sie wurden mit jeder Tinktur die er nahm stärker, fürchterlicher, tödlicher. Der Traum war so ziemlich immer der gleiche nur die Arten wie er starb variierten. Mal wurde er vom Großmast erschlagen, mal wurde ihm von einer Kanonenkugel der Unterleib abgerissen. Die einzige Konstante in seinen Träumen war, dass er die fürchterlichsten Schmerzen erlitt bevor er starb. Er wünschte keinem seine Träume. Ein Doktor hatte einmal vermutet, dass die Träume nur Produkt seiner nicht verarbeiteten Schuld waren, aber das konnte, nein, das wollte er nicht glauben. Wenn er an sich selbst zweifelte und seine Entscheidungen in Frage stellte, konnte er gleich sein Kapitänspatent an den Nagel hängen und sich von der Seefahrt zurück ziehen.

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 08.12.2010. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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