Wolfgang Scholmanns

Als der Weihnachtsmann noch einmal zurückkam



Heute ist Heiligabend, und Ulf ist sooo… neugierig. Vor zwei Monaten hatte er seinen zwölften Geburtstag gefeiert aber den Wunsch nach einem eigenen Computer nicht erfüllt bekommen.
„Das ist mir zu teuer.“, hatte die Mutter gesagt. Als Alleinerziehende hat sie es schon schwer genug. Die hohe Miete, Tennis- und Fußballverein in denen Ulf aktiv ist, Auto, Versicherungen, Kleidung und was sonst noch alles an Kosten anfällt, da kann man kaum etwas zurücklegen. Der harte Job der Erzieherin in einem Heim für schwererziehbare Jugendliche, kostet Kraft und Nerven. Vor ihrem Sohn verbirgt sie das allerdings, so gut sie kann. Ulf kommt meistens gegen vierzehn Uhr aus der Schule, geht dann zu Oma und Opa zum Essen und macht anschließend dort auch seine Hausaufgaben. Anfangs konnten die Großeltern noch ein wenig helfen, aber jetzt, wo Ulf die Realschule besucht, müssen sie oft passen.
„Dieser neumoderne Kram, so etwas hatten wir früher in der Schule nicht.“, hatte der Opa einmal kopfschüttelnd gesagt. Ulf ist ein guter Schüler und kommt schon klar. Wenn er etwas nicht kapiert hat, fragt er eben nach, übt und setzt sich mit den Aufgaben solange auseinander, bis er es geschnallt hat. Gegen sechzehn Uhr ist die Mutter zuhause, kümmert sich um den Haushalt. Ulf kommt auch immer um diese Zeit, quatscht ein wenig mit ihr, geht dann aber zu Freunden, spielen. Viele von ihnen haben schon einen eigenen Computer. Selbst einmal so einen Rechner zu besitzen ist Ulfs größter Traum.
„Vielleicht ist der Weihnachtsmann so nett und bringt mir einen Computer, was meinst Du, Opa.“
„Naja, wenn der Weihnachtsmann ein dickes Portemonnaie hat, könnte das wohl sein.“
Ulf bemerkt, dass der Opa zur Oma rüber schaut und ein Auge zukneift.
„Was glaubst Du Oma, ob er wohl so großzügig ist, in diesem Jahr?“
„Ich weiß nicht, ich weiß nicht, diese modernen Sachen sind doch viel zu teuer. Na warten wir es mal ab, aber.“ Die Oma schüttelt schmunzelnd den Kopf und holt ein Blech mit Spritzgebäck aus dem Backofen. Die Plätzchen waren fast alle aufgegessen, da musste ich schnell noch ein paar neue backen, mmh wie das duftet. In ein paar Stunden werden wir schlauer sein, dann ist Bescherung.“
„Oh ja, ich muss jetzt auch los, der Mutter beim Baumschmücken helfen, Sicher wartet sie schon auf mich.“
„Na dann mal ab, Du kleiner Computerfachmann. Bis nachher, wir treffen uns am Weihnachtsbaum.“, sagt der Opa lachend.
„Es klingelt, Ulf. Das sind bestimmt die Großeltern, öffnest Du bitte?“ Natürlich öffnet Ulf sofort, denn jetzt ist es bald so weit. Opa geht zur Mutter ins Wohnzimmer und schließt die Türe. „So wie in jedem Jahr, flüstert die Großmutter Ulf zu. Gleich, wenn das Glöckchen bimmelt, hat sich der Weihnachtsmann verabschiedet. Dann dürfen wir in die gute Stube.“
Ulfs Wangen glühen wie Feuer, so aufgeregt ist er. Das leise Bimmeln eines Glöckchens ertönt. Ulf nimmt seine Oma an die Hand und drückt sich ganz fest an sie. Der prächtige Weihnachtsbaum erstrahlt in zartem Licht und Wunderkerzen sprühen kleine Sternchen ins Tannengrün. Nachdem die letzten Klänge eines alten Weihnachtsliedes verstummt sind, steigt die Spannung. Ulf hatte vorhin, als er mit Oma das Zimmer betrat, auf den ersten Blick erkannt, dass kein Päckchen so groß war, dass ein Computer darin hätte Platz haben können. Er lässt sich nichts anmerken, öffnet die Weihnachtspäckchen die für ihn bestimmt sind. Tolle Sachen sind dabei. Ein neuer Rucksack, den er schon lange haben wollte, ein schwarzes Kapuzenshirt und noch ein paar andere brauchbare Dinge. Der Rechner war dem Weihnachtsmann wohl echt zu teuer.
Mutter und Großeltern haben scheinbar sehr viel Freude an ihren Geschenken. Sie bedanken und umarmen sich, werfen aber immer wieder einen Blick auf Ulf, der seine Enttäuschung nicht ganz verbergen kann.
„Nun sei mal fröhlich, mein Junge. Schöne Geschenke hast Du bekommen, freust Du dich nicht?“
„Doch Opa, ich danke auch allen ganz herzlich.“, gibt Ulf ihm zur Antwort.
„Kommt, meine Lieben, das Essen steht auf dem Tisch.“ mischt sich Ulfs Mutter jetzt ein. „Es gibt Gänsebraten, Rotkohl und Klöße. Zum Nachtisch habe ich selbst gemachtes Himbeereis mit heißen Kirschen ausgesucht, das mögt Ihr doch so gerne.“ Oma schaut ihre Tochter kopfschüttelnd an.
„Kind, Kind, ich habe Dir doch gesagt, dass ich am ersten Weihnachtstag Gans mit Klößen und Rotkohl mache. Dann essen wir doch wieder das Gleiche.“
Ulf will gerade Platz nehmen, da schellt es. „Nanu, wer kann das denn noch sein? Wir erwarten doch niemanden mehr. Schaust doch mal bitte nach, Ulf.“
„Hier ist niemand.“, ruft Ulf. Nur ein großes Paket steht vor der Türe.“
Mutter und Großeltern eilen herbei. Bei näherer Betrachtung entdeckt die Mutter ein Schild, auf dem der Name ihres Sohnes steht.
„Das Paket ist für Dich, mein lieber Sohn. Bestimmt hat der Weihnachtsmann vorhin vergessen es unter den Weihnachtsbaum zu legen. Der Gute hat aber auch so viel zu tun.“ Ulf schluckt. „Das, das ist auch noch für mich? Was da wohl drin ist.“
Ulfs Opa nimmt das Paket hoch.
„Ich helfe Dir mal, es ins Wohnzimmer zu befördern. Dort kannst Du es öffnen und wir schauen zu.“
Vorsichtig entfernt der Junge das Geschenkpapier. Zwischendurch schaut er sich immer wieder um, denn die Großeltern und seine Mutter stehen neugierig hinter ihm. Ein Computer kommt zum Vorschein und zwar genauso einer wie er ihn haben wollte, mit allem Schnickschnack. Vor lauter Freude beginnt Ulf zu tanzen, zuerst mit seiner Mutter, dann mit der Oma und zu guter Letzt auch mit dem Opa.
„Danke, danke!“ ruft er immer wieder. „Danke Du lieber guter Weihnachtsmann, dass Du mir meinen größten Wunsch erfüllt hast.“
Das Essen schmeckt allen ausgezeichnet und die Oma meint: „Dann mache ich morgen etwas anderes zu Essen. Lasst Euch nur überraschen. Die Gans ist frisch und ich kann sie noch einfrieren. Die gibt es dann an Neujahr. Ulf hat gar nicht zugehört. In seinem Kopf kreisen nur noch Gedanken umher, die sich mit seinem neuen Computer beschäftigten.
 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 20.12.2010. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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