Susann Zimmermann

Vergänglichkeit

Es war Sommer, ich glaube es war ein Samstag. Der 28. Juni. Lisa und Ina hatten von 2 Typen erzählt, die gestern am Zaun hinten im Park gestanden und Bier getrunken haben. Nach dem Abendessen gingen wir raus und da standen sie. Der eine saß in einem silbernen Mazda hinterm Steuer und der andere, etwas kräftigere, stand am Zaun, hielt seine Bierflasche in der Hand und rauchte eine Lucky Strike. Den, der im Auto saß, konnte ich anfangs nicht so richtig sehen. Doch das was ich sah, fand ich ziemlich niedlich. Schließlich ist er ausgestiegen. War ihm wohl auch zu blöd, sich ständig verrenken zu müssen. „Wow“ , war mein erster Gedanke. Der ist ja richtig niedlich. Groß, dunkelbraune, fast schwarze, Haare, blaugrüne Augen, süßes Lächeln. Hat mich umgehauen. Mein Freund, der zu Hause treu und brav auf mich wartete, war vergessen. Hatte nur noch Augen für dieses Grinsen, leicht verlegen, aber unendlich süß. Sie stellten sich schließlich vor: „Gestatten, ich bin Olli!“ , meinte der andere so zu mir. Ich brachte ein schiefes Grinsen zustande. „Und ich heiß Susi!“ rang ich mich dann durch. Wieder dieses Grinsen. Der Typ machte mich wahnsinnig. Und dann redete er. Mir liefen kalte Schauer über den Rücken. Robin. Ich wiederholte den Namen in Gedanken. Wahnsinnsstimme der Typ. Wir unterhielten uns noch ne Weile, Robin war echt süß, bot mir ne Zigarette an.... Doch dann mussten wir rein, leider. Doch am nächsten tag wollten wir uns wiedersehen. Freute mich total drauf. War ganz hippelig.
Nächster Tag. Sie warteten schon auf uns, wir kamen etwas zu spät, die Erzieher haben mal wieder nen Rappel gehabt. Olli eröffnete uns, dass sie jetzt zu ihm fahren würden, um Auto zu bauen. Olli fuhr beim Ronny mit und Robin blieb noch kurz da. Als er auch gehen wollte, nahm ich all meinen Mut zusammen und fragte frech „Und wo bleibt mein Abschiedskuss?“ Robin ließ sich nicht zweimal bitten und gab mir einen Kuss über den Zaun hinweg. Hat mir trotzdem weiche Knie gemacht. Bin dann zum Abendbrot gegangen und flüsterte Ina, die neben mir saß, zu: „Er hat mich geküsst!!!!“ Ina betrachtete etwas sorgenvoll das Glitzern in meinen Augen. Dann später im Zimmer fragte sie mich: „Und dein Freund??“ Der war mir im Moment egal. Aber auch Kristin war die ganze Sache nicht geheuer. Doch das war mir alles egal. Und damit fing der Ärger an. Sie kamen wieder, nach dem Abendbrot, und ich fragte sie, ob sie nicht außen herum fahren könnten, zum Haupteingang. Der blöde Zaun hat mich einfach gestört. Sie sind also ins Klinikgelände rein gefahren, was sie eigentlich gar nicht durften. Und ich bekam meinen ersten richtigen Kuss von Robin. Man, der konnte vielleicht küssen!!! War mit Raketenstart auf Wolke 7 gelandet. Die Schmetterlinge flatterten nur noch so dahin. Leider erwischten uns die Erzieher und machten wahnsinnig Terror. Auch Tina und Doreen, die eine Antipathie gegen Olli hatten waren sauer auf mich. Tina forderte sogar von mir eine Entscheidung zwischen Robin und mir. Hab mich in dem Moment für Tina entschieden, weiß nicht, was ich sonst noch alles hätte durchmachen müssen. Hatte so schon genug Ärger mit genug Leuten. Wenn Robin das gewusst hätte...Hab echt ne Menge ausgehalten für ihn...
Sie haben sich mit Robin angefreundet. Nur mit Olli wollte sich keiner außer mir erwärmen. Der war dann bei unseren Ausflügen auch nicht mehr dabei. Schade eigentlich... Robin hat mir sogar sein Ersatzhandy gegeben, weil bei uns in der Klinik die Handys verboten waren und ich meins nicht mit hatte. Und wir wollten uns ja Treffpunkte und Zeiten ausmachen.
Man, das war eine echt schöne Zeit, zur Kur. Als sich die anderen mit Robin abgefunden haben, ja sich sogar ein bisschen angefreundet haben, war´s viel lustiger, viel entspannter. Wenn da nur mein Freund zu Hause nicht gewesen wäre...
Dem hab ich es per Brief „gebeichtet“. Erschien mir einfacher. Doch er sah das anders. War sauer. Stinksauer. Hat sich mit ner SMS für den Brief „bedankt“. Hat mir die ersten Zweifel gebracht. War es das wirklich wert? Für einen kleinen „Flirt“ meine Beziehung aufzugeben?! Ich wusste, dass es für Robin und mich keine Zukunft gab. Schon allein durch die Entfernung nicht. Doch für diese Erkenntnis war es zu spät. Ich war bereits Hals über Kopf in Robin verknallt. Wollte mit ihm schlafen. Unbedingt. Doch er hat abgeblockt. Und dann kam seine Ex. Maja. Blöde Kuh mit nem fettem Arsch. Bei uns war das Hass auf den ersten Blick. Verständlich, oder? Robin wollte nix mehr von Maja. Die war ihm egal. Das hat Maja allerdings nicht gestört. Sie schrieb mir Nachrichten nach dem Motto: „Robin ist MEINE!!!!“ So Kindergartenniveau. Grausam. Bei Doreen, Ina, Tina und mir war es die „Spaßfraktion“, unsere Biene Maja. Wir haben ihr sogar ein Lied, nach der Melodie von Biene Maja gesungen, gedichtet:
„Und diese Biene die ich meine die heißt Maja,
kleine, fette, hässliche Biene Majaaaaa,
Majaaaaaaaa fickt wie es ihr gefällt,
Maja, Maja, Maja Majaaaaaaaaa
Majaaaa, dass ist deine Welt!“
Wir trällerten es zu jeder Gelegenheit. Vierstimmig, versteht sich. Maja fand dieses Lied allerdings nicht so toll, komisch oder? Bei unserem Liedvortrag fing sie mit unverhohlenem Sarkasmus an zu klatschen. Das fanden wir nur noch lustiger. Aber genug davon. Die Zeit des Abschieds nahte. Leider. Ich glaube, wir haben uns in diesem Moment nicht so Recht klar gemacht, wie lange wir getrennt sein würden. Das war uns einfach nicht bewusst.
Es folgte eine Zeit der unendlichen Telefonate und des noch besseren Kennenlernens. Dann kam die Trennung. Meinerseits. Ich fühlte mich einsam, unverstanden, ungeliebt. Trotz Freund. Doch der war weit weg. Viel zu weit weg. Ich brauchte ihn hier. Dringend. Und da kam René. Sagte, er finde mich begehrenswert. Gab mir die Nähe, die ich brauchte. Und da hab ich die Beziehung zu Robin beendet. Weil ich ihm, und auch mir, nicht weh tun wollte. Die Beziehung zu René dauerte ganze 1 ½ Wochen. Wahnsinn. Ich begann, wider mit Robin zu telefonieren. Er sagte mir, das er mich immer noch liebt. Ich wusste nicht was ich tun sollte. Er schreib mir SMS, dass er alles für mich tun würde und wie sehr er mich doch liebt. In der Nacht, nachdem wir eine Stunde telefoniert hatten, wurde mir klar, wie viel er mir bedeutet. Was ich wirklich für ihn empfinde. Und das wir es schaffen können. Mit unserer Liebe. Klingt kitschig, verlogen und klischeehaft. Ist aber so. Ich hab ihn wirklich geliebt. Und dann geschah das Unglaubliche. Erst kamen wir wieder zusammen. Und dann kamen er und Olli mich besuchen. Am 22. November 2002. Ich wollte es den ganzen Abend nicht glauben. Erst als sie wirklich vor mir standen. Ich hatte weiche Knie und mein Herz hämmerte wie ein Presslufthammer. Wie bei unserem ersten Kuss. Kurze Zeit sahen wir uns einfach nur an. Wir wollten beide den Augenblick genießen, endlich wieder zusammen zu sein. Dan lagen wir uns in den Armen. Und küssten uns leidenschaftlich. Bis Olli sich räusperte und meint: „Äh, so war das aber nicht geplant!“ Dann lachten wir alle befreit.
Kurz und gut, an diesem Wochenende haben wir zum ersten und zum einzigen Mal miteinander geschlafen. Es war gigantisch. Mehr brauche ich dazu, glaube ich nicht zu sagen. Der Abschied viel unglaublich tränenreich aus, ich wollte ihn nie wieder gehen lassen. Und Robin wollte, glaube ich, auch nie wieder gehen. Das hab ich in seinen Augen gesehen. Doch sie mussten gehen. Leider. Mit traurigen Gesichtern und hängenden Köpfen.
Als wir zwei Tage später telefonierten, waren wir beide fast am heulen. Ich wollte ihn hier bei mir, am besten sofort. Ihm ging es genauso.
Er beendete unsere Beziehung per SMS am 15. Dezember 2002. Endgültig. Doch auch ich spürte nicht wie sonst diese tiefe Trauer. Es war wirklich vorbei. Wir trennten uns in Freundschaft. Er ist mir immer noch wichtig, ganz einfach, weil er meine große Liebe war und auch immer bleiben wird. Und er kennt mich sehr gut. Außerdem versteh ich mich mit Olli super. Wir werden sehen. J Bis dahin...leb ich so vor mich hin.
Single sein ist auch schön!
Genießt es

Diese Geschichte beschreibt einen wichtigen Abschnitt in meinem Leben.
Viele haben zur Kur etwas neues entdeckt.
Ich habe die große Liebe gefunden.
Susann Zimmermann, Anmerkung zur Geschichte

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 27.01.2003. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

Die Autorin:

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Stream of thoughts: Stories and Memories – for contemplating and for pensive moments (english) von Heinz Werner



Do we know what home is, what does this term mean for modern nomads and cosmopolitans? Where and what exactly is home?
Haven't we all overlooked or misinterpreted signs before? Are we able to let ourselves go during hectic times, do we interpret faces correctly? Presumably, even today we still smile about certain encounters during our travels, somewhere in the world, or we are still dealing with them. Not only is travveling educating, but each travel also shapes our character, opens up our view for other people, cultures and their very unique challenges.
Streams of thoughts describes those very moments - sometimes longer, sometimes only for a short time - that are forcing us to think and letting us backpedal. It is about contemplative moments and situations that we all know.

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