Er hörte zu
und ruhte
- scheinbar-
dabei tief in sich.
Bewegte zwar das Glas im Spiel der langen Finger,
doch schien sich die Bewegung
niemals auf den Wein zu übertragen!
Das alles gab dem eine Selbstverständlichkeit,
die er sich später nutzen würde...
Denn ihn beschäftigte es nur am Rande,
worum es seinem Gegenüber
wirklich ging.
Zuhören war,
was er als Eindruck eigentlich vermitteln wollte:
Dass er den andern so verstehe
wie besser es nicht möglich sei.
In dieser Absicht war
- wie unauffällig -
die Höhe seiner Augen dann
stets etwas tiefer,
als der Kopf des andern.
Der sollte
- nur wenig,
aber dennoch wichtig! -
auf ihn herunter blicken dürfen!
Nicht minder von Bedeutung das Gebot,
so, wie der
- jedoch mit angemessener Verzögerung -
etwa den Unterarm aufs Knie zu stützen
und ihm auch sonst
in der Bewegung später folgen;
- sich also mit ihm etwa wegzubeugen
oder anzulehnen -
- und ihm so immer Spiegel sein,
in dem sich der bewundern konnte!
Dabei
jedoch bewusst darauf bedacht:
Nur wenn das seiner Kontrolliertheit nicht entwich,
würde er dem Zwang entgehen,
dem Selbstbetrug des anderen
nicht ebenfalls zu unterliegen.
Um daher selber frei zu bleiben,
übte er sich unermüdlich
in kunstvoll leeren Wortgebrauch,
den schlichteres Gemüt
sich nach Belieben selber deutet...
Was ihm
- dem Schöngeist -
dann ein Mehr an Anerkennung brachte,
wenn
- insgeheim von ihm Gehöhnte-
sogar auf seiner Gegenwart! bestanden
Manch einem
mag so Verhalten übertrieben scheinen!
Doch Lauterkeit in diesen Dingen,
schien ihm so sinnlos,
wie Volkesmasse das Gefühl zu nehmen,
mehr als nur Mittelmaß zu sein!
Zumal ihm mit der Zeit
so Selbstverleugnung
zum Aufwind seiner Pläne wurde!
Flog er doch schließlich über fremdes Land,
auf das ihn andre willig blicken ließen
- jedoch bedacht,
dabei die Landung und den Platz
stets selber zu bestimmen,
damit sich Neigung und Gefälligkeit
bei kühlem Wägen
weiter selbst entscheiden könnten,
was ihm aus allem nützlich war. .
Und lähmte ihn mal kurz die Ahnung,
er würde sich am Ende vielleicht selbst missbrauchen,
half ihm die Überzeugung wieder auf,
dass er ersichtlich
dieses Spiel beherrsche,
Macht
für sich genussvoll auszukosten.
Es ärgerte ihn daher insgeheim,
dass ihm trotzdem entgehen konnte,
wie er sein Glas
- zu lange schon! -
nur in den Fingern drehte,
als habe ihn
doch Langeweile übermannt!
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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 27.01.2003.
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Der Stieglitz hat ´ne Meise: Gedichte
von Jana Hentzschel
Aus dem Wald in die Pfanne ... Tief unterm Büschel Gras versteckt, mit einem Blatt noch abgedeckt, beobachtet ein Pilz im Wald so manch befremdliche Gestalt. Sie schlurfen, ein paar trampeln auch, in Stiefeln und 'nem Korb vorm Bauch, das scharfe Messer in der Hand, den Blick zum Boden stets gewandt. Ein Freudenschrei, ein scharfer Schnitt, so nehmen sie Verwandte mit; und der versteckte Pilz, der weiß, im Tiegel ist es höllisch heiß. So brutzeln aber will er nicht! Da bläst ein Sturm ihm ins Gesicht, es rauscht und wirbelt ringsherum, schon bebt der Wald - ein Baum fiel um. Genau auf seinen Nachbarn drauf. Das ändert seinen Denkverlauf: "Welch übles Ende: Einfach platt! Da mach' ich lieber Menschen satt." Drum reckt er sich aus dem Versteck, er will jetzt plötzlich dringend weg: "Vergesst mich nicht! Ich bin gleich hier und sehr bekömmlich, glaubt es mir."
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