Hans Witteborg

Champagner-Säufer



Die Welt ist schlecht und ungerecht. Die Welt? Man meint hier sicherlich die Menschheit und deren Gesellschaftsformen. Fast könnte ich mich dem Urteil anschließen aber das ist mir zu pauschal. Ich möchte aber sagen, daß es überall auf der Welt Menschen gibt, die mit rücksichtsloser Brutalität oder völliger Verantwortungslosigkeit gegenüber ihren Mitmenschen sich ungerechtfertigte Vorteile verschaffen, die sie mit allen Mitteln zu verteidigen suchen. Somit schaffen sie ungerechte Gesellschaftsstrukturen. Unterdrückung, Armut und Zerstörung von Umwelt und Leben eingeschlossen.
Das Dumme an diesem Zustand: sie werden geschätzt, hofiert, bewundert oder aber auch nur gefürchtet. Einen breiten Raum nimmt dabei die Verbreitung ihres Lebensstils durch die Medien ein, die ihr Interesse daraus ableiten, daß die Bevölkerung (insbesondere die minderbemittelte, finanziell und auch im Geiste, ein Recht auf Information über gewisse Prominente hätte.
Der Meinung schließe ich mich an – wenn auch aus Gründen gesellschafts-kritischer Einstellung zu der ich als Hauspoet mich zwanghaft verpflichtet fühle.
Meine Waffe gegenüber gewissen Schichten ist das WORT. Wir wissen doch alle welch eine Wirkung das Wort hat, zumindest die- jenigen, die das Alte Testament und damit die Genesis gelesen haben!
Ich überlegte also etwas Kritisches zu schaffen, das wie ein Fanal die Leute wach rütteln sollte. Dazu mußte natürlich erst einmal ein entsprechend reißerischer Titel gefunden werden. Ich schwankte
zwischen
Die Kaviar-Fresser
Und
Die Champagner-Säufer
Bei dem ersten Titel kam mir der Gedanke, daß man den nur auf gewisse östliche Regionen beziehen könnte. Gut, die dortigen Milliardäre gäben gewiß reichlich Stoff dafür her – aber ich wollte die gesamten Weltregionen beleuchten und, so ungläubig man das zur Kenntnis nimmt, auch die arabische Welt.
Ich entschloß mich für den zweiten Titel. Arbeitete alles mit Bedacht durch und wählte als Untertitel das Wort, das für alles in der Kunstszene herhalten muß, nämlich EVENT.
Sorgsam vorbereitet, schickte ich die Unterlagen (ich vermeide das Wort Manuskript) an meinen Verlag, der mir immer so freundliche Absagen erteilt, indem er sich nicht einmal äußert. Diesmal war es anders. Ich erhielt innerhalb von zwei Wochen Post. Schon dieser Umstand hätte mich stutzig machen sollen. Man teilte mir mit,
daß man meiner genauen Anweisung gemäß mein Buch herausbringen wolle, wenn ich im Gegenzug erklärte, alle Rechtsfolgekosten zu übernehmen. Die eigene Rechtsabteilung hätte dies abgelehnt.
Ich erklärte.
Fünf Wochen später wurde mit viel Brimborium das Buch
Champagner-Säufer

- Ein Event -
- In den Buchläden ausgestellt. Wie üblich natürlich eingeschweißt in Schutzfolie.

Es dauerte kaum einen Tag, dann waren die Bestände ausverkauft. Ich hatte es also den Gesellschaftsschmarotzern gründlich gegeben!
Wiederum einige Tage später trafen die ersten Schreiben diverser Rechtsanwaltskanzleien ein. Man bezichtigte mich, den Buchhandel und den Verlag des gewerbsmäßigen Betruges. Säckeweise trafen Protestbriefe ein.
Mein erstes Frohlocken darüber, daß ich den Nerv einer Gesellschaftsschicht empfindlich getroffen hatte, wich der Erkenntnis und dem Entsetzen, daß ich genau die Menschen abgezockt hatte, für die ich mich doch einsetzten wollte!

Wie denn das, fragt ihr mich zu Recht.
Hättet ihr die € 24,90 für mein 230 Seiten starkes Werk ausgegeben, so wüßtet ihr Bescheid.
Ich will mal nicht so sein und den Grund der Empörung nennen, der eigentlich ungerechtfertigt war, hätte man den Untertitel beachtet - ein EVENT – ganz klare Kennzeichnung für ein Buch auf dessen 230 Seiten jeweils nur stand:

LEBEN OHNE INHALTE

p.s. der Verlag schickt seitdem wenigstens alle meine Manuskripte zurück!






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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 15.12.2010. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

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Die Gedichte begleiten durch die vier Jahreszeiten und erzählen wie die Natur erwacht, blüht und welkt, wissen von reicher Ernte zu berichten. Der Spätsommer im Park, winterliche Gefilde oder Mailandschaften scheinen auf. Der Autor verwendet meist gereimte Zeilen, zeigt sich als Suchender, der neues Terrain entdecken möchte. Der Band spricht von den Zeiten der Liebe, zeigt enttäuschte Hoffnungen und die Spur der Einsamkeit. Wut und Trauer werden nicht ausgespart. Es dreht sich das Kaleidoskop der Emotionen. Der kritische Blick auf die Gesellschaft und sich selbst kommt zum Zuge. Kassandras Rufe sind zu hören. Zu guter Letzt würzt ein Kapitel Humor und Satire. So nimmt der Autor seine Zettelwirtschaft aufs Korn, ein hoffnungsloser Fall.

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