Hannis Eriksson

Liebesfrust mit Happy End? - oder - Wie entliebt man(n) sich?

Als ob das Leben nicht schon kompliziert genug wäre, aber musste sich Jonas ausgerechnet in diese Frau verlieben?! Er hatte doch von Anfang an gewusst, dass sie vergeben ist, und das schlimmste bei der ganzen Angelegenheit, vergeben an einen seiner besten Freunde, Robert.

Jonas wünschte sich die ganze Zeit, er könne jemandem davon erzählen - doch wem genau konnte er hierbei vertrauen? Nicht nur eine, sondern gleich mehrere Freundschaften würden dadurch zerstört werden, nur etwas derartiges konnte er nicht zulassen. Wie auch immer, ihm blieb nichts anderes übrig, als sich wieder zu entlieben.

 

Es begab sich, dass er wieder einmal in größerer Runde saß, zusammen auch mit Robert. Die Frauen aus der Gruppe saßen am Tisch daneben zusammen. Sein Blick schweifte immer wieder zum Nachbartisch und natürlich blieb er auch oft genug an ihren Augen hängen.

»Sie gefällt dir?«, wurde er von Robert gefragt, doch mehr als ein »Was?« brachte er nicht heraus. »Ich meine Marie.«

Nein! Marie war es nicht, die ihm gefiel. Na ja, sie sah nicht schlecht aus, war nett und er konnte sie gut leiden, aber nein, trotzdem war es nicht Marie, die er immer wieder anblickte. Lisa hatte es ihm angetan, so als ob ihre Augen ihn verschlingen könnten, so sehr fühlte er sich zu ihr hingezogen, und doch war ihm die ganze Zeit über klar, dass er etwas Verbotenes oder zumindest etwas nicht Geduldetes empfand.

Seinem Freund gegenüber musste er nun eine Notlüge aus dem Ärmel schütteln, allerdings war das für ihn auch nicht schwer, war er doch jemand, der sein Leben lang nichts anderes getan hatte, als zu schauspielern.

»Na ja, ich finde sie ganz nett.«

»Deine Blicke sagen da aber etwas anderes. Du schaust ja schon fast ununterbrochen hinüber.«

»Vielleicht sieht er ja auch nicht zu Marie«, mischte sich Vinzenz in das Gespräch ein.

»Was?!«, murrte Jonas

»Marie ist nicht die einzige, die dort drüben sitzt.« Vinzenz lächelte.

»Interessante Überlegung«, pflichtete Robert bei. »Und wen sieht Jonas deiner Meinung nach an?«

»Was weiß ich! Lisa vielleicht!«, entgegnete Vinzenz mit seitlichem Blick auf Jonas.

»Natürlich, und sonst hast du keine Probleme«, wehrte Jonas heftig ab, vielleicht ein wenig zu heftig, denn Robert bat ihn am nächsten Tag auf ein Gespräch unter vier Augen.

 

»Du hast gestern wirklich die Ganze Zeit Lisa angesehen und nicht Marie, oder?« Robert schien nicht wütend deswegen, er klang vollkommen ruhig.

»So ein Blödsinn! Du glaubst doch nicht an den Mist den Vinzenz verzapft hat?«

»Ich würde es verstehen«, entgegnete Robert. »Wer, wenn nicht ich?!«

Jonas sengte seinen Kopf.

»Hatte ich also recht!«, sagte Robert, wobei er immer noch vollkommen ruhig blieb.

»Du brauchst dir keine Sorgen machen!«, entgegnete Jonas. »Immerhin ist sie deine Freundin. Vielleicht ist es gut, wenn ich mich mal ein paar Wochen verkrieche.« Jonas drehte sich um und wollte gehen, doch Robert hielt ihn fest.

»Ich hab gestern Abend mit Lisa gesprochen, sie hat ja gestern mit Marie an einem Tisch gesessen und so wie Lisa es mir erzählt hat, hat Marie, immer wenn du verstohlen an den Nachbartisch geblickt hast, versucht, deinen Blick zu erhaschen und zumindest ging sie davon aus, dass du zu ihr schaust, na ja, so schüchtern wie du sonst Frauen gegenüber auftrittst.«

»Du willst mich nicht wirklich verkuppeln?!«, erwiderte Jonas.

»Wieso nicht? Es würde dich vielleicht auf andere Gedanken bringen.« Robert blickt überzeugt von seinem Vorhaben seinen Freund an.

»Das ist keine Gute Idee, absolut und überhaupt nicht!« Er drehte sich weg und verschwand.

Einen Moment später betrat Lisa den Raum.

»Jonas ist wieder weg?«

»Ja! Ist er«, bekam sie zur Antwort.

»Und, hattest du recht mit deiner Vermutung?«, fragte Lisa ihren Freund.

Robert nickte nur.

»Und du bist überhaupt nicht eifersüchtig?« Das wollte Lisa doch jetzt wissen, ansehen ließ sich Robert jedenfalls nichts.

»Ein wenig schon, aber ich kenne Jonas und vor allem kenne ich dich.« Robert lächelte Lisa an.

»Da scheinst du dir ja ziemlich sicher zu sein«, entgegnete Lisa.

»Du meinst, ich sollte mir wegen dir Sorgen machen?!«

Lisa drückte ihrem Robert einen Kuss auf die Wange. »Nein, wegen mir brauchst du dir keine Sorgen zu machen.«

»Dann brauche ich mir auch wegen Jonas keine Sorgen zu machen.«

»Was hast du zu ihm gesagt?«, fragte Lisa jetzt.

»Ich habe ihm vorgeschlagen, ihn mit Marie zusammenzubringen.«

»Lass mich raten, er sagte: Nein, Danke!«

»Ich gehe davon aus, dass wir ihn so schnell nicht wieder sehen!«

Roberts Aussage sollte sich nicht bewahrheiten, und der Zustand, in dem Jonas das nächste Mal wieder auftauchen würde, würde alle überraschen.

 

»Junge, wie siehst du denn aus«, begrüßte Vinzenz seinen Freund Jonas, der volltrunken am Tisch saß. Seinen Kopf stützte er auf seinen linken Arm und neben ihm auf dem Tisch stand eine halbvolle Flasche Bier.

»Ach, lass mich in Ruhe«, lallte Jonas Vinzenz entgegen.

»Was ist denn hier los«, fragte Robert, als er den Raum betrat.

»Überhaupt nichts«, entgegnete Jonas.

»Der Junge ist total besoffen«, erläuterte Vinzenz die Situation. »Ich glaube dem ist nicht mehr zu helfen.«

»Jonas! Was soll denn dieser Blödsinn!«, versuchte ihm Robert ins Gewissen zu reden.

»Ich trinke um zu vergessen«, erwiderte Jonas.

»Um was zu vergessen?«, fragte Vinzenz.

»Frag Robert, der kennt die Antwort.« Jonas setzte sein Bier an und trank die zweite Hälfte der Flasche auf ex aus. »Kannst du mir noch ein Bier rüberreichen?«

Vinzenz blickte auf den Bierkasten, der in einer Ecke des Zimmers stand. »War der Kasten gestern nicht noch voll?«

»Keine Angst, ich bezahle das Bier«, lallte Jonas. »Reich einfach noch eins rüber!«

Auch Robert schaute auf den Kasten. »Wie viele Flaschen hast du heute schon getrunken?«

»Willst du mir einen Vortrag halten? Ach leck mich doch sonst wo! Dann hole ich mir mein Bier eben selber!« Voller Selbstbewusstsein und vor allem Selbstüberschätzung erhob sich Jonas um sogleich auf dem Boden zusammenzubrechen. Robert und Vinzenz halfen ihrem Freund wieder hoch und bugsierten ihn in einen Sessel, der dummerweise in der Ecke direkt neben dem Bierkasten stand.

Wieder bei Bewusstsein, machte sich Jonas schnell mit der neuen Umgebung bekannt, griff in den Kasten neben sich und angelte sich eine Flasche Bier heraus, doch ehe er sie öffnen konnte, wurde sie ihm von Robert entrissen.

»He, was soll der Mist«, brüllte Jonas. Er wollte ein weiteres Mal in den Kasten greifen, doch Vinzenz war schneller und zog den Kasten vom Sessel weg, so dass Jonas ihn nicht mehr erreichen konnte.

»Du hast genug getrunken«, erklärte Robert in scharfem Ton.

»Bist du meine Mami oder was? Ihr könnt mich alle.« Er sackte im Sessel zusammen und nickte ein.

»Kannst du mir mal erklären, was Jonas meinte mit, er wolle was vergessen«, fragte Vinzenz jetzt Robert.

»Er hat sich verliebt«, bekam Vinzenz als Antwort zurück.

»Und wo genau liegt da das Problem?«

»Er hat sich in Lisa verliebt.«

»OK, ja, das ist ein Problem. Und deswegen hat er Ärger mit dir gehabt?«

»Nein hat er nicht!«, entgegnete Robert. »Er weiß, dass das nie funktionieren würde. Aber deswegen hat er so viel gesoffen.«

Robert blickte auf Jonas, dann sagte er zu Vinzenz: »Lass uns gehen. Er soll seine Rausch ausschlafen, vielleicht kann man dann vernünftig mit ihm reden.«

»Vorsichtshalber sollten wir allen Alkohol von hier entfernen.«

Und genau das taten die beiden auch, bevor sie den Raum verließen.

 

Jonas schlummerte unterdessen tief und fest und träumte - wie sollte es anders sein – von Lisa.

Er saß am Tisch, Lisa saß ihm gegenüber, sie lächelte ihn an, er hatte seine Hände auf dem Tisch liegen und sie legte ihrer Hände in seine. Sie bewegte ihre Lippen, doch er verstand nicht, was sie sagte.

»Was willst du mir sagen?«, fragte er mit einer Stimme, die ihm bekannt vorkam, die aber doch nicht seine war.

Auf dem Tisch lag ein Spiegel. Er sah hinein. Lisas Gesicht konnte er dort erkennen, doch das Gesicht, dass er als seines vermutet hätte, stellte sich als das seines Freundes Robert heraus.

Lisa beugte sich nach vorn, über den Tisch und küsste ihn sanft auf den Mund. Jonas sah ein weiteres Mal in den Spiegel auf dem Tisch. Roberts Spiegelbild wandelte sich und jetzt erkannte er sich selbst im Spiegel, aber auch Lisas Gesicht wandelte sich und im Spiegel erschien das Gesicht von Marie. Die Frau ihm gegenüber hob sein Kinn an und drückte ihm einen weiteren Kuss auf den Mund.

Er wachte auf und über ihn gebeugt stand Marie, die ihn anlächelte. Und Jonas lächelte zurück.

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 06.01.2011. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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