Paul Rudolf Uhl

Woher kommt unser Weihnachtsfest?


Das Wort kommt aus dem Mittelhochdeutschen (ze wihen nahten) was „in den heiligen Nächten“ bedeutet. Heute sagt man Weihnacht, Christfest, auch „Heiliger Christ“ und die Amis haben christmas und – in der Kurzform – sogar X-mas daraus gemacht, wohl damit das christliche nicht so sehr im Vordergrund steht, sondern mehr der Kommerz....
 
Es ist neben Ostern und Pfingsten eines der Hauptfeste der Christenheit und wird seit dem 4. Jahrhundert gefeiert, genau: erstmals 336 in Rom. Warum ausgerechnet am 25. Dezember gefeiert wird, ist nicht genau nachzuvollziehen. Einige Quellen des 3. Jhdt. „errechneten“ den 25.12. als den tatsächlichen Geburtstag von Jesus unter der Annahme, dass er am 25.03. – also am Tag des Frühlingsanfanges - empfangen wurde. Wahrscheinlicher aber ist, dass das Fest am selben Tag gefeiert wird wie das römische Staatsfest der Geburt des Sonnengottes (Sol invictus) – um ein christliches Gegengewicht zu schaffen.
 
Eigentlich wurde das (ältere) Fest Epiphanie (das Fest der Erscheinung Gottes auf der Welt, in Jesus) – das heute als Dreikönigsfest noch vorhanden ist - durch Weihnachten ersetzt. Epiphanias wird als Geburtsfest Jesu aber nur noch in der armenischen Kirche begangen.
Seit dem 5. Jhdt. wird das Fest durch eine Vorbereitungszeit - den Advent – eingeleitet. Advent ist wieder lateinisch und heißt „Ankunft“. Mit dem ersten Advent beginnt das Kirchenjahr. Zum Advent gehören Volksbräuche wie Lärmumzüge, Glückwunsch- Heische- und Orakelbräuche, die aber auf vorchristliche Vorstellungen zurückzuführen sind.
 
Im Advent liegt auch noch des Fest des Hl. Nikolaus, der vermutlich Bischof von Myra in Lykien, einer Stadt im südwestlichen Kleinasien, war. Um ihn ranken sich viele Legenden und er ist nicht nur der Gabenbringer im Advent, sondern auch der Schutzpatron vieler Berufsgruppen, so z.B. der Bäcker, Bauern, Bierbrauer und Schnapsbrenner und der Kaufleute...
Die Bräuche zu Nikolaus gehen auf das Knabenbischofsspiel der spätmittelalterlichen Klosterschulen zurück. Dabei übernahm ein Schüler für einen Tag die Rolle des Bischofs, den als Helfer ein Krampus, ein Knecht Ruprecht usw. begleiteten. Auch dieser Brauch zeigt Auswüchse: das nächtliche „Kramperltratzen“ als Strassenaktivität vieler Kinder und Jugendlicher...
 
Außerdem gibt es noch weitere Weihnachtsgepflogenheiten, die aus liturgischen und außerliturgischen Bräuchen bestehen. Da sind der Bau von Krippen, das Sternsingen, Krippen- und Weihnachtsspiele. Zentrales Sinnbild aber wurde der Christbaum, den es vereinzelt - ohne Lichter - schon zum Beginn des 16. Jhdts. gab, der aber erst im letzten Drittel des 19. Jhdts, also seit etwa 1870, allgemein üblich wurde. Den Adventkranz gibt es erst seit etwa 1930 im ganzen deutschen Sprachraum, vereinzelt tauchte erst schon ab 1860 auf. Der Baum hat seine Hauptfunktion als Lichtträger. Natürlich gibt es noch andere Lichtträger, z.B. im Erzgebirge die Schwibbögen, die Weihnachtspyramide oder auch figürliche Darstellungen wie Engel, Bergleute usw.
Der Adventskalender wurde erst 1904  in München erfunden!
Weihnachten ist in neuerer Zeit nicht nur das Fest der Geburt Jesu, sondern auch ein Fest der Liebe, und damit – als äußeres Zeichen der Liebe – ein Fest der Geschenke. Aus den Gabenbringern der Adventszeit (bei uns der Nikolaus und Knecht Ruprecht) wurde in vielen Gegenden – besonders in den angelsächsischen Ländern - der Weihnachtsmann, der den freundlichen Nikolaus und den polternden Knecht Ruprecht als Kinderschreck sozusagen in einer Person darstellt. Als weißbärtiger Mann im pelzbesetzten roten Mantel und Mütze mit einem Gabensack wurde diese Figur erstmals auf Bildern des 19. Jhdts. belegt, in Deutschland gab es ihn erst im 20. Jhdt. Er hat in anderen Ländern viele Namen: Santa Claus, Babbo Natale, Väterchen Frost, Julbock, Jultomte, Heinzelmann Tomten, Hexe Befana....
Bei uns in Deutschland aber kommt das Christkind – wenigstens in den südlichen Bundesländern... Wie man sich das Christkind vorzustellen hat, wurde mir nie verraten... Ein Kind, das Gaben bringt? -Ist es etwa das hilflose Wickelkind in der Krippe und wer schleppt den ganzen Segen? ...
 
Aber auch die Hl. Drei Könige sind weihnachtliche Gabenbringer, von denen z.B. in Spanien oder Lateinamerika die Kinder nur an diesem Tag  beschenkt werden.
 
Zum Familienfest mit Bescherung der Kinder wurde das Fest erst am Ende des 18. Jhdt. und zu Beginn des 19. – allerdings war es in der evangelischen Oberschicht schon seit dem 16. Jhdt üblich. Heute konzentriert sich das Familienfest auf den Vorabend, den Weihnachtsabend, die Christnacht.
 
Neben dem Schenken wird Weihnachten in unserer Zeit auch durch Festessen, z.B. Weihnachtsgans, in den USA vorwiegen den Truthahn) bestimmt.
Auch Stollen und Plätzchen – die als Ausstechform noch an die früher weit verbreiteten  Gebildbrote – also Backwaren in Form von Menschen, Tieren, Sternen und geometrischen Figuren - erinnern, gehören zum Weihnachtsbrauch sehr zum Leidwesen von Zeitgenossen, die schnell und leicht zunehmen... So ist unser Weihnachten nun ein Fest mit Bräuchen aus christlicher und heidnischer Zeit, eine Mischung, wie sie eben in Jahrhunderten zusammenkommt.
 
Die Zeit zwischen Weihnachten und Dreikönig – man nannte sie die „Zwölf Nächte“- galt lange als die Zeit der Dämonen und Spukgeister wie die Wilde Jagd, Frau Holle, die Perchten und Pelzer... Diese Nächte – die Raunächte - waren mit mancherlei Arbeitsverbot belegt und von Speise- und Namentabus bestimmt, letztere als Tiernamen, die für den Teufel stehen.
Raunächte heißen sie, weil sie die Nächte der haarigen Dämonen (haarig = rau) sind...
Der Volksglaube hat dagegen besondere Schutztechniken entwickelt: zum Schutz vor den Geistern besprengte man in katholischen Gegenden Türen, Zimmer und Ställe mit Weihwasser, beräucherte sie mit Weihrauch – um die Dämonen zu ver-
treiben. Diesen Brauch finden wir noch heute - christlich verbrämt: wer an seiner Türe „C+M+B“ stehen hat, ist wohl diesem Brauch nachgegangen...
Aus dem Wetter der Zwölf Nächte leitete man Voraussagen für das Wetter der 12 kommenden Monate ab, auch Träume galten als vorbedeutend. Diese Nächte hießen daher auch Losnächte....
 
Glaube und Aberglaube, Religion und Dämonenglaube waren daher nicht mehr auseinander zu halten...
 
Heute ist nichts besser geworden: der Industrie ist es gelungen, aus dem heidnisch - christlichen Gemisch der Bräuche unter Zuhilfenahme der Medien, der Beleuchtungsindustrie und der Musik eine Stimmung zu erzeugen, die nichts mehr zu tun hat mit der Furcht unserer Vorfahren in den Raunächten, auch kaum noch mit dem christlichen Sinn des Feiertages. Das neue Schlagwort des Festes heißt Marketing - also die Kunst, den Menschen Bedarf einzureden. Familien mit Kindern können sich deshalb dem Zwang kaum entziehen, ihren Sprößlingen jeweils die neuesten Produkte des Marktes insbesondere der Elektronik oder der Mode zu schenken. Die Zeit, zu der ein paar selbstgestrickte Handschuhe oder eine Mütze, eine Schnitzerei oder ein Rodelschlitten Freude auslösen konnten, ist vorbei...
 
So ist Weihnachten zum Konsumfest geworden, der Hauptzweck scheint das Schenken zu sein. Wer hinter die Kulissen blickt, weiß aber, dass es nur noch um den Umsatz geht, der natürlich auch Arbeitsplätze schafft.
Die Adventszeit treibt die Menschen – sich in der Heftigkeit ständig steigernd – zum Höhepunkt des (Geschäfts-) Jahres, dem Hl. Abend. Sind alle Geschenke ausgepackt („war das alles?“), bleibt außer dem Beiseiteräumen des Verpackungsmülls nur noch das Fernsehen, Essen und Trinken. In die Christmette gehen nur noch wenige wirklich fromme Leute, hauptsächlich noch auf den Lande. Bei dieser Gelegenheit wird der neue Pelzmantel vorgezeigt und am liebsten würden die Kinder alle Geschenke mitnehmen, um sie als Statussymbol herumzuzeigen...
Bereits am zweiten Feiertag klafft eine plötzliche Leere, kein Weihnachtsrummel mehr, der Höhepunkt ist vorbei („war das alles?“). Die Welt ist wieder nüchtern und sachlich...
 
Lasst uns deshalb einen neuen Sinn im Weihnachtsfest – dem angeblichen Fest der Liebe - suchen. Wie wäre es mit der Nächstenliebe? Sollte ich mich nicht mehr um meine Nachbarn kümmern, in deren Familie zwei Arbeitslose sind? Oder um die Witwe nebenan, deren Kinder weit weg leben und die - alleine - kaum den Weg zum nächsten Laden schafft?
 
Ich habe für mich beschlossen, darüber nachzudenken, welchen neuen Sinn man dem Fest geben kann...
 
                                                                             P.U.   29.11.02
 
 
 

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