Maria Kindermann

Lavendelduft

 
 
 
Lavendelduft
 
 
 
Die Geschichte einer großen Liebe,
die nur zwei Wochen leben durfte…
 
 
Alles ist vergänglich,
alles hat seine Zeit

In meinem Herzen aber

wird diese Liebe ewig weiter leben…
 
 
……………..
 
 
Endlich habe ich Urlaub. Nun will ich nur noch raus aus der Stadt.
Den Lärm, den Streß und alles was mich schon lange nervt
einfach nur noch hinter mir lassen.
 
Ich fahre aufs Land, das hab ich mir fest vorgenommen.
Einfach losfahren, ohne festes Ziel. Dort, wo es mir gefällt,
werd ich anhalten und dort wo es mir ganz besonders gefällt,
suche ich mir eine kleine Pension und werde mich
ein paar Tage erholen, abschalten und neue Kraft auftanken.
 
Nur gut, daß ich gerade Single bin und mich voll und ganz
auf mich konzentrieren kann.
Ich muß keine Rücksicht nehmen. Es geht nur um mich.
Nur was ich mag, werde ich tun.
Das jedenfalls ist mein Plan für die nächsten Tage.
 
Doch - erstens kommt es anders und zweitens als man denkt…
 
 
Lange hatte ich keine Pause mehr gemacht,
aber ich brauchte auch keine.
Die Fahrt bisher war so entspannend und ich konnte
die schöne Landschaft genießen.
 
Als ich mein Wagenfenster etwas öffnete,
vernahm ich plözlich einen wundersamen Duft.
 
Hier mußte ich anhalten. Davon wollte ich mehr.
 

Ich parkte mein Auto am Waldesrand und vor mir erstreckte sich
ein violett - farbiger Blumenteppich.
 
Ein Lavendelfeld - ein Traum.
 
Ich bückte mich sofort und pflückte mir ein kleines Sträußchen,
hielt es immer und immer wieder unter meine Nase.
Der Duft war so - so berauschend,
ich konnte gar nicht genug bekommen davon.
 
Ja, hier wollte ich bleiben. Genau hier.
 
Ein unbeschreibliches Gefühl kam plötzlich in mir auf.
Warum wünschte ich mir, jetzt verliebt zu sein ?
Macht das dieser Lavendelduft? So etwas wie ein Rausch?
In meinem Bauch waren Schmetterlinge.
 
Ich wünschte mir in diesem Moment wirklich, verliebt zu sein!
 
Hier, in dieser Gegend würde ich mir also ein Zimmer suchen
und meine Urlaubstage  verbringen wollen.
 
Es ist ein richtiges  kleines Paradies hier, noch dazu
mit diesem duftenden Lavendelfeld am Waldesrand.
Was es doch für herrliche Plätzchen gibt, träumte ich so vor mich hin.
 
Schritte waren zu hören.Sie holten mich zurück aus meinem Traum.
Ein Mann stand plötzlich vor mir.
Was für ein Mann - dachte ich.
Er war  groß, gut gebaut, hatte schwarze, leicht gelockte Haare,
die ihm fast bis zur Schulter gingen. Wie gut er doch aussah…
Ein Traum von einem Mann. Vielleicht träumte ich ja auch.
Aber nein,  es war kein Traum.

 
Meine Knie wurden ganz weich, ich bemühte mich um ein freundliches
 „Hallo“, aber in meiner Stimme war ein Zittern,
das der Fremde ganz sicher auch bemerkte.
 
Er erwiderte meinen Gruß ebenso freundlich und begann
ein belangloses Gespräch.
 
Vom Wetter, von der schönen Landschaft hier und dann sagte er,
wie gern er doch hier her käme, um eine Nase voll Lavendelduft
mit nach Hause zu nehmen.
 
Mein Gott, erst seine Stimme, dachte ich.
Kann es das geben?
So stellte ich mir immer meinen Traummann vor
 - jetzt stand er vor mir, mein Traummann.
 
Er wohne ganz in der Nähe und käme,
immer wenn es seine Zeit erlaube,
hier her um kurz mal aufzutanken.
 
Mir war, als könnt ich in diesen Menschen hinein sehn
bis in sein Herz.
Seltsam - obwohl wir uns nie vorher gesehn hatten,
war irgendwie so etwas wie Vertrautheit,
sowas wie Seelenverwandtschaft zwischen uns.
Seine Nähe tat mir so gut.
 
Aber auch, daß er etwas wie Traurigkeit im Blick hatte, bemerkte ich.
Nach seinen Sorgen oder Problemen zu fragen, wagte ich natürlich nicht.
 
Ich suche eine Pension oder ein kleines Hotel,
können sie mir was empfehlen, fragte ich ihn.
Wenn Sie mit einem unserer Gästezimmer zufrieden sind,
dann können Sie gern für paar Tage bei uns wohnen.
 
Er schenkte mir ein Wahnsinnslächeln.
 
Es sind nur 3 Minuten mit dem Auto von hier.
Ich war natürlich damit einverstanden, und fuhr ihm also hinterher
bis zu seinem Haus.

 
Bei diesem Mann würde ich so gern schwach werden,
ging es mir durch den Kopf.
 
Immer wieder ertappte ich mich bei dem Gedanken
…Ob er wohl verheiratet ist?
 
Ja, er war verheiratet. Hatte eine Frau und eine Tochter.
Sie wohnten in einem schönen, alten, großen Haus mit Garten.
 
Na gut, sagte ich mir, er ist also verheiratet,und
ich nahm mein Gästezimmer in Beschlag,
öffnete das Fenster ganz weit und konnte sogar hier noch
den Lavendelduft etwas erahnen.
 
Genau der richtige Ort um zu entspannen!
Das Zimmer war schlicht und einfach, aber sehr sauber
und genau das, was ich suchte.
Ich brauche es ja nur um zu schlafen.
Am Tage wollte ich die Natur genießen.
 
Noch am ersten Abend erfuhr ich von dem Zimmermädchen,
was für ein schlimmer Schicksalsschlag
doch diese junge Familie getroffen hatte.
 
Seine Frau saß im Rollstuhl seit einem Unfall,
und das kleine Mädchen
litt an einer unheilbaren Krankheit
und liegt schon seit Monaten im Krankenhaus.
 

Wie gut geht es mir doch, dachte ich.
Gleichzeitig fühlte ich aber großes Mitleid mit dieser Familie.
 
Nun wußte ich bescheid und wollte mich so gut es ging fern halten
und meine Ferientage für mich allein genießen - doch weit gefehlt.
 
Fernhalten, das war leichter gesagt, als getan,
denn ich lief  Robert mehrmals täglich über den Weg.
Warum war er immer gerade dort, wo auch ich mich befand?
 
Das war doch kein Zufall, nein, es war so gewollt.
Von ihm gewollt und von mir gewollt.
 
Robert war sein schöner Name. Der Name paßte zu ihm,
er gefiehl mir.Es gefiel mir aber nicht nur sein Name!
 
Immer wenn wir uns sahen, unsre Blicke sich trafen,
dann war etwas wie Sehnsucht in uns.
Robert fragte nach meinem Namen
und wollte daß wir Du zu einander sagen.
Natürlich  hatte ich nichts dagegen. Ich wartete ja nur darauf.
 
Was würde seine Frau nur denken, wenn sie mitbekommt,
daß wir uns schon duzen? Überhaupt, was mag sie wohl gedacht haben,
als er mit mir hier ankam?
 
Ganz langsam begann eine Liebesbeziehung zwischen uns.
Robert und Luisa. Zwei Liebende!
 
Eine verbotene Liebe!
 

Immer wenn wir uns draußen, am Lavendelfeld trafen,
uns in den Armen lagen, uns leidenschaftlich liebten,
immer dann war ich unendlich glücklich
und vergaß die Welt um mich herum.
 
Danach mußte ich aber jedesmal an seine Frau denken,
und ich fühlte mich so schlecht, haßte mich für das,
was ich jeden Tag geschehen ließ.
 
Es durfte doch nicht sein! Und doch ließen wir es geschehn.
 
Was hab ich nur getan? Was haben wir nur getan?
 
Immer wieder haben wir es getan und immer wieder
haben wir alles um uns herum vergessen.
 
Es gab für diese paar Stunden des Glücks
nur Robert und Luisa.
An ein Ende konnte ich nicht denken,
wollte ich nicht denken.
 
Es war eine Liebe mit einem bittersüßem Beigeschmack.
Ja, ich liebte diesen Robert.
Er wurde DIE Liebe meines Lebens.
 
Mein Urlaub war alles andere, als ein Erholungsurlaub.
 
Immer zu einer ganz bestimmten Zeit trafen wir uns
an unserem Lavendelfeld,
liebten uns leidenschaftlich, so wie ich nie zuvor geliebt hatte.
So als wollte ich die Zeit anhalten, für immer.
 
Aber die Zeit läßt sich nicht anhalten.
 
Es schien, als würde der Duft vom Lavendel unsere Sinne
verwirren und uns in eine Art von Trance versetzen.
 

Ich fürchtete mich so sehr vor dem letzten Tag,
wollte, daß er nie kommt.
Doch wußte ich genau, er wird kommen, sehr bald.
 
Dann war er da, mein allerletzter Urlaubstag.
 
Auch heute liebten wir uns ohne Ende und immer wieder hörte ich
sein zärtliches Flüstern an meinem Ohr…
“ Ich liebe Dich Luisa“. Immer wieder wollte ich es hören
und immer wieder sagte Robert es zu mir.
 
Tränen liefen uns beiden über die Wangen.
Es waren Tränen der Verzweiflung.
 
Ja, unsere Liebe war eine ehrliche eine große Liebe
für die es aber keine Zukuft gab, keine gemeinsame Zukunft.
Wir wußten es.
 
Nein er hat nicht gelogen wenn er sagte: Ich liebe dich….
In diesen Momenten sagte er immer die Wahrheit.
In diesen Momenten leidenschaftlicher Liebe,
waren seine Worte inner wahr.
 
Er liebte mich. Ich liebte ihn…Aber.
 
Ja,- es gab ein Aber…
 
Diese Worte, die er dann zu mir sagte, als ich schon mit gepacktem Koffer
vor ihm stand, diese Worte höre ich immer wieder,
auch noch heute.
 
Obwohl ich Dich liebe, meine Luisa, so muß ich doch
bei meiner Frau und meinem Kind bleiben.
Wir können nie für immer zusammen sein.
Verzeih mir bitte. Die wunderschönen Stunden mit dir werden für immer
in meinem Herzen bleiben.
 

Meine Frau kann ich doch nicht allein zurück lassen,
sie ist so hilflos ohne mich
und  mein Kind ist sterbenskrank.
Nie wieder könnte ich mich im Spiegel ansehn,
würde ich jetzt mit dir gehn.
Mein Gewissen läßt es nicht zu. Versteh doch bitte.
 
Das mußte ich verstehn und sicher hätte ich genauso gehandelt,
wäre ich in seiner Situation gewesen.
 
Schweigsam, gingen wir, nur vom leisen Wind begleitet,
der den Lavendelduft durch die Lüfte trug und wir wünschten uns so sehr,
eine gemeinsame Zeit für immer…
 
 
Unser allerletztes Rendezvous - wir trafen uns noch einmal,
um uns ein letztes mal  tief in die Augen zu sehn,
ein letztes mal in den Armen zu liegen, ein allerletztes mal
gemeinsam die warme Lavendelluft  zu  atmen.
 
Der Duft war schwächer geworden…
Langsam war der Lavendel schon am verblühn .
 
Hatte das vielleicht auch mit uns zu tun?
War das der Beginn von unserem leisen Abschied?
 
Wir trafen uns immer dort, am Rande des Waldes,
dort, wo das nicht enden wollende Lavendelfeld lag.
 
Dieser Duft, er wird immer in mir bleiben, selbst dann noch,
wenn es uns beide als Paar lange nicht mehr gibt.
 
Auch dann werde ich diesen betörenden Duft noch mögen,
der mich immer an meine große Liebe erinnern wird.
 
 
Die Verabschiedung von Robert und seiner Familie
verlief dann doch mit ein paar Tränen,
obwohl ich mir fest vorgenommen hatte,
nicht zu weinen und vor allem nicht zu zeigen,
was und wie ich fühlte.
 
Seine Frau durfte ja niemals erfahren, was zwischen uns war.
Sie saß in ihrem Rollstuhl im Garten und las in einem Buch.
Dann legte sie es beiseite, um sich von mir zu verabschieden.
 
Als ich ihr die Hand reichte, konnte ich in ihrem Blick so viel lesen.
Sie wußte alles von uns, ließ es  geschehn und schenkte mir
zum Abschied sogar noch ein warmes und ehrliches Lächeln.
Was für eine starke Frau.
 
Als ich in meinem Auto saß, fühlte ich wie die Röte mir
ins Gesicht stieg.
Was hatte ich dieser Frau angetan,
wie sehr schämte ich mich jetzt dafür.
 
Aber wie sehr liebte ich doch auch ihren Mann,
meinen Robert, den ich nun verlassen mußte
und den ich nie wieder sehn würde.
 
Ich konnte nur noch weinen.
An unserem Lavendelfeld fuhr ich schnell vorrüber.
Die Heimfahrt war so schlimm. Ich hatte keine Tränen mehr,
als ich zu Hause ankam, fühlte nur Sehnsucht
und Liebesschmerz in mir.
 
Wie sollte ich ohne Robert weiterleben?
Wo doch jeder Gedanke nur ihm galt.
Wie sollte ich ihn vergessen, aus meinem Leben streichen?
Nein das war unmöglich - ich konnte es nicht,
ich wollte es nicht.
 
Ich lebte mit meiner Erinnerung.

 
Der Alltag hatte mich wieder, aber er war nie mehr so
wie vor meinem Urlaub. Es war etwas geschehn,
was mich verändert hatte. Ich liebte.
Die Sehnsucht nach meiner grossen Liebe
zeriß mein Herz in jeder Nacht aufs neue.
 
Das Leben muß weitergehn, redete ich mir ein
und es ging weiter…irgendwie.
 
Es wird eine neue Liebe kommen, du wirst über diesen Liebesschmerz hinwegkommen. Ich versuchte es mir einzureden.
Auch meine Freunde und meine Mutter wollten mir klar machen,
daß man über einen Liebeskummer hinweg kommen wird.
Es tut weh, doch die Zeit heilt Wunden und irgendwann
werde ich diesen Mann vergessen haben…
Alle hatten gut reden, jedoch ich wußte,
daß es nicht so sein wird.
 
Nie werde ich meinen Robert vergessen
und nie werde ich aufhören können,
ihn zu lieben.Auch wenn ich mich darum wahrlich bemühte.
 
Die Nächte waren voller Sehnsucht, aber am Tage war es dann
nach ein paar Wochen doch etwas leichter geworden.
 
Meine Arbeit half mir dabei. Ich schaffte es,
mich tagsüber voll auf meine Arbeit zu konzentrieren.
 
Ich war Verkäuferin in einer Parfümerie.
 
Meine Arbeit machte mir viel Freude und so poe a poe
verdrängte ich mehr und mehr den Gedanken an Robert.
 
Hatte meine Mutter recht, wenn sie mir immer wieder sagte,
daß Zeit alle Wunden heilt? Es tat wirklich nicht mehr so weh,
wenn ich an Robert dachte.
 
Unsere Liebe hat keine Zukunft und vielleicht hatte
die Vernunft nun mein Herz besiegt.
 

Gerade wollte ich den Laden schließen, als noch ein Kunde
in letzter Minute hereinstürzte und sich erstmal entschuldigte,
daß er zu dieser Zeit, wo normalerweise schon geschlossen wird,
noch etwas kaufen müsste.
 
Mit einem Lächeln erklärte ich ihm, daß es für mich
kein Problem ist, wenn ich den Laden paar Minuten länger aufhätte
 - ich würde ihn gern noch bedienen.
Was wünschen Sie, fragte ich dann freundlich.
 
Meine Schwester hat heut Geburtstag und ich will ihr
ein gutes Parfüm schenken, nicht so aufdringlich,
etwas dezenter, vielleicht etwas blumig…
Zeigen sie mir doch bitte etwas.
 
Während ich einige Parfümflakons vor ihm aufbaute,
schaute ich mir diesen Typ unauffällig an.
Brillenträger, fast keine Haare mehr, etwas untersetzt,
und doch hatte er irgend etwas an sich, was mir gefiel.
War es seine Art zu reden, seine Augen?
 
Er entschied sich ganz spontan für den Lavendelduft.
 
Schon war er da, der Gedanke an Robert,
es war aber nur ein ganz kurzer Gedanke.
Nur ein Augenblick.
 
Mein nächster Gedanke war:
Er liebt auch diesen Duft von Lavendel,
wir haben etwas Gemeinsames.
 
Er bezahlte und ging, drehte sich an der Tür nochmal um
und lächelte mir zu.
Ja, jetzt wußte ich es, seine Augen waren es,
die hatten etwas Liebevolles, etwas Gütiges.
 
Ich lächelte freundlich zurück dann schloß ich den Laden ab.

 
Irgendwie ging mir dieser letzte Kunde der das Parfüm kaufte,
nicht aus dem Kopf.
Immer wieder sah ich vor mir, wie er sich an der Ladentür umdrehte
und mir ein Lächeln schenkte, bevor er ging.
 
Das ist schon seltsam, weil er überhaupt nicht
mit Robert zu vergleichen ist.
Er war das ganze Gegenteil von ihm.
Er ist eher unscheinbar, Robert dagegen fiel sofort auf.
Jetzt fragte ich mich, ob ich vielleicht nur
in das Äußere von Robert verliebt war
und ob ich vielleicht doch nur
den Rausch und das Abenteuer mit ihm wollte?
 
Nein, nein, ich war schon richtig in meinem Robert verliebt.
War? Warum denke ich jetzt schon in der Vergangenheit?
Weil es keine Zukunft geben wird für uns?
Weil es noch andere Männer auf dieser Welt gibt?
Weil meine Mutter vielleicht doch recht hatte?
 
Mit seltsamen Gedanken schlief ich ein.
 
Am nächsten Morgen bin ich bereits eine halbe Stunde früher im Laden
als sonst, warum, weiß ich auch nicht.
 
Wartete ich vielleicht auf einen bestimmten Kunden?
Was war nur mit mir los? Immer wieder schaute ich mich im Spiegel an,
ob auch alles an mir in Ordnung ist.
 
Dann kam er, der letzte Kunde von gestern.
 
Ich muß ihnen ein Kompliment machen, sagte er.
Den Duft, den sie mir verkauften, er kam bei meiner Schwester
sehr gut an.
Das wollte ich ihnen gern sagen und mich nochmal
bedanken dafür.
Lavendelduft hat irgend was Besonderes, meinte er noch.
 
Ja, wie recht er doch hatte.
Lavendel berauscht die Sinne! Ich kann ein Lied davon singen.
 
Der Laden füllte sich und ich konnte mich mit diesem netten Herren
nicht weiter unterhalten, leider nicht.
 
Ob er bei Ladenschluß wiederkommen dürfte,
hat er noch schnell gefragt,während ich die anderen Kunden bediente.
Ich nickte ihm kurz zu, dann ging er.
 
Der Tag war sehr lang, ich empfand es so.
Konnte den Feierabend nicht erwarten.
Er kam, hatte sogar Blumen mit.
Es war ein kleiner bunter Sommerblumenstrauß,
der mir recht gut gefiel. Keine Rosen, dachte ich.
Rosen wären für das erste Treffen auch viel zu taktlos.
 
Wir verbrachten einen schönen gemeinsamen Abend
in einem kleinen Lokal.
 
Machten uns bekannt, lachten viel.
Seit ich von Robert weg war,
hab ich nicht mehr so gelacht und mich so wohlgefühlt.
 
Ich mußte gar nicht an Robert denken.
Alexander hieß mein Gegenüber.
Alexander war ein sehr
netter und freundlicher Herr.
Vielleicht etwas zu alt für mich, dachte ich.
 
Der Abend verlief so gut, daß wir uns wieder verabredeten.
 
Er war nicht mehr berufstätig, erfuhr ich in einem Gespräch.
Einst arbeitete er im Bergbau untertage und nun
ist er durch eine Berufskrankheut arbeitsunfähig.
 
Aber es ginge ihm doch gut. Man sah ihm auch keine Krankheit an.
 
In Wirklichkeit war er aber schwer Lungenkrank,
was er mir leider erstmal verschwieg.
 
Zwischen uns funkte es und meine Mutter war überglücklich,
als ich ihr meine neue Liebe vorstellte.
 
Immer öfter ertappte ich mich dabei, daß ich Alexander
mit Robert verglich.
Er war wirklich das ganze Gegenteil.
 
Und wenn wir uns liebten, wünschte ich mir im Geheimen,
Robert ist es, der mich glücklich macht.
Nun wußte ich auch, daß ich Robert noch immer liebte
und Alexander nur ein Art Ersatz war.
Nein Ersatz ist das falsche Wort.
Robert kann man doch nicht ersetzen.
 
Für Alexander empfand ich eine tiefe Freundschaft.
Er war so was wie ein väterlicher Freund für mich geworden.
Niemals hätte ich ihm weh tun können und ihm gesagt,
daß ich ihn nur gern habe aber niemals lieben würde.
Nein das konnte ich ihm nicht sagen.
 
Irgendwann zog Alexander dann bei mir ein
und alles schien zwischen uns in Ordnung zu sein.
 
Er wollte mir jeden Wunsch von den Augen ablesen,
machte mir immer wieder kleine Überraschungen.
Er bemühte sich so sehr um mich.
Ja, es war zu spüren, Alexander liebte mich.
 
Aber er darf nie erfahren, daß ich nur Freundschaft für ihn empfinde.
 
Eines Abends war Alexander anders als sonst, er
saß traurig da und fand keine Worte für mich.
Ich wollte wissen, was ihn bedrückt.
 
Nach langem hin und her, sagte er mir endlich, was los war.
Heut war er beim Arzt und es wurde Lungenkrebs festgestellt,
der schon weit fortgeschritten war.
Ihm blieben vielleicht noch paar Monate
oder wenn er Glück hat noch ein Jahr.
 
Wir weinten beide und sprachen kein Wort mehr an diesem Abend.
Ich fühlte so ein tiefes Mitleid, weil er mir doch
so sehr ans Herz gewachsen war.
 
Alexander war ein sehr lieber Freund für mich geworden
und ich wollte ihn natürlich nicht verlieren.
 
Am nächsten Morgen mußte ich nicht in den Laden.
Wir sprachen über unsere Zukunft. Ich versprach ihm,
immer bei ihm zu bleiben und mit ihm auch die schlechten Zeiten
durchzustehn, machte ihm Mut und vielleicht
könne er ja den Krebs doch noch besiegen.
 
Ich würde immer an seiner Seite bleiben und helfen,
wo ich nur kann.
Das meinte ich auch so. Das Versprechen,
welches ich ihm gab, kam aus meinem Herzen.
 
Die darauffolgenden Wochen waren alles andere als schön.
Die Krankheit verschlimmerte sich zusehends.
Eine Chemotherapie half nicht mehr.
Alexander hatte große Schmerzen.
Er verbrachte die meiste Zeit im Bett
und ich kümmerte mich um ihn.
 
Tagsüber blieb Alexander allein, weil ich arbeiten mußte,
aber am Abend war ich immer für ihn da.
Auch meine Kräfte verließen mich manchmal
und ich weinte heimlich.
Mit meinen Sorgen wollte ich Alexander aber
nicht auch noch belasten.
 
Er hatte es so schon schwer genug.
 
Das ihm wohl nicht mehr viel Zeit bleibt, wußte er.
 
Die Tage und Wochen, die ihm jedoch noch blieben,
wollte ich ihm so schön es nur ging gestalten.
 
Ich würde ihn nie im Stich lassen,
hatte es ihm ja fest versprochen.
 
 
Dann - eines Tages, bekam ich einen Brief.
Robert schrieb ihn mir. Meine Finger zitterten,
als ich den Umschlag öffnette.
 
Als ich diese Zeilen las, schlugen plötzlich zwei Herzen
in meiner Brust. Die Gefühle, die Liebe zu Robert,
alles war ganz plötzlich wieder da
und ich wäre am liebsten sofort in meinen Wagen gestiegen
und zu ihm gefahren, aber…
 
Ja, - es gab wieder ein Aber.
 

Ich las seine Zeilen: 
 
Meine geliebte Luisa!
Jeden Tag habe ich um dich geweint,
habe mich verzehrt nach Deinen Küssen,
 nach Deiner Liebe.
 
Jede Nacht fühlte ich nur Dich,
nur Deinen Duft neben mir.
Jeden Tag habe ich zum lieben Gott gebetet,
er möge mir doch meine Luisa wiedergeben…
 
Nun schreibe ich Dir mit Tränen in den Augen.
Meine Tochter ist vor 6 Wochen
 im Krankenhaus eingeschlafen.
Sie muß nun nicht mehr leiden.
 Ich weiß, sie ist irgendwo, in einer besseren Welt
und schaut auf mich als Engel herab.
 
Diesen Tod unseres Kindes,
 hat meine Frau nicht verkraftet.
 Kurz danach nahm sie eine Überdosis Schlaftabletten.
Als ich sie fand, hielt sie einen Zettel in den Händen.
 
…werde glücklich mit deiner Luisa.
 
Nun weißt Du alles von mir. Nun weißt Du,
wie es mir geht. Nun weißt Du,
daß ich auf Dich warte.
 
Ich liebe dich, Luisa.
 
Dein Robert
 

 
Lange konnte ich keinen klaren Gedanken fassen.
Immer wieder las ich seine Zeilen und immer wieder
verzehrte ich mich nach ihm vor Sehnsucht.
 
Ich sah uns plötzlich wieder in unserem Lavendelfeld liegen
und war mir jetzt auch wieder ganz sicher,
ich hatte nie aufgehört, Robert zu lieben.
 
Aber, niemals könnte ich Alexander im Stich lassen.
Er war so krank. Nein, ich würde es nicht fertig bringen.
 
Warum mußte ich gerade jetzt ein ein altes Lied denken,
das mir meine Mutter manchmal vorsang:
 
Es waren zwei Königskinder, die hatten einander so lieb.
Sie konnten zusammen nicht kommen,
das Wasser war viel zu tief…
 
Ich schrieb Robert zurück. Die Wahrheit  konnte ich ihm nicht schreiben.
Wenn ich ihn anlüge und schreibe, daß ich neu verliebt bin,
so wird er vielleicht besser darüber hinwegkommen.
 
Also wird er von mir nie erfahren, daß meine große Liebe
immer nur Robert war und auch immer sein wird.
 
Der Kreis hat sich irgendwie geschlossen.
 
Auch Robert konnte damals nicht mit mir kommen,
weil sein Gewissen ihn nicht gehen ließ.
Nun bin ich es, die nicht alles hinter sich lassen kann,
weil auch ich ein Gewissen habe.
 
Eine gemeinsame Zukunft für Robert und Luisa wird es nicht geben,
 
 
….noch nicht !
 
ENDE
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
  

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